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Erleuchtung als Endziel? - Deushomo/Rainer Sauer

Autor: revhoros | Erstellt am: 17.08.2010 | Gelesen: 599
Kategorie: Astrologie & Esoterik | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Ein wenig Licht in Dunkelheit gebracht/Erleuchtung findet immer statt

Auszug aus Deushomo,spirituelles Lesebuch vom Karlsruher Autor Rainer Sauer

Die Vorstellung, Erleuchtung als Endziel zu sehen, entspricht mir nicht im geringsten, weil sie allzu viel Spekulations-Spielraum für negativ angehauchte Bewertung und kontra-produktive Ver-Urteilung beinhaltet. Meiner Meinung nach bevorteilt und bestärkt sie weit verbreitete destruktive Haltungen dem Leben an sich gegenüber, welche wir ohnehin schon maßlos auf uns selbst und auf unsere Umwelt anwenden. Daß dies hier der Fall ist, ergibt sich für mich vor allem aus den folgenden Punkten: Zum einen ist es ja so, daß, wenn Erleuchtung das Ziel ist, dies ja auch logisch betrachtet impliziert, daß alles andere außer das finale Ziel selbst „nur" der Weg dahin ist und somit zu einer zweitrangigen Sache erniedrigt wird. Wir also automatisch, wenn auch zumeist unbewußt, den Rückschluß ziehen, das Ziel sei das einzige, was zählt, und alles andere ist dem untergeordnet, was sich dann in einer grundsätzlichen Negativ-Einstellung zum Leben an sich zeigt. Um es nochmals einfach auszudrücken, wir sind hier sofort der großen Versuchung nahe, Erleuchtung als isoliert zu sehen und von allem anderen abzuspalten, also alles andere als getrennt von der Erleuchtung, als nicht erleuchtet einzustufen. Dies ist für uns mehr als ein guter Grund, alles jenseits der Erleuchtung zu negativieren, um es im Extremfalle sogar zu verteufeln.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, daß die Aussage das Ziel ist Erleuchtung eben auch das sicherlich naheliegende Bild in uns entstehen läßt, daß es ein Anfang und ein Ende gibt. Daß eben ein fiktiver Start und ein Ziel existiert, also eine gegenpolige Einbahnstraße besteht, welche uns von ‚minus' zu ‚plus' wandern läßt. Es ist also hier leicht erkenntlich, daß das Schwarz-Weiß-Denken eigentlich schon automatisch mitinbegriffen ist, aber auf jeden Fall als Option sehr naheliegt. Also eine Bewertungs-Skala auf der Basis von gut und schlecht entsteht, auf der wir immer ungenügend abschneiden, solange wir das vermeintliche Ziel nicht erreicht haben, nämlich jenseits davon sind und uns somit weiterhin im Bereich der Bewertungsposition schlecht befinden. Auf unserem Weg hin zur Erleuchtung werden wir in diesem Denk-Modell wohl eher dazu aufgefordert, uns einer Negativ-Bewertung zu unterziehen. Und da ist die Verlockung besonders groß zu sagen: „Ich bin ja erst am Anfang, ich bin noch nicht soweit.„ oder um noch ein wenig mehr negative Bewertung einzubringen: „Ich bin einfach ein Versager, ich werde niemals weiterkommen."

Das vermeintliche Ziel wird zu einer abstrakten, unerreichbaren Größe, und egal, an welchem Punkt unseres Lebens wir uns befinden, das Ziel bleibt immer gleich weit von uns entfernt. Wir setzen uns permanent in Beziehung mit diesem fiktiven zukünftigen Ereignis und auch mit den Erwartungen, welche wir damit in Verbindung bringen, und wir schneiden dabei immer äußerst ungünstig ab. Unsere Zweifel, das Ziel jemals zu erreichen, werden proportional zu unseren verzweifelten Versuchen, das Ziel zu erreichen, ständig größer.

Es gibt aber hierbei auch eine illusorische Hoffnung, welche dem Zweifel konträr gegenübersteht und welche wir dann vor allem erleben, wenn wir zu den mutmaßlich Privilegierten gehören. Also zu denen, die scheinbar der Erleuchtung näher sind und welche anstatt den Zweifel als Haupt-Berater die illusorische Hoffnung nähren, um somit mit den Unstimmigkeiten umzugehen, welche die irreale Lage hervorruft, in der wir uns befinden. Dies bedeutet demnach vielleicht, falls man annimmt, nahe der Erleuchtung zu sein oder zumindest ganz sicher auf dem richtigen Weg, daß man dann die aus dem Stolz geborene destruktive Haltung dem Leben und den Menschen gegenüber einnimmt: „Ich bin ja schon so weit", „Ich stehe schon über den Dingen und Menschen", und schließlich den Kontakt zu anderen und deren potentieller Unterstützung unterbricht. Den Schmerz des nicht am Ziel Seins also damit kompensiert, indem man sich der falschen Hoffnung hingibt, das Ziel alsbald erreicht zu haben, also mit dem Ziel bereits in direkter Verbindung zu sein. Die Verurteilung des nicht Erleuchteten tritt dann oberflächlich betrachtet nicht mehr auto-destruktiv in Erscheinung, sondern zeigt sich in Verachtung dem Äußerlichen gegenüber. Wir erheben uns somit künstlich, mittels der Illusion, nahe dem Ziel zu sein, und erniedrigen alles andere als dem Ziele fern und minderwertig.

Aber diese Verurteilung, welche wir dem Jenseitigen von der Erleuchtung zukommen lassen, besteht dennoch subtil in uns weiter und gärt vor sich hin, betrifft uns eben auch selbst. Und wir verfallen zunehmend dem Trugschluß, niemand kann uns weiterhelfen, da man ja davon ausgeht, daß man schon viel weiter ist als alle anderen, was sie somit unterordnet und nutzlos für uns macht. Habe ich mich also in diese verstrickte Situation manövriert, habe ich innerlich denselben verzweifelten Zustand, welcher auch demjenigen zu eigen ist, welcher sich der Erleuchtung so weit weg empfindet. Solange ich mich der Vorstellung hingebe, das Ziel sei Erleuchtung, leide ich genauso an meinem scheinbaren Getrenntsein davon wie auch andere, die das tun und nähre somit kontinuierlich meine Unzufriedenheit. Ich befinde mich in Isolation, in die mich diese Haltung des Stolzes bringt und entwickle mehr und mehr das Gefühl, die Welt und die Menschen haben mir nichts mehr zu geben. Daß die Grund-Idee Erleuchtung ist das Ziel uns die Sichtweise aufdrängt, daß es gut ist, nahe an de Erleuchtung zu sein, und es wiederum schlecht ist, sich entfernt davon zu befinden, ist hierbei nicht zu leugnen. Daß dies auch die Wurzel für unsere Unzufriedenheit ist, mag so manchem aber doch nicht ganz klar zu sein, vielleicht nicht einmal annähernd nachvollziehbar erscheinen. Dennoch sind die Zusammenhänge eigentlich recht offensichtlich. Man könnte vielleicht sagen, dort wo Bewertung für uns möglich ist und wir die Meß-Latte von gut und schlecht erst mal anlegt haben, gibt es niemals ein wirkliches Gewinnen für uns, wir bleiben die ewigen Verlierer.

Und auf unser hier vorliegendes Beispiel bezogen, können wir behaupten: Egal ob wir uns am Anfang oder kurz vor dem scheinbaren Ziel befinden, unsere Bewertung hat offensichtlich immer einen unangenehmen Nebeneffekt. Deshalb tendiere ich prinzipiell immer mehr zu Konzepten, die nicht linear sind, also keinen Anfang oder ein Ende haben, die nicht bewerten im Sinne von gut und schlecht. Sondern ich gebe eher Konzepten den Raum, die jede Erfahrung gleichwertig einordnen, bei denen jeder Moment weder dem Anfang noch dem Ende entspricht, sondern für sich ganz alleine eine Einheit, eine Vollkommenheit bildet. Da ist dann das Leben eben nicht ein Loslaufen und ein irgendwo Ankommen, sondern ein niemals endender Kreislauf ohne Start und ohne Ziel, ein immerwährendes Angekommensein. Der Kreis symbolisiert da im Gegensatz zur Linie weitaus mehr die Gleichwertigkeit jeden Momentes, jeden Ortes und jeder menschlichen Erfahrung. Im Kreis gibt es weder Anfang noch Ende, einfach nur Gleichzeitigkeit. An jeder Position, an jedem x-beliebigen Punkt des Kreises bin ich ohne einen Bezugspunkt, der mich erwägen läßt, daß ich mich vorne oder hinten befinde oder etwa auf dem richtigen oder falschen Weg, immer genau auf dem „richtigen Platz", an der „richtigen Stelle" und dies zur „absolut richtigen Zeit".

Jeder Moment, an jeder beliebigen Position ist für sich und in der Beziehung zu allen anderen Momenten und möglichen Positionen gleich wertvoll und auch an sich ganz vollständig. Indem wir die Ganzheit, das Wertvolle, das Schöne in allem anerkennen, verweigern wir das gegenseitige Bewerten, miteinander Vergleichen und Bemessen, und wir finden ein gutes Stückweit mehr Frieden in unserem Leben. Und da ist der Verdacht uns dann ganz nahe, daß Erleuchtung immer stattfindet, daß der Weg das Ziel ist
 
 
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