Autorin Rita Embalo
Im April hatte ich für uns ein hübsches, möbliertes Apartment in Torremolinos in der Provinz Málaga in Südspanien gefunden. Von da aus waren es bis zum Strand nur zehn Minuten Fußweg und das kostete ich mit Max, unserem kleinen schwarzen Mischlingshund, voll aus. Jeden Morgen absolvierten wir zwei Stunden Strandlauf. Es war herrlich, den Hund beim Herumtoben im Sand zu beobachten, denn er liebte den Strand und das Meer genauso wie ich und fürchtete auch die hohen Wellen nicht. Warf ich Stöckchen ins Wasser, sprang er eifrig und vergnügt hinterher. Meistens gönnte ich mir danach den Luxus und setzte mich auf die Strandterrasse eines der vielen Cafés an der Promenade, trank einen Kaffee oder auch zwei und genoss den Blick aufs Meer.
Auch Michael lebte sich schnell in die neue Umgebung und die neue Schule ein Und wie überall fand er auch hier sehr bald neue Freunde. Diesmal, so war ich mir sicher, würde ich alles richtig machen.
Michael und ich waren von jeher sehr eng miteinander verbunden und zwischen uns herrschte ein vertrauliches Verhältnis. Mein Sohn hatte keine Geheimnisse vor mir. Im Gegenteil. Er war immer sehr offen zu mir und ich wusste stets wo er sich aufhielt. Klar gab es pubertätsbedingte Probleme und ab und an auch Streit; aber das kommt selbst in den besten Familien vor. Eines war sicher: Ich liebte meinen Sohn über alles und würde ihn immer lieben. Für meinen Sohn hätte ich alles getan, nur um ihn glücklich zu sehen. Das allein zählte für mich. Allein aus diesem Grund überwand ich meine Abscheu und versuchte mit Chris ein freundschaftliches Verhältnis aufrecht zu erhalten. Chris war fast drei Jahre lang mein Lebensgefährte und sozusagen Michaels Stiefvater. Ab und an verbrachte Michael die Wochenenden bei ihm in El Palo, um den Kontakt zu seinem besten Freund Miguel aufrecht zu erhalten. Ich fuhr ihn dann an den Freitagabenden in die 90 Kilometer entfernte Stadt und holte ihn Sonntagsabends wieder ab. Für mich war das immer eine Rückkehr zu einem Kapitel, das längst abgeschlossen war: drei Jahre lang die Hölle mit Chris, einem Nigerianer, der sein Leben mit Betrügereien und internationalem Drogenhandel finanzierte, was mir allerdings erst klar wurde, nachdem wir eine gemeinsame Wohnung bezogen. Trotz allem war er gut zu Michael und konnte ihm Grenzen setzen, wenn es nötig war. Die Trennung von Chris hatte ich lange geplant. Emotional verband mich nichts mehr mit ihm und ich empfand höchstens Abneigung für diesen Mann, der systematisch versucht hatte mein Leben zu zerstören. Als ich im März einen Job bei einer Zeitschriftenredaktion angeboten bekam, nutzte ich meine Chance und suchte für Michael und mich ein neues Heim. Mit Chris schmutzigen Geschäften wollte ich nichts mehr zu tun haben. Leider behielt ich diesen Job nicht lange, da der Chef mein Gehalt nicht zahlen konnte oder wollte.