Fahrzeugrettung hautnah
Birstein (hop) - Neben
Attraktionen für Kinder wie handgefertigte Buttons mit
unterschiedlichsten Motiven führten die Birsteiner Feuerwehren eine
Modenschau der etwas anderen Art vor. Wer von den vielen Besuchern auf
dem Festplatz anlässlich des 59. Birsteiner Marktes auch die Feuerwehr
besuchte, wurde mit einem üppigen Programm und viel Sachverstand
informiert. Als zusätzliche Attraktion war aus Hanau von den dortigen
Kollegen sogar die Hebebühne gestellt worden. Diese mobile Bühne
ermöglicht immerhin eine Arbeitshöhe bis 35 Meter. Somit war dort wohl
der beste Aussichtspunkt, da wirkten die Autos und die
Oldtimer-Schlepper schon eher wie Matchboxmodelle. Die Birsteiner
Floriansjünger hatten sich allerhand Informatives einfallen lassen und
die Zuschauer konnten ihre "Feuerwehr zum Anfassen" erleben.
Viele Lacher aber ausgesprochen wenig bis keine Akzeptanz fand das
"Marktschnäppchen", das Gembi Stephan Richter dem Publikum anbot, für 5
Euro gab es "Cabrio à la heiße Jungs". Stattdessen konnten die
Zuschauer aber wenigstens an einem Schrottauto Schritt für Schritt
erleben, wie mit brachialer Gewalt ein Auto zerlegt wird. Mit zwei
Puppen als simulierte Insassen demonstrierte das Team Schritt für
Schritt genau wie in der Realität, wie eine derartige Personenrettung
vor sich geht. Wurde früher zuerst Luft aus den Reifen gelassen, so
bauen die Helfer heute zunächst ein solides "Stützgerüst" für das
Chassis aus Holzleisten. Um das Auto aufzubocken, wird es dazu mit dem
Spreizer etwas angehoben, die Hölzer untergelegt und darauf abgesetzt.
Das ist wichtig, damit für die zu bergenden Verletzten die
Erschütterungen auf ein Minimum reduziert werden. Am einfachsten und
angenehmsten für den Verletzten ist die Rettung durch die Tür, die
notfalls herausgeschnitten wird.

Ist das aber nicht möglich, muss das Dach abgetragen werden um so den
Zugang zu den Opfern zu ermöglichen. In einem solchen Fall verschafft
sich ein Helfer als nächstes Zutritt in das Innere, notfalls durch das
Heck. Er bleibt bei ihnen, beruhigt die ansprechbaren Unfallopfer und
deckt sie zum Schutz vor Splittern mit Decken ab. Da sowohl der
Generator wie auch der Einsatz von Spreizer und Schere laut ist,
erklärt er den Verletzten auch Schritt für Schritt, was gemacht wird,
dabei sind jedoch manches Mal auch Erschütterungen nicht zu vermeiden.
Besondere Sorgfalt erfordern die Airbags, die bei jedem Autofabrikat
andere Auslösepunkte haben. Daher gibt es genaue Vorgaben dafür, die im
Bedarfsfall auch über die Leitstelle abgefragt werden können. Die
Frontscheibe wird zersägt und die Säulen zwischen Chassis und Dach nach
und nach durchtrennt. Dann kann das komplette Dach abgehoben und der
eigentliche Abtransport der Verunfallten gestartet werden. Eigentlich
fast unnötig zu erwähnen, dass jeder einzelne dieser Schritte in enger
Zusammenarbeit und Absprache mit dem Notfallarzt erfolgt. Mehr und mehr
Zuschauer fanden sich ein, die diesem Schauspiel atemlos und fasziniert
zusahen, denn jeder Autofahrer weiß, dass er jederzeit in eine
derartige Situation kommen kann.

Das machte natürlich diese realitätsbezogene Demonstration besonders eindrucksvoll.
Barbara Hoppe