Pferd Maurice mit Trainern
An Konstanze und Reinhard Riemanns Hof fand vom 19. - 21. September 2008 der erste Trainerworkshop von Horsemen United International statt, zu dem die Trainer aus ganz Europa anreisten. Aktuell gibt es 14 Trainer, die von Horsemen United International zertifiziert wurden und als gewaltfreie Ausbilder im Pferdesport tätig sind. Um gemeinsam zu trainieren, für die Show auf der Equitana 2009 in Essen zu proben und mit besonders schwierigen Pferden zu arbeiten, trafen sich die Ausbilder für drei Tage in Kamp Lintfort.
Morgens ging es gleich los mit mentalem Training - hier standen Yoga, Chigong und Reiki auf dem Programm. Frisch mental gestärkt beschäftigten sich die Trainer mit einer sehr dominanten, leicht verwilderten 2 1/2jährigen Curly Horse Stute, die an dem Wochenende unter den Sattel gebracht werden sollte. Das völlig rohe Pferd gebärdete sich am ersten Tag noch recht wild, doch im Laufe des Wochenendes gewann sie immer mehr Vertrauen zum Menschen und konnte am dritten Tag schon in der riesigen Reithalle geritten werden. Wenn ein Pferd so sanft gestartet wird, ist die Chance natürlich groß, dass ein gutes, ruhiges Reitpferd daraus wird - das hat die kleine Stute trotz ihrer Jugend auf jeden Fall bewiesen.
Am Samstag wurde es richtig spannend: Mit Feuer und einer Nebelmaschine setzten die Trainer ihre Pferde extremen Reizen und Urängsten aus - genau das soll nämlich auf der Equitana im kommenden Jahr demonstriert werden: Pferde, die ihren Führern vertrauen (egal, ob dies Mensch oder Pferd ist), folgen ihnen überallhin, sogar - wie hier buchstäblich demonstriert - durchs Feuer. Vertraut ein Pferd hingegen nicht, wird es uns höchstens bis zu dem Schritt folgen, wo es eine vermeintliche Gefahr wittert.
Das war auch bei dem riesigen Warmblut Maurice der Fall. Der fünfjährige Wallach sollte als Leitpferd bei Jagden mitgehen, während sein Reiter die Hetzpeitsche über dem Pferdekopf schwang. Maurice fand das freilich ziemlich erschreckend - der junge Kerl hat nicht die stärksten Nerven und geht leicht in die Luft. Ganz langsam, mit viel Ruhe und Gelassenheit wurde er von Trainer Thomas Görs Schritt für Schritt an das Objekt des Schreckens gewöhnt, bis er die Peitsche gelassen akzeptierte. Als am Abend Maurices Besitzer vorbeischaute, traute er seinen Augen kaum und war von dem Ergebnis dermaßen begeistert, dass er Horsemen United direkt für das Training der übrigen Jagdpferde in seinem Stall buchen wollte.
Die Pferde sprechen für sich: Gewaltfreies Training und Vertrauensarbeit lohnen sich! Wie ruhig und gelassen die verschiedensten Pferde den Trainern durch neue, furchteinflößende Situationen folgten, lässt keine Zweifel offen, dass dies wohl die Trainingsmethode der Zukunft sein wird.