rainer sauer autor
Dies ist eine Erzählung von einem wundersamen Abenteuer eines „menschlichen Wesens", welches sich gerade eben, in diesem Moment ereignet. Eine Geschichte, die praktisch im ultimativen „Jetzt" aus dem Nichts in den heiligen Raum der Mutter Erde geboren wird. Ein Abenteuer des Bewusstseins, das ohne Zweifel das Prädikat der Einzigartigkeit verdient. Eines der unzähligen Kinder der Liebe, welches in diesem Augenblick an verschiedenen Orten im Universum synchron, also gleichzeitig auf unzählige und verschiedenster Weise geboren wird und seinen ureigenen Lebenslauf nimmt. Geschichte, die stattfindet und gerade heute im strahlenden Lichte der Gegenwart, sich in allen Farben des Regenbogens kleidet. Ein Abenteuer, das schon in der Vergangenheit reichlich Zulauf genoss, eben einer unvorstellbaren Anzahl von Wesen einen köstlichen und bereichernden Zeitvertreib darbot. Was im gesamten Bewusstseins-Kontinuum allzeit als äußerst wertvoll empfunden wurde und aus diesem Grunde auch grenzenlose Bewunderung des gesamten Universums sowie angemessene Würdigung erntete. Aber auch ein Abenteuer, das in naher als auch in ferner Zukunft geschieht. Irgendwann geschehen wird und somit auch hier in der Gegenwart, im Rahmen einer Vor-Erzählung von uns geschrieben und mit Anteil genommener Weise gelesen, erlebt, nacherlebt, als eben auch von uns vor-erlebt werden kann. Und nicht zuletzt von uns definitiver Weise auch gelebt wird. Dieses außergewöhnliche Abenteuer benennen wir oftmals routiniert und gewohnt, manches Mal sogar beinah abwertend, mit den zwei Worten: „das Leben". Das Leben, sagen wir, ist halt so und meinen damit eigentlich gar nichts. Ganz davon abgesehen, dass wir das Wunderbare darin wegreduziert haben, nichts übrig ließen als eine leere Worthülse. Und dabei ist es auf seine unvorhersehbare Weise das stetige Wunder an sich, eine holistische, mehrdimensionale Geschichte ohne Anfang, ohne Ende, welche ein jedes individuelles Seelchen, alleine, aber auch gleichzeitig als Gemeinschaft, in Gemeinschaft wahrnehmend, gestalterisch, eben als Schöpfer und gleichzeitig als Schöpfung miterlebt und mit kreiert. Ich, derjenige, welcher die Zeilen auf das Papier bringt, bin wohl auch ein gleichwertiger und wesentlicher Teil dieses kollektiven Abenteuers und es ist wohl nötig, von meinem Blickwinkel des Betrachtens zu beginnen, da die Subjektivität, welche den Anschauungs-Winkel des besagten mehrschichtigen Lebens entspringt, doch ganz erheblich den Inhalt, die Spiel-Szene an sich koloriert. Und deshalb werde ich mir wohl anfänglich ein paar wenige Worte über mein Hiersein erlauben. Werde einige Worte über meine Befindlichkeit und über das mir sonst, auf die hier erzählte Geschichte relevant und wichtig erscheinende, verlieren. Werde meine Wenigkeit einbringen, um das Absolute, dass fiktive Objektive auf meinen ganz eigenen subjektiven Fokus einzustimmen, anzugleichen. Vielleicht könnte man aber auch sagen, ich wende eine Bewusstseins-Technik an, um das für uns unverdauliche Unendliche in eine verdauliche Kost zu minimieren. Also gleichzeitig die aufzunehmende potentielle Menge und die Schärfe der Einstellung zu justieren, welche eine ureigene, super- individuelle Erfahrung der Dinge an sich ergibt. Mit anderen Worten, die Geschichte hat so viele verschiedene Facetten, hat so viel angedachte Anfänge und Enden, dass ich sie zur Überschaubarkeit beschneiden muss. Diese Reportage hat so viel unermesslichen Inhalt und ist praktisch in die Matrix „der Leere" in unzähligen Versionen geschrieben, das wir einen subjektiven Fokus, eine Verkleinerungs-Lupe brauchen, einen Brennpunkt benötigen, der uns ein lineares, ein duales Erleben der Story erst möglich macht. Diese sich hier nun vor uns ausbreitende eigendynamische Geschichte könnte also von jedem anderen auch nacherzählt sein und in gewisser Weise ist sie dies auch. Was mir hierbei nun wichtig erscheint, ist die Tatsache, dass es zumindest temporär und in dieser „vorherrschenden" Dimension des Irdischen meine Geschichte ist, welche ich hier erzähle. Sie hat meine Färbung, meine Charakteristik, ist gezeichnet von mir und durch mich, ist eben entstanden mittels meines ureigenen Betrachtungswinkels, mit welchem ich auf das „große Ganze" schaue. Meine absolute Subjektivität spricht hier durch jedes Wort, durch jeden Satz und ist und bleibt somit „nur" meines und hat „nur" bedingte, vielleicht auch gar keine, Allgemeingültigkeit. Und dies ist wohl das einzige, was ich, was wir nie vergessen sollten, um den Überblick zu bewahren, welcher das distanzierte Miterleben der noch vielen anderen parallel existierenden Geschichten und möglichen Betrachtungsweisen erst möglich macht. Wenn ich denn nun mal beginne in die Geschichte einzuleiten, welche ich hier erzählen möchte, kann ich wohl nicht umhin zu erwähnen, dass hier, gerade hier ein Platz himmlischen Friedens ist, eine Oase der Liebe existiert, welcher ich dankbar anteilig sein darf. Es ist so wunderschön hier an diesem Ort zu sein, an dem ich mich gerade befinde und von dem aus ich auch die Geschichte verfolge und schreibe, dass mir die Worte fehlen, die mein Glücklich sein auch nur annähernd auszudrücken vermögen. Es ist eine Örtlichkeit des Bewusstseins, ein Platz, der überall sein Zuhause nennt und an dem ich nebst meinem vorübergehenden Verweilen auf unserer geliebten Erde die Ewigkeit meiner Existenz verbringe. Es ist ein Ort Namens Freiheit und Liebe, ein Ort grenzenloser Möglichkeiten, da wo die Sonne immer scheint, auch wenn die dicksten schwarzen Regenwolken sich zum Regenguss bereiten. Aber was rede ich da eigentlich, mit Worten kann ich diese wundersame Welt, von der ausgehend ich die Umstände der hier vorliegenden Geschichte derzeitig betrachte und sie der Allgemeinheit zur „Belustigung" dar- bieten möchte, unmöglich beschreiben. Ergo, sollte ich es doch auch aller Anwesenden zum Wohlsein gedeihend einfach sein lassen. Und ich werde stattdessen einen Rätsel-Reim anführen, welcher bei uns über dem Platz der >Einheit und Gemeinschaft< in großen Buchstaben geschrieben steht. „Es gibt nur ein wahres Zuhause, erbaut aus Liebe, getragen in unserem Bewusstsein und gemäß dem ersten Gebot, absoluter Freiheit wegen, allezeit Türe weit offen. Und dieses, was wir alle „unser Zuhause" nennen, existiert in alle Ewigkeit, ist immer existent, letztendlich einzige Wahrheit und sollten wir dies mal vergessen, sollten wir meinen, es verlassen oder verloren zu haben, kann dies nur in unserer Wahrnehmung geschehen sein. Wir waren immer da, sind es auch jetzt immer noch und auch wenn wir zukünftiger Weise einen weiten Weg in die Ferne gehen, werden wir auch in diesem Falle immer noch hier sein". „Hier und Jetzt" ist einzige Raum-Zeit-Einheit, die real besteht, also wie könnten wir jemals irgendwann, irgendwo anders sein als im Hier und Jetzt. Na ja, ich muss zugeben, dass es uns selbstverständlich, wenn wir in vollem Bewusstsein hier anwesend sind, keine Schwierigkeiten bereitet, diese Worte zu verstehen, wir leben dann schließlich auch in der Präsenz dieser Bewusstheit oder sollte ich besser sagen, wir leben dann ja auch in der Präsenz unserer Bewusstheit und da ist eben alles klar und der Vorhang des Unbewussten ist geliftet. Und als ich meine Ausflüge in die unendlichen Welten des Unbewusstsein unternahm, hatte ich oft sehr große Probleme diese Worte nur im Ansatze zu verstehen, manchmal erinnerte ich mich nicht einmal daran. Besonders dann, wenn ich meine Reiseroute mutiger Weise erweiterte und daraus Unbewusstheit, Besinnungslosigkeit und vielleicht sogar Bewusstlosigkeit erwuchs, wusste ich überhaupt nichts mehr von den Worten, die in meiner Heimat bzw. in unserer Heimat so groß und so übersichtlich über allem Existenten prangen. Von den Worten an sich, als auch vom tieferen Sinn, war ich in meiner Wahrnehmung „Lichtjahre" entfernt, als gleich nah wie fern. Ich konnte mich nicht einmal an mein wahres Zuhause erinnern. Ich hatte mich zeitweilig einfach mit den Beschränkungen meiner Wahrnehmung identifiziert und knebelte somit die Flexibilität meines Bewusstsein ein. Eine Funktion, welche wir ja „alle" als das Phänomen der „Vergessenheit" kennen und ich es somit eigentlich auch nicht wirklich erwähnen müsste, wenn ich dies nicht als Einleitung zur eigentlichen Geschichte bräuchte. Die Geschichte nämlich, welche eine fiktive Reise in die Landschaft der Unbewusstheit, eines dieser unzählig bestehenden Individuen beschreibt, welche wir Menschen nennen und welche vom Schmerz des Vergessens und daraufhin von der Freude des Erinnerns begleitet, sich erst der Bewusstheit entsagend, sich von ihr entfernend, um sich ihr dann wieder zuzuneigen, sich ihr erneut anzunähern. Also sich selbst und der kollektiven Bewusstheit zur Freude, eben mit anderen Worten gesagt, einen Workshop in temporäre Amnesie belegen. Wir sind es also, Wesenheiten aus dem Lande der Freiheit und Liebe, kurz und hoffentlich verständlich gesagt, die sich entscheiden, einen Ausflug im Menschenkleide, im Menschenleibe zu machen, um die Welt der Dualität und scheinbaren Gegensätze zu besuchen. Und dies nicht zu- letzt, um uns auf diesem Wege, auf dieser Weise, der Einheit, der ungetrennten Bewusstheit bewusster zu werden. In diesem Sinne kann ich also behaupten, obwohl ich diesen herrlichen und himmlischen Ort eigentlich nie verließ: Ich war nicht immer hier, zumindest nicht bewusst und eigentlich ist es noch gar nicht so lange her, dass ich mich noch auf dem Bewusstwerdungs-Wege hierher befand. Oder war es vielleicht sogar gerade gestern oder noch einen Moment zuvor, als ich mich noch auf dem Wege der Unwissenheit befand und fand alles somit viel zeitennäher statt, als ich es gerade weiß? Da wo ich jetzt jedenfalls bin, wissen wir natürlich alle, dass dies alles Unsinn ist oder zumindest alles aus relativer Betrachtungsweise entstand. Wir wissen, dass es einen Anfang oder ein Ende in diesem herkömmlichen Sinne nicht gibt, dass es nur Gleichzeitigkeit und daraus resultierende unendliche Erfahrungsmöglichkeit gibt. Und dass wir die >Bewusstheit< haben, die >Unbewusstheit< zu erkunden. Dass wir, während wir zeitweilige Unbewusstheit leben, doch ein stückweit Teil ewigen Bewusstseins sind und auch bleiben, somit uns auch immer an einer Selbst-Führungs-Longe befinden, die Selbstkorrektur zu jedem Zeitpunkt zulässt. Die Freiheit, was wir oder wie und wo wir etwas erfahren möchten, auch dann und wann erfahren können, wie es uns beliebt, ist praktisch grenzenlos. Wir können Erfahrungen machen in der Vergangenheit, in der Gegenwart, in der Zukunft oder in noch vielen anderen Dimension mehr. Zeit und Raum sind nur Aspekte begrenzter Weltanschauung, welche die Unendlichkeit in kleine verdauliche Stücke zerschneidet. Schließlich ist jene Einteilung des Ganzen in winzige kleine Stücke das Ergebnis einer begrenzten Wahrnehmung, welche der göttlichen Realität nicht im Entferntesten entspricht. Davon abgesehen, dass göttliches Ganzes die Aufstückelung gar der Unbewusstheit nützt, um Individualität sowie Bewusstheit erst erlebbar zu machen. Nun gut, zu diesem Thema dann später noch etwas mehr. Aber nun möchte ich erst mal weit, weit zurück in linearer Zeitrechnung gehen. Und obwohl wir ja alle wissen, dass es sie gar nicht gibt, diese „ominöse Zeit", ist es wohl nötig, sie heranzuziehen, um einen chronologisch linearen Ablauf der Dinge bzw. der Geschichte zu ermöglichen. Wir stimmen somit der Allgemeinheit, eben dem allgemeinen Bedürfnis, nach Struktur zu: „Es ist wohl durchaus sinnvoll, das ganze Geschehen auf linearem Wege zu schildern und zu erzählen". Ich werde also an einem fiktiven Punkt in dieser uns vorliegenden so genannten Vergangenheit beginnen und den weiteren Ablauf, einer gewissen Chronologie folgend, erzählen. Oder war es doch die Zukunft, in der dies alles stattfand? „Ist egal", sagt mein Kollege, „diese starre Definition brauchen wir hier nicht". Um dieser wahren Geschichte, ohne wirklichem Anfang und ohne wirklichem Ende, in meiner Freiheit des Schöpferaktes ein mir „beliebigen" Anfang zu schenken, muss ich mich nur für eine Möglichkeit entschließen. „Hier ist nur Entscheidung von Nöten", sagt er. „Ich entscheide, wann alles beginnt, ich bin es, der Illusion zur Wahrheit werden lässt". Was selbstverständlich impliziert, dass ich vielleicht sogar dieser Geschichte an irgendeinem X-beliebigen Zeitpunkte ein Ende setzen werde - oder eben auch nicht. Es versteht sich ja von selbst, dass auch der Ort, an dem ich mich gerade befinde, von dem aus ich diese Geschichte erzähle, immer noch derselbe, der einzig Existente ist und niemals ein anderer sein wird. Dass dies der wahre Ort allen Geschehens ist und es immer sein wird. Verändert hat sich bisweilen nur meine Wahrnehmung, mein Bewusstsein.
Mein Name ist übrigens Hermes, wenn ich mich denn mal kurz mit meinem Namen vorstellen dürfte. Und wenn es hier auch nicht besonders viel zur Sache beiträgt, ich besetze hier im Kontinuum die kleine Stelle des Schreiberlings, einen Dienst, der dem Erinnerungsvermögen, dem Rechenwesen und natürlich dem nicht zu unterschätzenden Botendienst zugutekommt.
Jedenfalls begab es sich also vor sehr langer Zeit, ähm, ich meine natürlich gerade eben, dass ein Menschen-Kind geboren wurde mit dem Namen Ebe-il. Dieses Kind, ein Junge oder eben auch ein Mädchen, also um ehrlich zu sein würden wir auch hier ungern mit einer starren Definition liebäugeln, wobei wir doch von unserem Standpunkt aus allzu gut wissen, dass dieses Kind beides und eigentlich noch vieles, vieles mehr war. Und wir dennoch nochmals betonen müssen, dass es hier auch nicht um männliche oder weibliche Exklusivität geht, sondern um Menschwerdung an sich. Weibliches und Männliches ist zu gleichen Teilen im Universum gesät, warum sollte es in einer winzigen Wesenhaftigkeit, genannt Mensch den anders sein. Dieser Junge also oder sagen wir doch lieber dieses Mädchen, wenn wir es der Einfachheit halber benennen und begrenzen wollen, trägt den Namen Ebe-il. Dieses Mädchen, somit beschränkt auf ein Geschlecht, auf ein Gesicht, wurde nun geboren in einem Land von Schönheit und Vielfalt. Eine Landschaft mit einer Farbenpracht von unaussprechlicher Schönheit. Farbnuancen ohne Grenzen, eingebunden zwischen dem Schwarzen und Weißen an beiden Enden des fast unendlichen Farben-Spektrums. Zwischen diesem Schwarz und Weiß, zwischen Tag und Nacht, zwischen all diesen Polaritäten und der Dualität, befand sich ein grenzenloses Spiel von Farbtönung, Schattierung, immerwährender transformierender Variation. Aus unserer heutigen Sichtweise betrachtet ein wahres Paradies, ein Ozean grenzenloser Erfahrungsmöglichkeiten. Trauriger weise oder vielleicht sollte ich besser sagen Faktischer weise stellte sich die Realität auch in dieser Zeit etwas andersartig dar oder doch zumindest für die kleine Ebe-il hatte die Wahrnehmung noch ein paar wenige, aber doch ausschlaggebende Feinheiten zusätzlich parat. Die Welt im Gesamten war doch gerade zu diesem Zeitpunkte eher der Unbewusstheit zugeneigt und hatte somit seine Epochen spezifischen Eigenheiten. Sie war nämlich zumindest für unseren Geschmack auf den gerade herrschenden Zeitgeist bezogen, doch allzu sehr dem Schwarz und Weiß sehen zugetan, was dem Ganzen ein Schein von Begrenzung und Unfreiheit gab. Was für die kleine Ebe-il selbstverständlich zu ihrer ureigenen Realität wurde und auch ihr zukünftiges dadurch bestimmtes Er-Leben nicht als sonderlich komfortabel erscheinen ließ. Kurz und klar, sie war wirklich sehr, sehr unzufrieden mit dieser Welt und vor allem mit sich selbst. Und sie trug wohl ein Gemüts-Kleid, das damals, zu diesem Zeitpunkt, als Leid bekannt war und welches in ihrem Inneren eine unsagbare Traurigkeit und Einsamkeit verhüllte. Und es wird euch bestimmt interessieren, dass Ebe-il, also ihr Name, in der damaligen Stammessprache wohl so viel bedeutete wie „Vergessenheit". Es ist wohl anzunehmen, dass auch darin begründet ist, dass sie das Paradiesische als scheinbares Leid erfuhr, da sich hier offensichtlich ein Akt des Vergessens vollzog. Oder dass zumindest ein Zusammenhang besteht zwischen ihrem Namen, der Vergessenheit lautete, und ihrem Erleben ihrer selbst geschaffenen Realität. Ihr Name entsprach ihrem Empfinden, dem quasi Nicht-Wissen um das „vergessene Paradies". Nun, um die Tage ihres siebten Geburtstages begab es sich, dass Ebe-il eines Morgens ihr Elternhaus verließ, um in die nahe gelegene Schule zu gehen. Es war ein wunderschöner klarer Wintertag. Die Sonne schien mit ihrer vollen ihr zu Verfügung stehenden Kraft und auch der Himmel erstrahlte in seinem schönsten Blau. Es war wirklich ein Anblick und ein Ausdruck der Vollkommenheit, welcher sich da heute im scheinbaren Außen zeigte. Augen hatte sie nicht für diesen Zauber der Natur, die Kälte nahm sie allerdings als durchaus Reales wahr. Kälte, die sie irgendwie gelassen, aber strafend entgegennahm. Grundsätzlich stand sie der Kälte eher neutral und unbeteiligt gegenüber. Es war einzig und alleine die Traurigkeit, welche sie wahrnahm, jene, die zu ihrem ureigenen Wesen, zu ihrem ständigen Begleiter wurde. Ein chronisch gewordener Herzens-Schmerz, welcher die Sehnsucht heimzukehren, Verbundenheit zu spüren, hochschwanger in sich trug. Ihre Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit, Berührung war so unsäglich groß und gewaltig geworden, dass sie sich der ihr innewohnenden treibenden Kraft, welche sie heimzuführen suchte, kaum noch erwehren konnte. Enorme Kräfte, die sie nun damit zu zähmen versuchte, in dem sie sich dem gleich bleibenden, dumpfen und monotonen Schmerz ihres Herzens ergab. Dies war gerade noch auszuhalten, zu ertragen, an der Grenze des Überlebensfähigen. Diese Traurigkeit und Einsamkeit war ihr nun zu einem wohlbekannten Begleiter geworden. Er war eigentlich zu einem Wächter avanciert, welcher sie davor beschützte, in die Tiefe ihres Herzens blicken zu müssen, um dabei nicht ihrem unbändigen Verlangen nach Leben und dem Schmerz, der aus der jahrelangen Verneinung, des Verzichts, der Verleugnung des Selbigen stammte, zu begegnen. Eine Begegnung, welche ohne Zweifel unweigerlich grundlegende, alles verändernde Konsequenzen nach sich ziehen würde, entweder, die von ihr heimlich befürchteten - nämlich diesem Anblick nicht gewachsen zu sein und an diesem zu Grunde zu gehen, also eben einfach von dem Erblickten verschlungen zu werden oder eben die positive Variante, bei der die Realisierung und Annahme der Realität atomare Energie zur totalen Veränderung freisetzen würde, die innere Schau, neugeboren werden und neugeboren sein, mit sich bringen würde, eben dem Schmerz den Rücken zuzukehren bedeutete, um der Freiheit entgegen zu gehen. Es war also eines sicher, wenn auch nur unbewusst erahnt oder nur zögerlich in Bewusstheit eingestanden, es würde nichts mehr sein wie es vorher einmal war. Und diese Angst vor dem Unbekannten, dem Unkontrollierbaren nährte den Status Quo. Ein gleichbleibender sich auf allen Ebenen proportional verteilender Grund-Schmerz war für Ebe-il immer noch die beste und nahe liegendste Lösung für dieses Thema ihres Lebens, welches im wahrsten Sinne des Wortes nach Erlösung schrie. „Ich habe solche Angst hier in dieser Welt, ich fürchte mich, wo immer ich auch bin. Ich möchte nicht mehr sein, einfach aufhören zu existieren. Ich möchte einfach nur, dass es aufhört", sprach sie zu sich. „Ich bitte dich, hilf mir, befreie mich, rette mich, bring mich weg von hier. Mach dem Ganzen bitte ein Ende, egal wie, nur zu Ende soll es gehen", sprach sie wiederum. Aber nun nicht mehr zu sich selbst, sondern zu ihrem fiktiven Retter, mit dem sie sich schon lange, um genau zu sein, seit sie sich zurück erinnern konnte, unterhielt. Der vermeintliche Erlöser, welchen sie anflehte, immer wieder um Hilfe bat und der, so schien es, wohl der einzige ist, welcher sie aus ihrer Not befreien konnte. Aber dies gerade geschah nicht, so oft sie auch bat, so lang und so heftig sie auch flehte. Er blieb stumm, bewegungslos und in der Dunkelheit, in der Unkenntlichkeit verborgen. Und es kam ihr immer wieder in den Sinn, dass dies seine Absicht sei und sie dies, genau auf diese Art und Weise verdient hätte. „Ich", da war eine dunkle Ahnung, welche sie hatte. „Ich habe etwas falsch gemacht, ich bin nicht richtig wie ich bin. Und ich tue nicht dies, was von mir verlangt, was von mir erwartet wird. Ja ich bin böse, ich bin schlecht und habe es verdient, dafür bestraft zu werden. „Bestrafe mich", sagte sie wieder und wieder und „befreie mich doch endlich von mir selbst". Wohl in der Hoffnung, durch die Strafe geläutert und somit erlöst zu werden.