deutsches reichstagsgebäude
Ja, es stimmt: die Fußballmetaphern nehmen überhand in diesen Tagen; und nein, Fußball ist kein Spiegelbild des Lebens. Aber erstens ist nur alle vier Jahre Fußball-WM und zweitens hatte die Wahl des Bundespräsidenten, in der Christian Wulff erst im dritten Wahlgang siegte, tatsächlich etwas von einem Elfmeterschießen im Reichstag.
Abweichler in der Koalition. "Verlängerung" im Reichstag44 Wahlmänner und -frauen ließen Christian Wulff und die Koalitionsspitzen im ersten Wahlgang im Stich - oder folgten ihrem Gewissen; je nach Auslegung. Und auch nach der Verlängerung stand es, um im Bild zu bleiben, weiter unentschieden.
Christian Wulff siegt im ElfmeterschießenAllerdings war Christian Wulff war nie in der Gefahr, tatsächlich gegen Joachim Gauck zu unterliegen. Das wurde im dritten Wahlgang deutlich, denn plötzlich war die - gar nicht mehr benötigte - absolute Mehrheit von 625 Stimmen da.
Mit anderen Worten: Die meisten derjenigen Wahlmänner und -frauen, die sich zuvor zweimal gegen die Empfehlung der Regierung gestellt hatten, hatten nie vor, Joachim Gauck zum Präsidenten zu küren. Es ging ihnen offensichtlich nur darum, ihrer Regierung einen Denkzettel zu verpassen.
Hauptsache BundespräsidentNach einem albernen Applaus-Wettstreit zwischen Opposition und Regierung bei der Verkündung des Endergebnisses ging ein somit langer (weit über neun Stunden), aber nicht wirklich spannender Wahltag zu Ende. Die Kommentare aus dem Regierungslager waren eindeutig: Hauptsache gewonnen.
Angesichts der politischen Gesamtsituation im Jahre 2010, in der nicht mehr - wie vor 30 Jahren - drei, sondern fünf Parteien im deutschen Bundestag vertreten sind, ist dieser Kommentar absolut korrekt. Die Erfahrung zeigt zudem, dass sich Deutschland sehr schnell an seine Bundespräsidenten gewöhnt, auch wenn in Umfragen der jeweilige Gegenkandidat besser abschnitt.
Trotzdem, es blieb am gestrigen Abend in Berlin ein fades Gefühl zurück; ein Gefühl wie nach vielen erfolgreichen bestrittenen Fußball-Länderspielen deutscher Nationalmannschaften in den Jahren 1994 bis 2006 (oder 2009?): Gewonnen hatte nicht die bessere, sondern die biedere Mannschaft.
Drücken wir die Daumen, dass es in Südafrika weiter anders läuft. Am Samstag geht es gegen Argentinien, und gegen die haben wir früher oft Elfmeter benötigt.
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