Anti-Durst!
Ich stand einen Moment still, war nicht geschockt, war ruhiger als ein zugefrorener See. Ich war der einzige der ausstieg. Das Taxi war mir über den vorderen Rand der Sole meiner über ein Jahr alten Lacoste-Schuhe gefahren. Er hatte beschleunigt, seine Geschwindigkeit lag nicht im Rahmen der Legalität, das erkannte sogar ich als Leihe ohne Führerschein und Willen diesen in nächster Zeit zu machen. Weshalb ich nur ein solch kleinen Schritt aus der Bahn tat, weiß ich nicht, weiß nur, dass ein größerer mein letzter hätte sein können. Der Straßenbahnfahrer klingelte im bekannten Ton, obwohl dies wenig gebracht hatte, der Risikobereite Taxifahrer schwenkte in die folgende Kurve ein, vielleicht hatte sich der Klingelnde das Kennzeichen gemerkt, trotz der Dunkelheit dieser kühlen Nacht. Die automatischen Türen schlossen sich wieder, die Bahn fuhr weiter und ich stand allein mitten auf dieser riesigen Hauptstraße, welche wegen der Hügeligen Umgebung, bedeckt mit Asphalt und gefärbt in grau, fast komplett zu überblicken war. Kein Mensch war zu sehen, nicht ungewöhnlich für 4-Uhr Sonntag morgens. Die Bahn nahm dieselbe Kurve und Geräuschlosigkeit umhüllte mich, noch nicht einmal die Vögel waren wach. Ich dachte, wenn ich jemals ein solches Erlebnis habe würde, würden mir zahllose Bilder der Vergangenheit durch den Kopf schießen, dachte, dass mir Erinnerungen und Fehler auf dem Tablett der Wahrheit vor meinem inneren Auge präsentiert werden würden. Nichts, kein zittern kein tiefes Durchatmen. Ich ging weiter, fast Gedankenleer und verstand es selbst nicht. Nur eines ließ mich nicht los, wie plötzlich so etwas passieren kann, wie unfair es sein kann. Die Tür der Sparkasse war schwer wie immer, von Kameras umgeben hob ich einen 50€-Schein ab, ohne vorher auf meinen Kontoauszug zu schauen.
Ich begann darüber zu philosophieren, was dieses Geld auf dieser Welt in Bewegung setzen mag, was alles nicht passieren würde, würde ich blutend auf der Straße liegen und den Sanitätern Lebenszeichen mit meinen Lippen geben würde anstatt routiniert mein Bankkonto zu belasten. Wer hätte mich alles im Krankenhaus besucht, wenn es mich noch zum besuchen gegeben hätte? In solchen Gegebenheiten stellen sich wohl die Menschen heraus, welchen man wirklich am Herzen liegt und deren Tränen echter wären, als die Pelze reicher Frauen in Monaco. Ich versuchte mich in die Lage des Taxifahrers zu versetzen, hatte er sein Vergehen mitbekommen? War er vielleicht so in Zeitverzug, dass er es sich nicht leisten konnte, kurz zu warten bis die Sicherheit aller eventuell aussteigenden Passanten gewährleistet war? Wahrscheinlich war es auch nur sein Ego, welches auf das Gaspedal drückte während die Vernunft die Bremse verfehlte.
Draußen blickte ich noch einmal zu der Stelle des Geschehens zurück und konnte mir ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Erst jetzt bemerkte ich wieder, dass ich Musik in meinem Ohr hörte, welches Lied lief als ich Bekanntschaft mit dem linken Vorderreifen des Taxis machte, fiel mir nicht mehr ein, es hätte mich aber sehr interessiert und das dritte das ich nach der Heimkehr tat, nach Duschen und Zähneputzen, war das Neu bespielen meines Mp3-Players mit einem satten Anteil an melancholischen Songs. Wenn schon, denn schon, dachte ich mir...
Locke
Anti-Durst!
Go-for-Allgemeinwissen!