Inzwischen haben viele Menschen den Begriff „Familienaufstellungen "gehört. Und es gibt -wie soll es auch anders sein- Menschen, die davon schwärmen, und Menschen, die von schlechten Erfahrungen berichten. Und an der Person Hellinger, der die Methode nicht erfunden, aber wesentlich bereichert und vor allem bekannt gemacht hat, scheiden sich sowieso die Geister.
Angenommen ich interessiere mich für eine Familienaufstellung – gibt es Kriterien oder Hilfen, wie ich einen „guten" Aufsteller,eine gute Aufstellerin finden kann? Auch wenn Aufstellungen inzwischen von Ärzten und Psychotherapeuten angewandt werden, der große Teil der Anbieter sind Heilpraktiker, Lebensberater, oder tragen andere Bezeichnungen. Und dann gibt es Internet-Portale, in denen Therapeuten und sonstige Dienstleister ihre Hilfe anbieten. Aber damit ist in der Regel keine Aussage über die Qualität der Anbieter verbunden.
Inzwischen gibt es zum Glück Berufsverbände und Institutionen,die sich die Qualität der Anbieter auf die Fahnen geschrieben haben.Denn auch für diese noch junge Methode gibt es keine normierte Ausbildung,es gibt Institute,die das Wissen darüber an drei Wochenenden vermitteln wollen, und Institute,die ein 4-jährige Ausbildung anbieten! Eine erste Möglichkeit ist es,die Webseiten der Verbände einzusehen. Da gibt es die Deutsche Gesellschaft für Systemaufstellungen -DGfS (www.familienaufstellung.org). Hier werden Ärzte, Psychotherapeuten und Heilpraktiker gelistet,die eine mindestens 2- jährige Weiterbildung nach vorgegebenen Kriterien absolviert haben. Heilpraktiker müssen zudem eine 3-jährige Ausbildung in einer weiteren Methode nachweisen. Für Organisationsaufstellungen empfiehlt sich ein Blick auf www.infosyon.com. Dort finden sich Organisationsberater und Coaches,die ebenfalls eine umfangreiche und fundierte berufliche Ausbildung,und eine entsprechende Qualifikation als Systemaufsteller nachweisen müssen.
Und als dritte Organisation sei www.systconnect.net erwähnt. Hier finden sich die Teilnehmer der 4-jährigen Ausbildung des SySt-Institutes in München (www.syst.info), das von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd geleitet wird.Beide haben die Aufstellungsarbeit entscheidend weiter entwickelt mit ihren Formaten der systemischen Strukturaufstellungen.
Nun ist eine gute Ausbildung das eine,aber garantiert natürlich nicht automatisch eine entsprechende Haltung.Und genauso wichtig ist es,ob mir der Therapeut,die Therapeutin menschlich „liegt ". Häufig werden Familienaufstellungen als einzelner Wochenend-Event angeboten.Dies kann im Einzelfall ausreichend sein. Im therapeutischen Kontext sollte es die Sorgfaltspflicht verlangen, dass ein diagnostisches Vorgespräch,und auf jeden Fall ein Nachgespräch mit angeboten wird. Auch wenn der Umstand, dass es Menschen nach einer Aufstellung schlecht ging, außerordentlich selten ist (wenn der Aufsteller achtsam gearbeitet hat)– die Einbettung in einen therapeutischen Prozess sollte inzwischen eine Selbstverständlichkeit sein.
Hier kann es ein Kriterium sein, ob der Anbieter das von sich aus bereits anspricht und anbietet.Je nachdem,welches Anliegen man hat und wie groß das Schutzbedürfnis ist, kann dies ein wichtiger Hinweis sein oder nicht. Und zuletzt bieten Aufsteller immer auch die Möglichkeit an, bei einer Aufstellung als „stellvertretender Beobachter" daran teilzunehmen. Dann stelle ich noch nicht mein eigenes Anliegen auf, kann mich aber als Stellvertreter zur Verfügung stellen. Dadurch erlebe ich das schwer beschreibbare Phänomen der „stellvertretenden Wahrnehmung", das zwar inzwischen wissenschaftlich überprüft ist, aber in seiner Seltsamheit immer wieder fasziniert.
Vor allen Dingen aber erlebt man, wie der Aufsteller arbeitet:Achtsam oder eher direkti, wie geht er auf die Klienten ein,lässt er Wahlmöglichkeiten oder nicht,bietet er seine Bilder als Wahrheiten an,oder kann er fundiert und wertfrei erläutern,was sich zeigt? Letztendlich muss man sich aber wohl fühlen und ein gutes Gefühl haben. Denn die Aufsteller sind verschieden,die Klienten auch. Und es gilt,den richtigen Aufsteller, die richtige Aufstellerin für sich zu finden. Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.institut-swt.de
Christopher Bodirsky