Autor Rainer Sauer
Auszug aus dem spirituellen Ratgeber und Lesebuch "Deus Homo"Echte Bereitschaft
Echte Bereitschaft, etwas an unserer Lebens-Qualität, unseren Lebens-Bedingungen also uns selbst ändern zu wollen, ist unabdinglich für eine tatsächliche Veränderung. Diese echte Bereitschaft, wie ich sie nenne, beinhaltet vor allem, daß ich genau weiß, wohin ich mich verändern möchte und welche Konsequenzen das mit sich bringt. Sowie der Wille, volle Verantwortung für die Veränderung zu übernehmen und selbstverständlich auch die benötigte Energiereserve zur Verfügung zu stellen. Und dies eingebunden und motiviert durch ein inneres Verlangen, welches wahrhaftig nach Ver-Wandlung oder anders formuliert nach Wachstum strebt. Dieses wirkliche ehrliche Verlangen, ein spezifisches Ziel zu erreichen, welches sich als mein ureigenes erweist, ist eine reale Gefühls-Instanz, der ich in mir begegnen kann. Hier bin ich meinem Bedürfnis, meinem Verlangen und meinen Zielen treu, und die Veränderung wird in mir ausgelöst und geschieht dann auch folglich von innen heraus. „Echte Bereitschaft" ist ein Ort, der in jedem existiert und der auch uneingeschränkt für jeden zugänglich ist, der aber andererseits für viele von uns verdeckt, nicht unmittelbar auffindbar oder verschüttet ist, manchmal sogar als nicht bestehend erscheint. Deshalb ist es verständlich, daß die meisten wahrscheinlich entweder sagen: "Ich kann das nicht", „Diesen Ort gibt es nicht", „Das geht doch gar nicht, wie soll man das denn umsetzen", oder „Das tue ich doch schon immer, aber funktionieren tut es trotzdem nicht". Und daß wir den Gesetzmäßigkeiten zum Trotz die Veränderung versuchen und einfordern.
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Wir uns also zumeist ohne dieses echte Bereitsein an den Akt der Veränderung wagen und unser „Versagen" mit allen möglichen Argumenten begründen, aber nicht unsere Bereitschaft hinterfragen, also unser mangelndes Verlangen nach Veränderung in Betracht ziehen. Meiner Erfahrung nach sind bei dem Versuch, sich zu ändern und beim darauffolgenden Scheitern die hier aufgezählten Komponenten nicht oder zumindest nicht ausreichend vorhanden gewesen, da eine Änderung, wie ich sie verstehe, doch nur ein Bewegungs-Manöver ist, also für uns immer möglich ist, und wenn das nötige Rüstzeug vorhanden ist, der Änderung nichts im Wege steht. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, daß „normalerweise" einer Veränderung kein wirklich unüberwindbares Hindernis im Wege steht, daß es eigentlich immer möglich ist, sich zu verwandeln, es einfach einen Akt der Handlung bezeichnet, welchem grundsätzliche Erfordernisse zugrunde liegen. Und sind diese Erfordernisse zur Genüge erfüllt, wird diese Veränderung auch in logischer Folge eintreten. Bei einem Scheitern sind also offensichtlich die Voraussetzungen nicht gänzlich gewährleistet gewesen, und die spezifischen Gründe im einzelnen können wir auch demnach mit den Werkzeugen unserer Vernunft, der Logik und unserer Intuition ermitteln.
Ein gutes Beispiel ist für mich das Rauchen, da sich hier für viele Menschen im praktischen Selbstversuch all die Symptomatik allzu deutlich aufzeigt, welche meine These von der „echten Bereitschaft" als Erklärungsmodell benötigt. Außerdem werden gerade beim Thema Rauchen alle Argumente, die sich gegen die Richtigkeit meiner Aussage stellen, sofort und fast schon ungefragt aktiviert, was den Eigenwert des Themas und seine Nützlichkeit für meine Zwecke der Erläuterung enorm erhöht. Meiner Behauptung nach müßte ja eigentlich jeder das Rauchen aufhören können, besitzt also jeder die Fähigkeit, die Gewohnheit des Rauchens zu stoppen, hat also die Befähigung, dem Rauchen Einhalt zu gebieten. Und da stellt sich dann natürlich die durchaus relevante Frage: „Warum fällt es den meisten Menschen doch so schwer, und warum mißlingt es den meisten, wenn sie den Versuch der Veränderung starten und dies nicht selten unzählige Male?". Unsere vorschnellen Erklärungen für das Mißlingen sind meist dahin gehend orientiert, daß wir die Verantwortung für dieses Ergebnis verleugnen und von uns weisen. Also daß wir das von mir Erwähnte und als Ursache definierte, dessen Anerkennung ja einem Eingeständnis der Eigenverantwortung gleichkommen würde, als nicht relevant bezeichnen. Wir verleugnen unsere Verantwortung, unsere Wahlfreiheit und versuchen es immer wieder, scheitern erneut und ergeben uns so meist einem Kreislauf von unzähligem Aufhören und darauffolgenden Wiederanfängen. Nicht etwa, weil diese von mir aufgestellte These falsch oder unrealistisch ist, sondern es sind die von mir aufgezählten Kriterien, welche nicht erfüllt sind. Und deren Erfüllung eben unweigerlich erfor72
derlich sind, um im Rahmen von Eigenverantwortlichkeit das Erwünschte zum Gelingen zu bringen.
Es fängt schon damit an, daß schon die Frage nach echter Bereitschaft meist nicht bejaht werden kann, weil schlicht und einfach die meisten Raucher gar nicht aufhören wollen. Was noch übersichtliche, klare und nachvollziehbare Grenzen erkennen läßt, denn warum sollte man aufhören, wenn man gar nicht aufhören will. Nun ist es aber oft gar nicht so einfach, da die Unklarheit schon sehr früh beginnt. Und das bringt uns schon zum nächsten Punkt, ehrlich aufhören möchte man nicht (was auch durchaus legitim ist), aber die Konsequenzen, die das Rauchen teilweise mit sich bringt, möchte man andererseits in den meisten Fällen auch nicht haben. Das Ja zum Rauchen bleibt unberührt, aber gleichzeitig entsteht und erwächst ein Nein zu den Konsequenzen und Auswirkungen. Anders gesagt, die negativen Nebenerscheinungen motivieren dann doch zum Aufhören, obwohl man eigentlich gar nicht aufhören will. Echte Bereitschaft mit dem Rauchen aufzuhören, ist hier noch nicht tatsächlich vorhanden, aber wahrscheinlich eine zur Genüge angewachsene Abneigung der sich zeigenden Auswirkungen und den damit verbundenen echten Wunsch, die Auswirkungen zu eliminieren. Für diesen Wunsch, Unangenehmes möglichst gänzlich zu vermeiden, müssen wir nicht viel tun, eigentlich gar nichts, da wir alle eine „natürliche" Abneigung gegen das Unangenehme haben, aber das Etablieren von echter Bereitschaft, uns in Verzicht zu üben, ist hingegen ein richtiggehender Akt der Kraft. Wir haben hier also einen Konflikt zwischen dem Ja zum mutmaßlich Angenehmen und dem Nein zum offensichtlich Unangenehmen.
Hier ist eine Verzerrung, eine Unklarheit des Wunsches schon klar zu erkennen und vermutlich auch zu erahnen, daß damit auch eine Kraft, ein Energieverlust einhergeht. Daß die nötige Energie und Kraft sich aufspaltet, welche wir zu diesem Änderungs-Manöver unbedingt bräuchten. Von echter Bereitschaft können wir hier noch lange nicht sprechen und die änderungsbewirkende Kraft, welcher aus derselben erwächst, liegt für uns brach. Wenn wir nun betrachten, daß es ja auch darum geht, die Konsequenzen, die das Nichtrauchen mit sich bringt, im vollen Umfang willkommen zu heißen, welche meist nicht bewußt, aber doch unbewußt gewußt und verweigert werden, kann man sich leicht vorstellen, daß mit dieser inneren Haltung ein Erfolg sehr schwer, wenn nicht sogar unmöglich ist. Auch hier ist eigentlich offensichtlich, daß wir weiteren Komponenten und Kriterien, welche wir als Erfordernisse für ein gutes Gelingen benötigen, keinen adäquaten Lebensraum zugestehen, nämlich uns nicht die Mühe machen, uns der Konsequenzen bewußt zu werden und Bereitschaft entwickeln, sie zu tragen. Diesen Mangel an Bewußtheit können wir vor allem an der Tatsache ermessen, daß unser Bild von „Konsequenz" zumeist negativ besetzt ist, wir also Ängste vor Konse73 quenzen haben und sich dies hierbei im „Realitäts-Check" alsbald als trügerisch erweist. Denn diese Konsequenzen sind äußerst positiv, wenn ich es mal so nennen darf, nämlich lebensförderlich und dem Wachstum zuträglich: mehr Atem, mehr Luft, mehr Lebensenergie, mehr Leben und vor allem mehr Gefühle, und das kann zugegebenerweise jemandem, der sich mit dieser unverhinderbaren Auswirkung nicht bewußt befasst hat und sich auch wirklich dafür entschieden hat, es ehrlich zu wollen, ganz schön zu schaffen machen. Es sind also nicht die unangenehmen Konsequenzen, welche unser Scheitern mitverursachen, sondern die Unbewußtheit über die Qualität und Quantität des zu Erwartenden. Mit anderen Worten, wen die positive, eigentlich angenehme Wirkung eintritt, die Konsequenz des Nichtrauchens zu wirken beginnt und nicht selten mit einer deutlichen Vehemenz, kommt nicht selten die abrupte Antwort: da rauche ich doch lieber wieder eine.
Die Bewußtheit über die Konsequenzen und die wirkliche Bereitschaft, sie auch zu tragen, lassen eine derartige Kurzschlußhandlung nicht zu, unabhängig davon, daß sie uns auch nicht im Dunkeln darüber lassen, welche Unannehmlichkeiten und Versuchungen der Prozeß des Entzuges mit sich bringt. Gute Vorbereitung ist also ein Muß und bedeutet wiederum, daß unsere Bewußtheit über die uns erwartenden Vorgänge uns einen wesentlichen Vorteil im Umgang mit denselben verschafft, um nicht zu sagen, daß unsere Unbewußtheit dem ganzen gegenüber ein Gelingen vielleicht sogar unmöglich macht. Echte Bereitschaft, welche sich in einem ehrlichen Wunsch nach Veränderung widerspiegelt, gebärt hier echte Motivation, sich wirklich bewußt werden zu wollen, die Konsequenzen zu betrachten und sie bedingungslos willkommenzuheißen. Sie stellt gleichzeitig Kraft und Energiereserven zu Verfügung, um während des Zeitraumes der Veränderung mit Bereitwilligkeit zur Kontinuität, Mühe und Anstrengung gerüstet zu sein. Echte Bereitschaft versorgt uns mit dem klaren Bild unseres Zieles und läßt uns dasselbe auf unserem Weg der Veränderung unentwegt im Auge behalten. Und gibt uns weiterhin die Kraft, uns mit Bestimmung und uns selbst treu bleibend konsequent diesem Ziel anzunähern.