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Eden is West - Träume und Wirklichkeit im Paradies Europa

Autor: Mia_Paradies | Erstellt am: 22.02.2009 | Gelesen: 2056
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Der neueste Film von Costa-Gavras kritisiert Europas Einwanderungspolitik

von Mia Paradies, Berlin

Auf der Pressekonferenz nach der Vorführung seines neuesten Filmes Eden is West auf der 59. Berlinale in Berlin, hat Costa-Gavras, der französische Filmemacher mit griechischer Herkunft, die europäische Einwanderungspolitik kritisiert. In seinem Film zeichnet der Regisseur, der im vorigen Jahr Jurypräsident in Berlin war, das Leid und die Träume von illegalen Einwanderern in Europa nach.

Costa-Gavras, ein außergewöhnlicher Filmemacher

Constantin Costa-Gavras wurde 1933 in Griechenland als Sohn einer russischen Mutter und eines griechischen Vaters geboren. Er verließ sein Heimatland, um an der Sorbonne in Paris Literatur zu studieren und ging anschließend an die Pariser Filmhochschule. Seit fast 50 Jahren lebt er in Frankreich und besitzt auch die französische Staatsangehörigkeit. Zweimal gewann Costa-Gavras schon den Goldenen Bären in Berlin, 1990 mit „Music Box – Die ganze Wahrheit" und 2002 mit „Der Stellvertreter". Er zählt zu den berühmtesten Regisseuren der Welt und feierte auf der diesjährigen Berlinale seinen 76. Geburtstag.

Seine künstlerische Karriere begann als Regieassistent für René Clements, der ihn stark beeinflusste. 1965 drehte Costa-Gavras mit der Verfilmung von Sébastian Japrisots „Mord im Fahrpreis inbegriffen" seinen ersten eigenen Film als Regisseur. Ende der 60er Jahre folgte dann eine Reihe von Filmen, in denen vor allem politische Ereignisse eine wichtige Rolle spielten, wie z.B. der Widerstand gegen den Vietnamkrieg, die Rolle von Che Guevara in der Geschichte der Revolution in Lateinamerika und die Freiheitsbewegungen in Afrika und Asien.

Wirklich bekannt wurde Gavras durch seine Filmtrilogie „Z" 1968, „Das Geständnis" 1969 und „Der unsichtbare Aufstand" 1972, in der er mit einfachem kinematographischem Stil politisches Kino machte.

Costa-Gavras ist Teil der modernen Kinowelle und einer der großen Regisseure, die in der Filmkunst Neues geschaffen haben. Filmkritiker heben ihn als Gründer einer eigenen Schule in der Filmkunst hervor, die neue Wege der Kreation geschaffen und die Mauer des Hollywood-Kinos durchbrochen hat. Neben politischen Inhalten, spricht Costa-Gavras in seinen Filmen auch immer wieder menschliche Belange an und behandelt Themen und Konfliktfelder überall in der Welt, von Palästina bis Uruguay.

Dieser so schöpferische Künstler ist ein Mensch mit Visionen, die Respekt verdienen und Debatten provozieren. Auch sein neuester Film, Eden is West, ruft sehr unterschiedliche Reaktionen hervor, vom Lob der Natürlichkeit des Films bis hin zur Kritik an der politischen Färbung.


Berlinale-Film „Eden Is West
Elias auf seiner Odyssee ins vermeintliche Paradies

Eden is West oder Träume in Zeiten der illegalen Einwanderung

Wer den neuesten Film von Costa-Gavras sieht, in dem sich komische, tragische und fiktive Elemente abwechseln, wird das Leid der illegalen Einwanderer miterleben. Der Filmemacher beschreibt es in seiner metaphorischen Sprache so: „Jeder Mensch hat eine Geschichte: Der Bettler, der einem seine Schale entgegenhält, hat eine Geschichte. Die Frau, die betrunken auf dem Lüftungsschacht schläft, hat eine Geschichte. Der Mann, der wie Charlie Chaplin beim bloßen Anblick eines Polizisten davonläuft, hat eine Geschichte."

Elias, der verirrte Einwanderer im Film, macht eine lange und entbehrungsreiche Reise durch, deren Ziel Paris ist. Der Protagonist hat weder Titel noch Nationalität; dies ist beabsichtigt, denn der Regisseur will vor allem eine zutiefst menschliche Geschichte erzählen. Costa-Gavras entdeckt etwas von sich in dem Fremden, der ihm nicht mehr fremd ist, aber auch in den Blicken der anderen, die Elias begegnen.

Die Geschichte des jungen Helden spielt sich in der Realität tagtäglich vor den Küsten Europas ab. Es ist der Versuch, durch die Flucht auf einem Schiff, im Westen eine Alternative zu den schwierigen Lebensbedingungen der Heimat zu finden. Dieser Traum treibt auch Elias in eine unbekannte Welt, doch seine Reise verläuft ganz anders als die seiner Kameraden.

Als er im westlichen Paradies an den Strand geworfen wird, trifft er auf wohlhabende, aber gleichgültige Menschen. Costa-Gavras bezeichnet diese Gleichgültigkeit mit seiner ihm eigenen Ausdrucksweise als „grausamer als die Grausamkeit".

Scheint Elias zunächst Glück zu haben, wird er in Wirklichkeit doch von allen Bekanntschaften, die er macht, ausgenutzt: Hotelgäste, die ihn als sklavischen Diener oder attraktives Sexobjekt betrachten, ein Magier, der ihn in einer Kloschüssel verschwinden lässt, und Menschen, die ihre eigene Einsamkeit an ihm zu lindern suchen.

So flieht Elias von einem Bett ins nächste und verfolgt seinen dornigen Weg voll von Widersprüchen zum Wiedersehen des Magiers in Paris, von dem er sich einen Job verspricht. Doch die Reise endet anders als erwartet: die Träume des jungen Auswanderers zerplatzen wie eine Seifenblase, und es bleibt ihm nur ein Zauberstab, um seine Illusionen zu erhalten.

Vor den Journalisten in Berlin, kritisierte Costa-Gavras offen den Westen und Europa, die Menschen ohne Papiere keine Chance gäben und zur Verarmung in deren Herkunftsländern beitrügen, dabei sich selbst jedoch bereicherten. Die Zauberkunststücke des Magiers symbolisieren für den Filmemacher die Entwürdigung des illegalen Einwanderers, der stets schwach und jeglicher Art von verbotener Ausnutzung hilflos ausgesetzt ist.

Costa-Gavras kritisierte auch die Entscheidung des Europäischen Parlaments, dass illegale Einwanderer bis zu 18 Monate vor ihrer Abschiebung inhaftiert werden dürfen. So kann man dem Film die politische Absicht wohl kaum absprechen. Eden is West ist ein somit ein sehr aktueller Film und zeichnet ein Bild von Europa und seiner Einwanderungspolitik, in einer Welt „voller Probleme ohne Lösungen", wie Costa-Gavras es nennt.
 
 
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