Wird international weniger wert: Euro Scheine und Münzen.
Sinkende Risikobereitschaft an den Finanzmärkten, neue EU Bankenstress-Tests sowie Haushaltsprobleme in Griechenland und Spanien belasten den Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung fällt unter EUR/USD 1,40 nach der Sitzung des Offemarktausschusses Fed im späten US-Handel am Mittwoch. Die Zeit des Euro als Teuro an den Devisenmärkten scheint vorbei. So hat der Euro gegenüber dem Britischen Pfund in den letzten Wochen mehr als 5% verloren. Der
Pfundkurs zum Euro liegt aktuell bei 0,86. Vor ca. 13 Monaten waren 100 Pfund noch 98 Euro wert.
Der fallende EUR/USD Wechselkurs zeigt jedoch keinesfalls Dollar-Stärke. Die US-Wirtschaft ist weiterhin angeschlagen mit einer für die USA fast unerträglichen Arbeitslosenrate in Höhe von 10% und einer langsamen wirtschaftlichen Erholung. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone, also den Ländern in denen der Euro das Zahlungsmittel ist, liegt zwar ebenfalls bei 10%, jedoch fällt man in Europa aufgrund der sozialen Sicherungssysteme nicht so tief wie in den USA. Die Kehrseite der Medaille ist, dass man in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs den USA beim Wirtschaftswachstum hinterherhinkt.
Mittlerweile wird auch durch die Europäische Kommission und den Währungskommissar anerkannt, dass es ein Problem in der Eurozone gibt, wenn der griechische Staat mehr als doppelt soviel Zinsen zahlen muss wie die Bundesrepublik Deutschland. Aufgrund der kreativen griechischen Buchführung und Statistikerhebung sind die Probleme lange Zeit nicht zu Tage getreten und wurden durch die 2009er Erholung an den Aktienmärkten weitgehend ignoriert.
Zinssatz bei 10-jährigen griechischen Staatsanleihen. Mit einer Neuverschuldung von mehr als 12% des Haushaltes kann der griechische Finanzminister froh sein, zu dem aktuellen Zinssatz von ca. 7% bei 10 jährigen griechischen Staatsanleihen überhaupt noch Geld über die „üblichen" Auktionsverfahren bei der Platzierung von Staatsanleihen zu erhalten. Der deutsche- oder französische Finanzminister zahlen weniger als die Hälfte an Fremdkapitalzinsen mit 3,2% bzw. 3,5%. Eine aktuelle chinesische Studie besagt, dass man Griechenland als zu riskant einstufe und empfiehlt weiter in US-Staatsanleihen zu investieren.
Die Haushaltsprobleme innerhalb de Eurozone sind nicht auf Griechenland begrenzt. Spanien und Portugal mussten ebenfalls einen hohen Anstieg bei ihren jeweiligen Fremdkapitalzinssätzen beobachten. Der renommierte Ökonom Nouriel Roubini sagte, dass Spanien zu einem weitaus größeren Problem für die Eurozone werden könnte als Griechenland. Roubini war einer der wenigen Volkswirte, der die Finanzkrise korrekt vorausgesagt hatte. Für den EUR/USD Wechselkurs würde dies mittelfristig
Kursniveaus zwischen EUR/USD 1,30-1,35 bedeuten.
Christian Tübben