Social Lending oder Peer-to-Peer-Kredite unterliegen auch in Deutschland seit ihrer Einführung im Jahr 2007 einem stetigen Wachstum. Mit zunehmender Bedeutung des Internets wird auch der Anteil des Social Lending an den weltweit getätigten finanziellen Transaktionen, wozu auch die Privatkredite zählen, in den kommenden Jahren weiter steigen – spätestens mit dem Abflauen der aktuellen Tiefzinsphase.Bei den Peer-to-Peer-Krediten, häufig auch als Social Lending bezeichnet, bleiben Banken oder sonstige Kreditinstitute in der Regel vollständig außen vor. Besondere Merkmale dieser Art des Privatkredits ist der Kauf bzw. Verkauf von Krediten zwischen zwei Privatpersonen sowie das Internet als fast ausschließliche Handelsplattform von Gläubigern und Schuldnern. Auch bei der Kreditvergabe von einer oder mehreren Privatpersonen an Kleinunternehmen, insbesondere wenn diese ihren Sitz in der Dritten Welt haben, wird vom Social Lending, also dem "sozialen Leihen" gesprochen. Es handelt sich in diesem Fall um einen Privatkredit, bei dem der Gläubiger mehr aus wohltätigen Gründen handelt und die Gewinnabsicht lediglich eine nachrangige Bedeutung hat.
Die Entwicklung und Perspektiven von Social Lending sind als ausgesprochen positiv zu beurteilen. Dies gilt sowohl weltweit als auch ganz speziell für den Markt in Deutschland, wobei der deutschsprachige Raum noch einen vergleichsweise geringen Marktanteil vorzuweisen hat. Insbesondere in Österreich ist die Rechtslage bei Peer-to-Peer-Krediten, die über das Internet vermittelt werden, noch sehr unklar, weshalb entsprechende Plattformen in der Vergangenheit keine Genehmigung seitens der Finanzmarktaufischt erhielten. Erstmals wurden Privatkredite im Jahr 2005 über das Internet vermittelt, damals noch ausschließlich in Großbritannien und mit einem Gesamtumsatz von rund 120 Millionen US-Dollar. Die USA, Deutschland und Asien zogen schon in den folgenden Jahren nach, so dass die Entwicklung beim Social Lending bzw. den Peer-to-Peer-Krediten mit Umsätzen von 270 Millionen US-Dollar im Jahr 2006 und jeweils weit über 500 Millionen US-Dollar in den folgenden Jahren geradezu explodierte. Die viel beachtete Gartner-Studie hält beim Social Lending ein weltweites Potenzial von bis zu 5 Milliarden US-Dollar pro Jahr für möglich und prognostiziert das Erreichen dieser Marke bereits für das Jahr 2013.
Social Lending bzw. Peer-to-Peer-Kredite unterliegen in Deutschland einer vergleichsweise gesicherten Rechtslage, wobei die üblichen Grundsätze des Privatkredits gelten. Gläubiger und Schuldner legen die Zinshöhe für den Privatkredit beliebig fest und sind dabei an keine besondere Formvorschrift gebunden. Empfohlen wird allerdings, dass der Kreditvertrag zur Wahrung der Interessen beider Parteien im Idealfall notariell beglaubigt wird, zumindest aber den banküblichen Normen entspricht. Darüber hinaus darf der Kreditzins maximal das Doppelte des bei Banken angebotenen Wertes betragen. Da beim Social Lending und sonstigen Privatkrediten aber ohnehin die soziale Komponente im Vordergrund steht, also sowohl Gläubiger als Schuldner davon profitieren sollen, wird bei solchen Privatkrediten von Privatpersonen ohnehin ein Kreditzins gewählt, der sich zwischen den Guthabenzinsen für das Sparbuch und den banküblichen Darlehenszinsen bewegt.
Corinna Friedrich geb. Wienert