Die EZB hat in ihrer heutigen Sitzung den Leitzinssatz für den Euroraum auf historisch niedrige 1,00 Prozent gesenkt. Dieses Niveau wird nun aller Voraussicht nach über einen längeren Zeitraum gehalten werden.Der heutige Zinsschritt war von den meisten Experten erwartet worden und ist der letzte Schritt in einer ganzen Serie von Zinssenkungen, welche interessierte Leser den Statistiken und Grafiken auf www.tagesgeldvergleich.net/statistiken/leitzinsen.html entnehmen können.
Die EZB unterstützt die Geschäftsbanken seit Ausbruch der Finanzkrise mit allen Kräften. Sie können dort seitdem fast alle Wertpapiere beleihen und sich so frisches Geld beschaffen, welches für eine Kreditvergabe erforderlich ist. Dieser Schritt war notwendig, weil sich die Banken untereinander kein Geld mehr geliehen hatten aus Angst, die andere Bank könnte aufgrund von Abschreibungen und Wertberichtigungen nicht mehr in der Lage sein, ihre Schulden zurückzuzahlen.
Die neuerliche Leitzinssenkung wird sich unmittelbar auf die Verzinsung zahlreicher Tages- und Festgeldprodukte auswirken und – wie die letzten Zinssenkungen auch – erst mit zeitlicher Verzögerung und unvollständig zu einer Verringerung des Zinsniveaus am Kreditmarkt führen, was eigentlich eines der Hauptanliegen der EZB ist. Niedrigere Kreditzinsen bedeuten billigeres Geld für Wirtschaft und Verbraucher und damit eine erhöhte Neuverschuldung, was wiederum die Wirtschaft ankurbelt.
Es bleibt abzuwarten, inwiefern die gesunkenen Leitzinsen diesmal bei den Kreditnehmern ankommen. Laufende Verträge bleiben innerhalb der vereinbarten Zinsbindungsfristen ja sowieso unberührt, aber beim Neugeschäft könnten Banken durch Zinssenkungen die Nachfrage verstärken.
Daniel Franke