Lebensversicherung verkaufen
In den 80er Jahren wurden in Deutschland mit einem regelrechten Boom Lebensversicherungen verkauft. Diese Erfolgswelle erlebte mit der Wiedervereinigung 1989 einen erneuten Höhepunkt. Seit Mitte der 90er Jahre flaute das Neugeschäft spürbar ab. Lebensversicherungen sind entsprechend zahlreich als Verträge noch aktiv. Sie sind für viele Deutsche nach wie vor der wichtigste Baustein ihrer privaten Altersvorsorge. Mit einer Kapital bildenden Lebensversicherung konnte unter den beim Abschluss präsenten Lebensbedingungen eine sorgenfreie Zukunft und ein unbeschwertes Alter problemlos vorgerechnet werden. Auslaufende Verträge hatten hohe Überschussbeteiligungen und beachtliche Anlagevermögen erwirtschaftet. Ausgezahlte Lebensversicherungen waren bis zum ersten großen Börsencrash um die Jahrtausendwende ein wirklich gutes Geschäft für Versicherer und Versicherte. Eine sogenannte Win-Win-Situation, wie sie sich jeder Geschäftsmann wünscht.
Die heutigen Aussichten auf einen hohen Zugewinn sind deutlich anders. Zwar hatte sich die Aussicht auf eine nennenswerte Überschussbeteiligung in den letzten Jahren wieder erholt, die Pleite der Lehmann Brothers vernichtete jedoch innerhalb kürzester Zeit enorme erwirtschaftete Gewinne. Fast parallel dazu wurden die steuerlichen Regeln zur Behandlung der Überschussbeteiligungen geändert. Das Produkt Lebensversicherung verlor durch diesen Eingriff zunehmend an Bedeutung. Altverträge sind zwar noch nicht von Besteuerung betroffen, jedoch ist aktuell die ursprünglich erhoffte Auszahlungssumme aufgrund des Börsenverfalls der Wertpapiere meist am unteren Ende der vertraglich zugesicherten Summen angesiedelt. Wer in den letzten 3 Jahren seine Lebensversicherung ausbezahlt bekam, der hatte selten einen Grund zum Feiern. Die angestrebte Zusatzversorgung für das Alter fiel meist geringer aus, als es für den Erhalt des gewohnten Lebensstandards erforderlich gewesen wäre. Auch die
ist heute eine interessante Option.
Eine weitere Gefahr droht nun durch die Überschuldung der Staaten. Die Unsicherheit der Finanzmärkte und die Stabilität unseres Währungssystems bedrohen erneut den Grundgedanken der Lebensversicherung. Fachleute erwarten in den nächsten Jahren eine steigende Inflation. Werte zwischen 3% und 4% pro Jahr werden bereits offen genannt. Die Kalkulation vieler Lebensversicherungen beruht auf deutlich niedrigeren Werten und einem stabilen Euro. Bei Abschluss einer Lebensversicherung klingt die spätere Versicherungsleistung sehr ansehnlich. 25 oder 30 Jahre später ist sie in ihrer Kaufkraft allerdings so erheblich gesunken, dass der angestrebte Versorgungseffekt damit nicht mehr erzielt wird. Die Versicherungsbranche reagiert bereits und hat die Werbung für Lebensversicherungen mit Kapitalbildung stark reduziert. Zu ungewiss sind die Abschätzungen der zukünftigen Entwicklungen. Andere Modelle zur privaten Altersvorsorge sind in den Vordergrund gerückt. Riester- und Rüruprenten eignen sich durch staatliche Zuschüsse und steuerliche Vorteile im Moment besser. Dieser Trend wird genau so lange anhalten, bis der Gesetzgeber die Voraussetzungen wieder in seinem Sinne ändert.