Klimaschwankungen prägten Evolution des Menschen
Jonathan Donges, Leitautor einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), sagt, dass schon lange angenommen wurde, "dass Klimaänderungen für die Menschheitsgeschichte bedeutsam sind". Eine nichtlineare statistische Analyse von auf dem Meeresboden vor Afrika abgelagerten Partikeln zeigt bislang drei sogenannte Kipppunkte. Damit sind die abrupte Änderung der Neigung der Klimaschwankungen gemeint. Diese Stimmen sehr genau mit markanten Entwicklungspunkten der Menschheit überein. Die Studie wurde in den Proceedings of the National Academy of Science, einer renommierten Sammelausgabe, veröffentlicht.
"Die Änderung der Änderung" - Zeiten geringer wechseln sich mit starker Klimaschwankungen ab - erhöhen augenscheinlich den Druck im Selektionsprozess. Tausende Jahre sind im geologischen und evolutionsbioligischen Bereich eine Vergleichsweise kurze Zeit, reichen hier aber für Rückschlüsse aus. Die Daten selbst waren schon lange veröffentlicht - sie wurden dem Indischen sowie dem Atlantischen Ozean durch Bohrkerne entnommen. Das Klima, dass damals an Land herrschte, kann man aus Wüstenstaubspuren auf dem Meeresgrund bestimmen.
Landmassen - das heutige Indonesien - haben sich verschoben und damit die Fließstärke von warmen Wasser nach Afrika aus Richtung des Pazifiks herabgesetzt. Wie auch heute waren auch damals schon Meeresströmungen die "Packesel" für Wärme. Damit veränderten sich auch Temperatur und die Regenintensität in der Region - ein richtiger Klimawandel. Dies wiederum wirkte sich auch auf die Pflanzenwelt und folgend natürlich auch auf die Tierwelt aus. Des Weiteren war auch ein Vormensch, der Australopithecus, betroffen. Andere Arten hatten nun hingegen Vorteile durch höhere Anpassungsfähigkeit und konnten sich im Evolutionsrennen durchsetzen. Die ganze Familie der Homo hatte hier durch seine generalistische Ausrichtung höhere Chancen als die Spezialisten.
Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen
Doch auch ein Blick in die Zukunft ist möglich: Die damals Jahrtausende dauernde Veränderungen könnten dank des hohen CO²-Ausstoß des Menschen nun in einem "Timelapse" - einem Zeitraffer - ablaufen. Auch heute noch hat das massiv Auswirkungen auf die Lebenswirklichkeit der Menschen. Eine der vor etwa drei Millionen Jahren stattgefundenen Perioden der kurz aufeinander folgenden starken Klimaveränderungen ist dem heutigen Bedingungen durch den Treibhauseffekt im Bezug auf die Temeperaturspanne sehr ähnlich. Dadurch lassen sich, nachdem man die grundsätzlichen Vorgänge der Klimaveränderung verstanden hat, Rückschlüsse auf die Gegenwart und Zukunft ziehen. Diese Paläo-Klimatologie ist damit eine Verifikation der Annahmen aus aktuellen Wetterdaten gegen die aus der Vergangenheit.
Wissenschaftliche Auswirkungen
Die Entwicklung der Menschheit und auch deren Erforschung wird durch die Methodiken der nichtlinearen Physik, die nun endlich hierfür zum Einsatz kommen können, ganz massiv vorangetrieben. Dieser Teil der Erdsystemforschung wird auch als Chaostheorie bezeichnet. Die Komplexität und Dynamik der Systeme ist immer besser durchdringbar. Auch der Vorwurf, dass es sich dabei um ein Spiel mit Glasperlen handelt, kann man widerlegen - ganz einfach durch den Verweis auf den
Klimawandel, ein Forschungsfeld von besonders hoher Relevanz.