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Eine Kolginfamilie bei einer Werksführung

Autor: hop | Erstellt am: 25.11.2008 | Gelesen: 1121
Kategorie: Freizeit - Hobby & Unterhaltung | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Die Kolpingsfamilie besucht die Firma "Key Plastics Germany GmbH Werk Wächtersbach"

Wächtersbach (hop) - Die Aufenauer Kolpingsfamilie machte eine Werksbesichtigung bei "Key Plastics Germany GmbH Werk Wächtersbach" unter der Führung vom Betriebsratsvorsitzenden Wilfried Hilliger.

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich aussieht, ist es aber bei genauerer Betrachtung nicht. Die Kolpingsfamilien sind ein katholischer Sozialverband, der sich für das Umfeld des Menschen im weitesten Sinne einsetzt. Dabei nimmt Arbeit einen wesentlichen Teil davon ein, wie schon der Gründer Adolph Kolping (1813 – 1865) erkannte. Mit Beginn der Industrialisierung kam es zu massiven Veränderungen der Arbeitswelt, in der Folge auch zum Zusammenbruch des Zunftwesens. Indem sich die Betroffenen zusammenschließen und so ihr Leben selbstverantwortlich gestalten, so war Kolping klar, liegt der Schlüssel zur Bewältigung sozialer Probleme. Das ist gerade heute im Zeichen erneuter, großer Umwälzungen, Werteverlust, Ängsten und Rückzug aus dem sozialen Leben aktueller denn je. So unterstützen diese Familien, zusammengeschlossen zum überregionalen Kolpingswerk, große und kleine Projekte in aller Welt, die im weitesten Sinne dem Arbeitsumfeld dienen, somit Hilfe zur Selbstständigkeit bieten. Nur beständiger Einsatz, nicht spontane Hilfe ist in der Lage, dauerhaft zu helfen und somit die Lebensverhältnisse wirksam zu ändern. Ob es in einer indischen Familie eine Kuh ist, die zu erwerben das Kolpingswerk hilft und so der Familie schrittweise aus der Armutsfalle hilft, der Bau von Brunnen und Zisternen in Brasilien, eine Reismühle in Peru oder Schulranzen für Osteuropa, überall engagieren sich die Familien. So werden in vermeintlich kleinen Schritten nachhaltige soziale Veränderungen ermöglicht.

Und so ist es verständlich, dass sich die Aufenauer Familie ein Bild einer hiesigen Firma machen wollte und die Gelegenheit zur Werksbesichtigung nutzte. Der 1952 als Varta Plastic GmbH in Neudorf gegründete Betrieb, stellte zunächst Batteriegehäuse für die Varta Batterie GmbH her. Anfang der 70-er Jahre erfolgte der Einstieg als Zulieferer in die Automobilbranche. 1975 platzte der Standort Neudorf aus allen Nähten und so kam es zum Umzug in das Wächtersbacher Industriegebiet. Als Hersteller von Plastikgussteilen gelang 1982 mit dem Einstieg in die EDV Branche ein zweites Standbein, nun wurden auch Drucker- und Monitorgehäuse gefertigt. Nach der Wiedervereinigung kam es Einbrüchen, der Kurzarbeit folgte später der Rückzug auf das Kerngeschäft als Zulieferer. Mit dem Verkauf von Varta an eine holländische Firma wurde das Werk in Kendrion Systems umbenannt. Nach einem erneuten Verkauf an einen amerikanischen Investor 2004/05 mit erneuter Namensänderung und der Freisetzung von 220 Menschen, ist gerade am vergangenen Donnerstag wieder ein neuer Investor eingestiegen. Heute hat die Firma deutschlandweit 600 Mitarbeiter mit einem Umsatz im Jahr 2008 von 180 Millionen Euro, im Standort Wächtersbach sind es 320 Angestellte und rund 50 Leiharbeiter. Produziert wird hier im Dreischichtbetrieb im sogenannten "Just in time", also auf Abruf. Allerdings steht zu befürchten, dass die Krise bei den Autoherstellern auch hier Auswirkungen haben wird.

Wie die gut 20 Mitglieder bei der Werksführung sehen konnten, werden heute vornehmlich Mittelkonsolen, Heckklappen und Seitenteile von Türen und Sitzen für die meisten Autobauer hergestellt. Dazu kommen Kleinteile wie Aschenbecher oder Becherhalter. Die Hallen selber waren beeindruckend, die Lautstärke immens, jedoch noch unterhalb des Bereiches, ab dem Gehörschutz vorgeschrieben ist. Riesige Kräne an der Decke ermöglichen das Versetzen schwerer Lasten. Da arbeiten Menschen neben Robotern, die bei aller Gleichmäßigkeit sehr elegante, fast tänzerische Bewegungen ausführen. Gabelstapler flitzen kreuz und quer und verschieben Paletten und Formen.

Die Formen für die unterschiedlichsten Automodelle können eingesetzt werden, die Produktion von kleineren Teilen erfolgt teilweise automatisch. In gewaltigen Pressmaschinen werden die Formen gegossen, die derzeit stärkste Blasformmaschine hat eine Schließkraft von 1000 Tonnen. Das Material für die Formen ist Kunststoffgranulat, das aus riesigen, zweikammerigen Silos direkt nach Bedarf zu den jeweiligen Druckstationen gepumpt wird, wodurch sich die Lautstärke erklärt. Stete Kontrollen ermöglichen eine hohe und gleichbleibende Qualität. Nach dieser beeindruckenden Besichtigungstour dankte Robert Kraus, der Vorsitzende der Aufenauer Kolpingsfamilie dem Betriebsratsvorsitzenden. Der ist seit bereits mehr als vierzig Jahren dabei und so blieb keine der vielen Fragen unbeantwortet.

Barbara Hoppe
 
 
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