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Ego - Deushomo/Rainer Sauer

Autor: revhoros | Erstellt am: 25.12.2010 | Gelesen: 403
Kategorie: Geschichten & Anekdoten | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Solange wir die Ego-Funktion negativieren, gar verteufeln, können wir uns nicht unserem natürlichen Individualitäts-Prozess hingeben.

Rainer Sauer/Autor
Rainer Sauer/Autor
Der Begriff Ego hat in der vergangenen Zeit sehr darunter gelitten, daß er immer stärker mit Selbstsucht, un sozialem Verhalten, mit einer destruktiven Selbstbeschäftigung und mit einem allgemeinen Streben des Individuums gegen das Wohl der Gemeinschaft gleichgesetzt wurde. Dabei ist gleichzeitig ein Feindbild entstanden, welches das Ego als einen in uns selbst wohnenden Widersacher zeigt, den wir alleinverantwortlich dafür machen, daß wir ein Mangel an sozialem Umgang miteinander haben, daß unser spirituelles Wachstum behindert ist und zu guter Letzt, daß wir Trennung als solches erfahren. Unserer meistverbreitsten der­zeitigen Vorstellung entsprechend ist das Ego eine Art Krankheit, welche wir zu kurieren haben, eine Plage, welche natürlich nichts mit uns zu tun hat und die wir als universellen Sündenbock für all jene Dinge mißbrau­chen, welchen wir unsere persönliche Selbstverantwortung entziehen möchten. Durch den Einfluß meist östlichen Gedankengutes, welchem ja generell viel Gutes abzugewinnen ist, dessen unbestreitbare Kostbarkeit aber durch Unwissenheit meist unbewußt geschmälert wurde und dessen innewohnende Information somit auch oft derart verzerrt interpretiert wurde, hat sich die Meinung gefestigt, daß unser Ego sterben muß, um unsere Höher Entwicklung zu gewährleisten. Dies hat in den alten Texten oder auch in den mystischen Praktiken sicherlich seine Relevanz. Es gibt also durchaus einen Zusammenhang, wo das Sterben des Egos einen Sinn macht, gegebenenfalls wenn man den Begriff Ego richtig interpretiert und auch das Sterben als solches im richtigen Lichte sieht und selbstverständ­lich dies alles ein bewußt freier Akt, eben eine List unseres Bewußtseins ist.

In unseren Breitengraden hat sich jedoch ein äußerst ungünstiges, starres Bild von dem Ganzen ergeben, welches aus dem Kontext gerissen und von uns in der Weise interpretiert wurde, wie es eben unsere westlich orientierte Aufnahmefähigkeit bisweilen erlaubte und uns nun in dieser selbst initiierten Zwickmühlegefangen fast keinen konstruktiven Spiel­raum mehr übrig läßt. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir dem Begriff „Ego" kaum noch etwas Positives abgewinnen können, und dies ist meines Erachtens nach sehr ausschlaggebend für unsere weitere Entwicklung, da wir für diese unverzichtbar das konstruktive Mitwirken unseres Egos benötigen. Ego heißt ja nichts anderes als „Ich", und als dieses Ich, mit dem ich mein Bewußtsein kleide, benötige ich, um als solches mein Fortbestehen überhaupt zu ermöglichen, eine gewisse Ich Akzeptanz, eine gewisse Ich Liebe. Ich brauche eine gewisse Ich Kraft, welche sich als Egoismus zu erkennen gibt. Nämlich die Kraft der Selbsterhaltung, welche auch Selbst Liebe genannt wird. Um hier Verwirrung zu vermeiden, möchte ich einfach vom Ego als Neutrum sprechen und mit dem Modell arbeiten, daß eine positive sowie auch eine negative Nutzung, sprich Anwendung desselben möglich ist. Daß also sowohl ein konstruktiver als auch destruktiver Egoismus für uns erlebbar ist, und daß der, von dem ich hier speziell sprechen möchte, derjenige ist, welcher unser Wachstum, unsere Entwicklung, also unsere Bewußtwer­dung generell fördert.

Diese Ich Kraft, die einem generellen Ja zum Leben ent­spricht, ist also gesunde Selbstliebe, ursprüngliche positive Aggressions Energie, welche unser Ego, unser Ich, unsere derzeitige Identität dahingehend stärkt, daß wir erstens überlebensfähig sind und zweitens, daß wir uns auf unserer Reise der Selbst Erkenntnis immer mehr ich gestärkt unserer absoluten Freiheit annähern vermögen. Der konstruktive Egoismus ist also eine Kraft, die unsere Authentizität, unsere Individualität bestärkt und sogar für unsere Bewußtseins Weiter Entwicklung das Prädikat der Unverzichtbarkeit verdient. So könnte ich nun mutmaßen, daß das Sterben unseres negativen Egos, des tyrannischen Aspektes die Geburt des konstruktiven Egos, des dienenden Aspektes ermutigt, daß wir also zugleich unser Ego sterben lassen als auch seine Existenz bestärken müssen, um seine optimale Nut­zung zu erschließen. Als dienende Funktion ist das Ego nämlich eine von der Natur gegebene Einrichtung, welche wie alles Existierende seinen Sinn hat und keineswegs zufällig besteht. Anstatt es einfach nur abtöten zu wollen, weil wir es als Bedrohung wahrnehmen, sollten wir uns also erst einmal über seine Sinnhaftigkeit, seine Rolle im System klarer wer­den.

An dieser Stelle möchte ich einen weiteren Punkt ansprechen, um etwaige Schwierigkeiten, also potentielle Fehl Interpretationen möglichst gering zu halten. Selbstverständlich müssen wir beachten, daß wir aus unserem Bejahen dem Ego gegenüber nicht in eine Identifikation mit ihm verfallen, was natürlich die negativen Aspekte des Egoismus hervor-locken würde. Aber auch diese Aspekte möchte ich nicht im geringsten moralisch bewerten, sondern einfach nur auf die unterschiedlichen Ergeb­nisse hinweisen. Ein konstruktiver Umgang fördert eben unser Wachstum direkt und ein destruktiver leitet die Energien etwas um und wirkt eher wachstumsbehindernd. Die konstruktive Version ist also, unser Ego, un­ser Ich als unser temporäres physisches Kleid durch Selbst Liebe zu er­stärken und dies in dem Bewußtsein, daß wir letztendlich die Wesenhaf­tigkeit sind, welches dieses Kleid für den Augenblick bewohnt und sich nur soweit, wie es dem Bewußtseins Prozeß als Ganzes dienlich ist, damit identifiziert.

 
 
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