Im Archivkeller der Universitätsbibliothek Regensburg versteckt sich ein wahrer Schatz: 100.000 Radi
Regensburg (obx) - Radioreklame ist ein perfekter Spiegel ihrer Zeit: „Dem Liebsten das Beste, der Wäsche Persil", dieser Radiospot aus den 50er-Jahren würde heute wohl keine Hausfrau und erst recht keinen Hausmann zum Kauf von supermodernen High-Tech-Waschmitteltabs bewegen. Die Universität Regensburg hütet in ihrem Historischen Werbefunkarchiv 100.000 solcher Spots und damit die bundesweit größte Sammlung dieser wertvollen Tondokumente. Doch die Zeit drängt: Die bis zu 60 Jahre alten Tonbänder sind zum Teil schon brüchig. Jetzt werden sie digitalisiert und für die Nachwelt erhalten.
„Mädchen, Mädchen, wie willst du dir denn ein Zusatz-Taschengeld verdienen, wenn du keine Zeitung liest. Da steht doch ganz genau drin: Unser Bestes in der Viereinhalb-Kilo-Packung zum Sonderpreis", tönte eine für das heutige Ohr fast unangenehm aufdringliche Männerstimme in der Bundesrepublik der siebziger Jahre aus dem Radio. „Heute wäre so ein Spot unvorstellbar", sagt Gabriele Gerber, die Koordinatorin des Archivs.
Die Reklame-Sammlung aus den Jahren 1947 bis in die Gegenwart gewährt erstaunliche Einblicke in die deutsche Geschichte und darüber, wie sich die Gesellschaft und mit ihr die Werbung gewandelt hat. So wird auch das unrühmliche Ende der Pril-Ente mithilfe der Sammlung nachvollziehbar: Um dem Spülmittel-Slogan „Pril entspannt das Wasser" sicht- und hörbare Beweiskraft zu geben, ließ man -im Radio hörbar- eine Ente gluckernd im Prilwasser versinken, weil sich der Fettschutz ihres Federkleids auflöste. Erst als in den 70er-Jahren der Tierschutz aufkam, verschwand die „Werbe-Ente".
Deutschlands größtes Archiv für Radiospots ist der Sammelwut von Professor Erwin Geldermacher, dem „Vater des Markenartikels", zu verdanken. Eine Regensburger Germanistin konnte das Archiv aus einem verstaubten Keller des Bayerischen Rundfunks nach Regensburg retten. In München sollten die Schätze der Zeitgeschichte schlicht und einfach in den Mülleimer wandern.
Stattdessen werden die Bänder jetzt in Regensburg in mühevoller Kleinarbeit und mit einem alten „Telefunken"-Magnetophon abgespielt und in digitale Musikdateien umgewandelt. Später sollen interessierte Wissenschaftler und auch Firmen sowie Hörfunk-Fans Zugriff auf die Datenbank erhalten.
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