Martina Selig, Sascha Hagenhenrich genannt Hagemann und Matthias Borner, Foto (c) NW
Begegnen Ihnen im Urlaub ein Herr Hakenewerd, eine Frau Franzbohnenkamp oder die Gebrüder Großehellforth, dann wissen Sie sofort, woher diese Personen stammen (bzw. auf Ostwestfälisch: "sobutz, wo diese Leute wech sind"): aus Ostwestfalen-Lippe! Denn nur in der Region zwischen Weserbergland, teutoburger Wald und Paderborner Hochfläche tragen die Menschen derart ungewöhnliche, wohlklingende und phantasievolle Familiennamen wie Indenbirken, Füchtencordsjürgen und Maaskerstingjost – oder Ottovordemgentschenfelde, den längsten deutschen Familiennamen ohne Leerzeichen und Bindestrich!
Die schönsten dieser Nachnamen zu sammeln, hat sich das Internetprojekt
www.ostwestfaelische-namen.de zum Ziel gesetzt. In dem Namensverzeichnis sind über 500 regionaltypische Familiennamen von A wie Antpöhler bis Z wie Zurmühlen aufgeführt. Den Grundstock der Kollektion bildet die Namensammlung der Ex-Frankfurterin Martina Selig (42), die bei ihrem Umzug von Hessen nach OWL über allerlei in ihren Ohren fremd klingende Namen stolperte – und diese „Stolpersteine" sammelte.
Matthias Borner (37), Autor zahlreicher Ostwestfälisch-Sprachführer (
www.ostwestfaelisch.de), bringt diese Sammlung nun ins Internet. Er bereitet das Thema Namenkunde unterhaltsam auf – zum Beispiel durch einen Namengenerator. Dieser stellt in Form eines „einarmigen Banditen" auf Knopfdruck ostwestfälisch klingende Familiennamen aus entsprechenden Silben zusammen: von Lütke-/-eiken-/-pohl bis Große-/-schnaken-/-gerd – nie war es leichter, sich in OWL einen Namen zu machen!
Listen mit den schönsten und den längsten Familiennamen sowie mit ungewöhnlichen Orts- und Vereinsnamen in der Region runden das Angebot ab. Gestaltet und programmiert wurde die Website von der Bielefelder Agentur "Digitalkombinat" (
www.digitalkombinat.net), genauer von Sascha Hagenhenrich genannt Hagemann (36) – auch dies ein typisch westfälischer, sogenannter Genanntname. (Diese Namen wurden verwendet, wenn ein Hofbesitzer keinen männlichen Erben hinterließ, so dass sein Hof durch Verkauf oder Einheirat an einen Fremden ging. Der Hofname sollte durch die Übernahme aber nicht verloren gehen. So wurde es besonders in Westfalen Brauch, dass der Neue den Namen des ehemaligen Hofbesitzers an seinen eigenen Namen anhängte.)
Wer einen Namen aus der Region Ostwestfalen-Lippe kennt, der noch in dem Online-Verzeichnis fehlt, oder der Hinweise zur Herkunft und Bedeutung eines verzeichneten Nachnamens machen kann, ist herzlich eingeladen, sein Wissen zu teilen und sich bei ostwestfaelische-namen.de zu melden!
M. Borner