Eines der schlimmsten Szenarien für IT-Spezialisten in einem großen Unternehmen wäre der Ausfall der betriebswirtschaftlichen Software, wie beispielsweise der SAP-Software. In diesem Fall würden schlagartig eine Vielzahl an Prozessen nicht mehr funktionieren. Bei einem Hersteller bedeutet das: es können keine Bestellungen oder Lieferungen bearbeitet werden, keine Rechnungen können geschrieben werden und auch kein Gehalt überwiesen werden. Ganze Abteilungen werden in diesem Moment des Systemausfalls handlungsunfähig.
Umso wichtiger ist es für die IT-Abteilung oder die externen SAP-Berater des Unternehmens die SAP-Systeme permanent mit allen Funktionen zur Verfügung zu stellen. In der Regel reicht es allerdings nicht aus, ein einmal installiertes System zu überwachen. Es muss immer auf dem aktuellsten Stand gehalten werden. Zum einen gibt es ständig neue Anforderungen seitens der Fachabteilungen, die durch die im SAP-System umgesetzt werden. Zum anderen liefert SAP jedes Jahr unzählige Weiterentwicklungen. Dazu gehören funktionale Erweiterungen von bestehenden Anwendungen, wie z. B. die Verbesserung der Bestandsabfrage in der Logistik oder grundlegend neue SAP-Lösungen.
Um diese Änderungen nutzen zu können, werden häufig alle paar Jahre Release-Wechsel durchgeführt. Solche Wechsel auf eine aktuellere Softwareversion beanspruchten bisher sehr viel Vorbereitungszeit und Aufwand bei der Umsetzung. Beim ersten Release-Wechsel kommen nicht selten 1000 Arbeitsstunden zusammen. Da nicht selten auch neue Funktionalitäten aktiviert werden, ist es wichtig in einer Testumgebung die Auswirkungen der Änderungen auf die bisherigen Geschäftsprozesse zu erproben und vor dem „go live" die Fehler zu entdecken und entsprechend zu beheben.
Ab diesem Jahr hat SAP das Problem der Unternehmen erkannt und liefert die Weiterentwicklungen der SAP-Software nicht mehr in großen Paketen, sondern in kleineren Erweiterungspaketen, den sogenannten Enhancement Packages (EHP), quartalsweise aus. Der Vorteil der Erweiterungspakete: sie lassen sich erst einmal in die SAP-Software einspielen und die Funktionalitäten später aktivieren. Unter dem Strich sollte sich der Aufwand um zwei Drittel reduzieren.
Doch ganz so einfach ist es dann in der Praxis doch nicht. Die
SAP-Berater vieler Unternehmen programmieren für die unternehmensspezifischen Anforderungen Funktionen hinzu. In diesem Fall müssen nach wie vor umfangreiche Tests und Anpassungen vorgenommen werden.
Anna Hase