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Erzählungen eines kleinen Bleistiftes

Autor: Phili2005 | Erstellt am: 15.11.2013 | Gelesen: 851
Kategorie: Geschichten & Anekdoten | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Alles rund um die Welt der Bleistifte, lyrisch erzählt aus der Sicht eines kleinen Protagonisten.

Kunstatelier Zeichenfuchs
Kunstatelier Zeichenfuchs

Ich möchte euch meine Geschichte erzählen: die Story eines einfachen, kleinen Bleistiftes, geboren in den unendlichen Weiten der Regenwälder des Amazonas oder aber als Abfallprodukt der Holzindustrie in der Eifel. In der globalisierten Welt von heute kann man sowas ja nicht mehr genau sagen. Ich kann auf eine bewegende und interessante Geschichte meiner Familie zurückschauen. Meine ersten Vorfahren lebten bereits vor 5000 Jahren, als in Ägypten Bambus- oder Papyrus-Rohre mit Blei ausgegossen und zum Schreiben genutzt wurden. Hier zu Lande wurden meine Ahnen früher auch Wasserblei, Schreibblei oder Reißblei genannt. Ich trage meinen Namen zwar mit Stolz, aber nicht zu Recht, denn meine Mine wird bereits seit über einhundert Jahren aus einem Graphit-Ton-Gemisch hergestellt.

Mit unserer Mitwirkung entstanden viele Werke der Literaturgeschichte. Sogar der große Goethe hielt viel von unseren Fertigkeiten und griff nach eigenen Angaben: "weit lieber zum Bleistift, der williger seine Züge hergab, da das Schnarren und Spritzen der Feder mich aus meinem nachtwandlerischen Dichten und Denken aufschreckte und ein kleines Produkt in der Geburt erstickte." Otto von Bismarck, erster deutscher Reichskanzler, kaute gerne an uns herum, um sich besser auf weltpolitische Entscheidungen konzentrieren zu können und missbrauchte uns auch gelegentlich zum Stopfen seiner Pfeife.

Oft wurde ich als junger Stift wegen meiner „Schwarzmalerei" gemobbt. Ich bin anders als die anderen, bin weder gelb, rot, blau oder grün und heiße nicht "Fabriano" oder "Koh-i-Noor Hardtmuth". Mein Schaft besteht nicht aus kostbarem Zedernholz des Wacholders aus Virginia, das langsam wächst und damit sehr kostbar ist. Etliche meiner Kollegen sind aus Ahornholz oder dem Holz der Linde. Ich wurde lediglich aus dem Pinienholz "geschnitzt". Es gibt aber auch Kollegen von mir mit Mänteln aus Plastik oder Metall, die Druckbleistift oder Fallminenstift genannt werden. Letztendlich bleibt aber auch der mit Gold und drei Brillianten besetzte Verwandte von Faber-Castell trotz einem Wert von über zehntausend Euro nur ein Zeichengerät. Zwei Milliarden Bleistifte erblicken per anno allein bei Faber-Castell das Licht der Welt.

Minderwertigkeitskomplexe brauch ich also nicht zu haben. Ein "Bleistift-langes", interessantes Leben steht mir bevor. Mit den Kleinen könnte ich auf eine fantastische Reise gehen und das Leben unvoreingenommen mit Kinderaugen entdecken. Dem Architekten könnte ich neue Gebäude entstehen lassen oder aber als Bleistift eines Zimmermanns für die präzisesten Messergebnisse sorgen.

Tief in meinem Inneren aber träume ich davon, Künstler zu werden. Gibt es etwas Schöneres, als die wertvollen aber schnelllebigen Momente des Lebens, das Porträt eines geliebten Menschen in all seinen Nuancen oder liebgewordene Erinnerungen an einen einzigartigen Weggefährten auf dem Papier zu verewigen? Mit meinen sehr feinen Linien kann ich Effekte und Abstufungen erzeugen, die mit anderen Materialien wie Pastell oder Zeichenkohle nicht möglich sind. Als Instrument eines leidenschaftlichen Zeichners könnte ich seine außergewöhnliche Liebe zum Detail zu Papier bringen und so eine wunderschöne Bleistiftzeichnung zaubern, die wunderbar auch als Geschenk geeignet ist.

 
 
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