Dieses Bild wurde mit einem Lochkamera-Aufsatz an einer analogen SLR-Kamera auf Kleinbild-400 ASA-Fi
An der Qualität heutiger (digitaler) Fotoapparate ist gewiss nichts zu beanstanden. Doch ist ein qualitativ gutes Foto gleich ein interessantes? Ich möchte zurück zu den Anfängen der Fotografie gehen, ganz zurück zur Lochkamera, welche man sich aber nicht zwingend selbst bauen muss, sondern für Fotos dieser Art auch einfach eine herkömmliche Spiegelreflexkamera modifizieren kann.
Bedingt durch die Innovationen innerhalb der Fotografie in den letzten Jahren hat sich unser Verständnis für ein Foto sicherlich sehr verändert: jedes der vielen, vielen Bilder, welche jeden Tag (digital) gemacht (- oder eher produziert?) werden, „sitzt" – weist also genügend Schärfe, Kontrast und Farben auf, welche denen der Realität durchaus entsprechen. Alles ist perfekt und gut.
Muss denn aber eine Fotografie unbedingt immer ein Motiv genau so wiedergeben, wie wir es während der Aufnahme gesehen haben oder wie wir es in dieser Form längst kennen? Die „Lomografie" sagt dazu eindeutig Nein: Auf einmal wünscht man sich heute wieder Bilder, welche eben nicht lediglich eine „glattes" und „steriles" Abbild der Realität ergeben, sondern eine ganz für sich allein stehende Interpretationen des Lebens – ohne jeglichen Eingriff durch künstliche bzw. bewusste Bearbeitung.
Genau solche Bilder lassen sich auch mit einer ganz simplen
Lochkamera anfertigen! Aber Vorsicht: hierbei wird nicht einfach auf einen Knopf gedrückt bis es piept, um sich sogleich das Bildergebnis auf einem kleinen Monitor betrachten zu können - Bei einer Lochkamera wählt man mit Bedacht genau aus, was man fotografieren möchte, richtet die Kamera aus, schätzt den Bildausschnitt, überlegt sich eine möglichst korrekte Belichtungszeit und belichtet erst dann den Film. Als Knipsen lässt sich diese Art der Fotografie nun wahrlich nicht bezeichnen, zumal der Belichtungsvorgang hier leicht mehrere Sekunden dauern kann.
Eine solche Lochkamera kann man sich kaufen, weitaus mehr Spaß macht es aber, sich so etwas einfach selbst zu bauen! Dazu benötigt man im einfachsten Fall lediglich ein lichtdichtes Gehäuse (etwa einen starken, kleinen Karton), in welches man ein winziges Loch sticht und ein Stück Film einlegt. Hierfür benötigt man allerdings eine Dunkelkammer bzw. Erfahrung im Selbstentwickeln von Filmen. Verblüffend einfacher kommt man zu einer echten Lochkamera aber mit folgender Methode:
Jede Spiegelreflex-Kamera in eine Lochkamera verwandeln

Besitzt man eine Spiegelreflexkamera (- dies funktioniert freilich auch mit jeder DSLR, wobei hier die Bildergebnisse nicht so überzeugen können wie bei einer analogen), so lässt sich einfach statt einem Objektiv ein entsprechender
Lochkamera-Adapter ansetzen! Man benutzt dann die gewohnte Kamera einfach zwischendurch als „Pinhole-Kamera". Möchte man wieder (mit dem gleichen Film) „normal" fotografieren, montiert man hierfür einfach wieder ein herkömmliches Objektiv.
Bei einem solchen Lochkamera-Aufsatz für den Fotoapparat handelt es sich aber um nichts anderes, als um einen schlichten Gehäusedeckel, der jeder Kamera für Wechselobjektive beiliegt bzw. welcher sich günstig für jedes System als Zubehör im Handel erwerben lässt. Funktioniert man diesen nun zum „Loch" um und belichtet man dadurch mehrere Sekunden im manuellen Modus der Kamera, so lassen sich hierbei Fotografien anfertigen, welche einen ganz eigenen, künstlerischen Charakter aufweisen – einen Charme eben fernab der Fotografien des heutigen Durchschnitts!
Autor:
Daniel Berndt