EUR/USD steigt über 1,4300 und markiert am Dienstag ein 5-Monats Hoch bei 1,4343. Dabei kann die europäische Gemeinschaftswährung nicht aufgrund von eigener Stärke zulegen, sondern einer anhaltenden
US-Dollar Schwäche. Währungen wie das
Britische Pfund (GBP) und zyklische Währungen mit Abhängigkeit von Rohstoffpreisen, wie der
Kanadische Dollar (CAD),
Australische Dollar (AUD) und
Neuseeländischer Dollar (NZD), legen noch stärker zu.
Der Ursprung der jüngsten
US-Dollar Schwäche liegt bei Kommentaren des chinesischen Premierministers Wen bezüglich der Kreditwürdigkeit der USA im April 2009. Die chinesische Zentralbank verfügt über die mit Abstand größten Dollarreserven in Höhe von ca. 800 Milliarden US-Dollar.
Begleitet von einer Rallye an den Aktienmärkten und steigender Risikobereitschaft der Anleger ist Kapital aus dem US-Währungsraum abgeflossen in höher verzinsliche ausländische Staatsanleihen und aufstrebende Volkswirtschaften wie den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Dabei belasten das stark zunehmende US-Haushaltsdefizit und einer mögliche Herabstufung des Kreditratings den US-Dollar.
Der Spread zwischen 10-Jährigen Bundesanleihen und US-Notes ist derzeit nahe 0%.Wenn die gegenwärtige Aktienmarktrallye in Zusammenhang mit dem Wert dem Außenwert des US-Dollar gebracht werden soll, sind zwei Zahlen besonders interessant. Zurzeit sind ca. 4 Billionen
US-Dollar in
Geldmarktfonds geparkt, die früher oder später investiert werden wollen. Wenn die USA die Bedenken bezüglich ihrer Kreditwürdigkeit nicht ausräumen kann, werden Investoren Alternativen zu US-Investitionen bevorzugen, was den US-Dollar weiter unter Druck bringt. US-Staatsanleihen in Höhe von 6 Billionen US-Dollar werden außerhalb der USA gehalten bei privaten Anlegern und staatlichen Institutionen wie Zentralbanken. Sollten hier Umschichtungen beginnen in andere Währungsräume, wird dies zweifelsfrei den US-Dollar unter Druck bringen.
Gegen eine weitere US-Dollar Abwertung spricht, dass der US-Markt für Staatsanleihen der liquideste und weltweit mit Abstand der Größte ist. Ausländische Investoren haben also keine tragfähige Alternative. Ein EU-Vorstoß angeführt von dem Chef der EU-Finanzminister Jean-Claude Juncker zur Schaffung eines Eurozonen-weiten Marktes für Staatsanleihen wurde aus Berlin torpediert. Kurzfristig fürchtet man in Berlin höhere Zinskosten, welche langfristig jedoch durch die zunehmende Liquidität eines einheitlichen Marktes für Staatsanleihen egalisiert werden sollten.
Eine Fiskalpolitik mit gemeinsamen Staatsanleihen in der Eurozone fehlt der europäischen Gemeinschaftswährung im Vergleich zu ihren Wettbewerbern US-Dollar, Japanischem Yen und Britischem Pfund und würde auch die politische Einigung Europas weiter vorantreiben.
Christian Tübben