Osama bin Laden
Staatsfeind Nummer 1 ausgeschalten - und nun?
Zweifellos einer der großen Momente für die Bürger der US-Amerikanischen Staaten und vielleicht der Höhepunkt von Brack Obamas Amtszeit: die Ermordung von Osama Bin Laden durch eine amerikanische Spezialeinheit. Den Präsident erfüllt es mit Stolz und die Bürger mit tief empfundener Freude. Aber was ändert das endgültige Ausschalten des Staatsfeind Nummer 1 für die Amerikaner?
Auch wenn man die internationale Erleichterung gut verstehen kann – schließlich scheint damit der Kopf der Schlange, die das Terrornetzwerk Al Qaida darstellt, abgeschlagen – bringt doch der Tod des Terror-Fürsten erstaunlich wenig Veränderung mit sich. Nach 10 Jahren Jagd hatte er deutlich an Einfluss: hauste zurückgezogen, medial isoliert und sichtbar gealtert. Das Terrornetzwerk hinter Bin Laden ist mit diesen Ereignissen hingegen noch lange nicht abgeschafft. Dort ist lediglich ein Platz für einen neuen Strategen im Kampf gegen die westliche Welt freigeworden.
Auch für die Amerikaner kommt dieses Ergebnis der Anti-Terror Bemühungen vielleicht zu spät. Hatten sie doch im vergangenen Jahrzehnt viel Zeit, Trauerarbeit für die Ereignisse des 11. September 2001 zu leisten und haben inzwischen gelernt, den Schrecken des Terrors nüchterner zu sehen. In dieser Perspektive wird der Mord an Osama Bin Laden eher zu einem stark verspäteten Vergeltungsschlag, in dem eine Nation Rache am Mörder von über 3 tausend Menschen nehmen konnte.
Aber vielleicht ist auch die Erleichterung, die dadurch durch das US-Amerikanische Volk fegt nur eine Momentaufnahme und hat kaum die Kraft, länger anzudauern als die dazugehörigen medialen Berichte. Denn dem gegenüber stehen eine anhaltend schwächelnde Wirtschaft in den Staaten, eine extrem lockere Geldpolitik und ein kaum überschaubarerer Berg an Schulden durch ein volles Jahrzehnt Krieg gegen den Terror.
So wäre es wohl eine wagemutige Wette nach dem Tod Osama Bin Ladens auf ein gestärktes Amerika zu wetten. Müsste man dennoch einen Einsatz in diesem Poker wagen, sollte man wohl zuerst auf einen erstakten Präsidenten Obama setzen.
Franziska Steiner