Manfred Semmlin
Drei Viertel der Bevölkerung haben Probleme mit ihren Füßen. Die Ursache können schlechte Schuhe, aber auch Fußfehlstellungen sein. Letztere beeinträchtigen meist nicht nur die Leistungsfähigkeit der Füße, sondern verursachen oft auch Kniebeschwerden und chronische Rückenschmerzen. Die Füße sind somit nicht nur für die Haltungs- und Bewegungsabläufe unseres Körpers wichtig, sie beeinflussen auch das subjektive Wohlbefinden. Schuheinlagen können helfen, sie bringen den Fuß wieder in seine natürliche Position und stabilisieren ihn. Die Korrektur von Fußfehlstellungen und –fehlbelastungen schont zudem die Fußgelenke. Einlagen sind daher oftmals unverzichtbar.
Mithilfe einer optoelektronischen Bewegungsanalyse lässt sich feststellen, wie die jeweilige Einlage beschaffen sein muss. Dabei halten mehrere Kameras fest, wie eine Person steht, geht und läuft. Die Videoauswertung, optional ergänzt durch Fußscans und Plattendruckmessungen, verdeutlicht, welche Ursachen die Fußbeschwerden haben und wie die Druckbelastung des Fußes verteilt ist. Die Einlage muss eine Fehlstellung korrigieren und die Bewegungsabläufe wieder optimieren. Für Maßeinlagen wird zudem ein Abdruck in Trittschaum benötigt, um ein Positivmodell der Füße zu fertigen. Eine digitale Innensohlenmessung ermöglicht es, die Passform zu kontrollieren, was insbesondere für Diabetikerfüße sehr wichtig ist.
Menschen mit Knick-, Senk- oder Plattfuß etwa benötigen eine Erhöhung an der Innenseite der Einlage, eine Längsgewölbestütze. Bei Spreizfußbeschwerden hingegen ist eine Einlage mit einer angepassten Pelottenform zu empfehlen, diese richtet das geschwächte Quergewölbe im Vorfußbereich wieder auf. Auch eine Zehenleiste unterstützt das Gewölbe aktiv und regt die Greiffunktion der Zehen an. Kinder bekommen meist sensomotorische Einlagen. Diese beeinflussen die Muskel-Steuerung durch gezielten Druck auf spezielle Nerven und Sehnen im Fuß. In der Folge reguliert sich der Körper selbst und übt ein neues, richtiges Bewegungsmuster ein. Daher werden diese Einlagen vermehrt auch bei Erwachsenen und Spitzensportlern zur besseren Impulsgebung eingesetzt.
Aus welchem Material – Kork, Leder, Weichschäume unterschiedlicher Härtegrade, Kunststoffe oder auch Carbonfaser – eine Einlage gefertigt wird, hängt von der Diagnose, dem Therapieziel und dem Kundenwunsch ab. Entscheidend ist: Die Einlage muss vom ersten Tag an passen. Zudem müssen Einlage, Füße und Schuhe als Gesamtheit betrachtet werden, wenn das Ergebnis am Ende stimmen soll.
Einlagen für Sportschuhe müssen zur Sportart passen, etwa für´s Golfen, Rad fahren, Joggen, Walken etc.. Die Bewegungsanalyse sollte dann sportartspezifisch erfolgen, dem jeweiligen Bewegungsablauf angepasst. Sporteinlagen sollten aus flexiblen Materialien hergestellt, langsohlig und mit einem rutschhemmenden Obermaterial abgedeckt sein.
Ist die Einlagenversorgung Teil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts, empfiehlt es sich, einen erfahrenen Orthopäden und einen Physiotherapeuten hinzuziehen. Auch hierbei sind die Befunde einer Bewegungsanalyse hilfreich. Eine kleine Beinlängendifferenz, eine falsche Körperhaltung oder ein falscher Gang etwa kann auf diese Weise verlässlich ermittelt werden. Die weiteren Behandlungsschritte lassen sich dann präziser festlegen.
Autor: Manfred Semmlin
Orthopädie-Schuhtechnikmeister Manfred Semmlin arbeitet u.a. für das Institut für Gesundheit und Prävention in Bad Waldsee. Er betreut zahlreiche Spitzensportler, Bundesligavereine, Weltmeister und Olympiasieger.
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