Wolfgang A. Gogolin
Einige Jahrtausende werden Männer und Frauen wohl noch miteinander aushalten müssen und so lange wird sich auch die Literatur mit ihren Beziehungen beschäftigen. Ein bemerkenswertes Buchexemplar zu diesem Thema ist mir jetzt mit "
Eintritt frei für Männer" des Hamburger Autors Wolfgang A. Gogolin in die Hände gefallen. Nicht ganz zufällig, das gebe ich gern zu. Ich fand den Titel ansprechend, weil es im gesellschaftlichen Leben kostenfreie Angebote wie freien Eintritt eigentlich nur für Frauen gibt. In Discos oder bei der Internet-Partnersuche.
Zwar als Männerbuch gehandelt, geht es doch eher um die Frage, wie Männer und Frauen zu einem glücklichen Leben finden können. Und ob Glück für Frauen, die entwicklungsgeschichtlich betrachtet, die meiste Zeit mit Schwangerschaft und Kinderhüten beschäftigt waren, mit ihren aktuellen Entscheidungen für wenige oder gar keine Kinder, bedeuten kann, Männern ähnlich oder gleich zu werden. Fast alle tödlichen Arbeitsunfälle treffen Männer, Jobs wie Müllmann, Soldat, Sargträger, Bergmann oder Kanalarbeiter sind hart und schmutzig. Sollten Frauen dem wirklich nacheifern? Läßt sich die Natur via Gleichstellungsgesetz ändern? Selbst Frauen mit Karriere räumen immer wieder ein, dass ihnen die Beschäftigung mit dem Nachwuchs viel mehr Freude bereitet als beruflicher Erfolg. Es sind genau diese Fragen, die
Gogolin stellt.
Und er stellt eine weitere: Was genau ist Leben? Wenn jemand krank im Bett liegt und an seine Freundin denkt, sind dann diese Gedanken Wirklichkeit oder das Bett? Sind die Gefühle unser Leben oder zählt nur das kalte Bettgestell, weil sich dessen Existenz beweisen läßt?
All das erzählt der Autor am Beispiel eines jungen Mannes, der viel erlebt, viel mit Mädchen und Frauen erlebt, der viel hinterfragt und doch die Scheidewand zwischen echten Gefühlen und angenommener Realität nur verschwommen erahnen kann. Immer wieder scheint humoristische Kritik an der Frauenbewegung durch, die gerade Frauen ein Lebensglück unmöglich macht, weil sie allein in althergebrachten Männerrollen künftige Frauenseligkeit vermutet. Da ist sie aber nicht, ein erfülltes Zusammenleben von Mann und Frau wird es erst wieder geben, wenn der Feminismus dort angekommen ist, wo er nach Gogolins Meinung schon lange hingehört: Im Museum, bei freiem Eintritt für Männer und Kinder.

Peter Enders