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Ebbe am Ausbildungsmarkt

Autor: KLARTEXT | Erstellt am: 15.11.2010 | Gelesen: 432
Kategorie: Beruf - Bildung & Karriere | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - DIHK sieht Chancen für so genannte Altbewerber - Ingenieurberufe brauchen mehr Werbung

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Berlin/Düsseldorf, 11. November 2010 - Der Lehrstellenmarkt scheint leergefegt. Das Angebot übersteigt derzeit deutlich die Nachfrage. Darauf weist Hans Heinrich Driftmann hin, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Demnach wurden bis Ende Oktober bundesweit 327.000 neue Ausbildungsverträge registriert. Das sind, trotz demografiebedingtem Schulabgängerrückgang von drei Prozent, 0,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. „Dabei klafft eine große Lücke zwischen den alten und den neuen Bundesländern. In Westdeutschland gibt es einen Zuwachs von 2,0 Prozent. In Ostdeutschland liegen die Vertragszahlen knapp 8 Prozent unterhalb des Vorjahresniveaus", erläutert Driftmann.

Diese insgesamt unerwartet gute Entwicklung weise darauf hin, „dass die Betriebe vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels bereit sind, auch schwächeren Schulabgängern eine Chance zu geben beziehungsweise noch stärker auf so genannte Altbewerber zurückzugreifen." Der positive Trend werde durch die letzten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bestätigt. Ende September waren bundesweit noch knapp 20.000 freie Lehrstellen gemeldet – und das bei nur 12.300 unversorgten Bewerbern. „Das Angebot übersteigt damit deutlich die Nachfrage. Altbewerber, die noch keine Stelle gefunden haben, sollten diese Situation nutzen und sich bei den Nachvermittlungsaktionen noch um einen Ausbildungsplatz bewerben", empfiehlt der DIHK-Präsident. Der Ende Oktober unter Federführung des DIHK verlängerte Ausbildungspakt trage der demografischen Trendwende Rechnung. Die Paktpartner wollen Ausbildungsreife und Berufsorientierung verbessern, die Potenziale von Leistungsschwächeren, Altbewerbern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund erschließen, aber auch Leistungsstarke für eine duale Ausbildung begeistern. Nur so lasse sich das Ziel der Paktpartner erreichen, weiterhin jährlich 60.000 neue Ausbildungsplätze und 30.000 neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen.

Unterdessen wird das Phänomen des Fachkräftemangels offensichtlich mit jedem Monat spürbarer. „Rund zwei Drittel aller 176 Arbeitsagenturen berichten demnach von großen Engpässen in Metallberufen, bei Ingenieuren und bei Ärzten. Noch schwieriger sei die Lage bei Kranken- und Altenpflegern. Diese seien in über 90 Prozent der Arbeitsagenturen schwer zu finden", berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Sprecherin der Bundesagentur. „Einen Anhaltspunkt gebe auch das Verhältnis von gemeldeten Arbeitslosen und gemeldeten Stellen. Bundesweit gab es der Sprecherin zufolge im Juli rechnerisch 7,5 Arbeitslose für eine gemeldete offene Stelle. Bei weniger als drei Arbeitslosen pro offener Stelle werde von einem Engpass ausgegangen. Deutlich unter dieser Marke lagen Metallverformer, Metallverbinder, Feinblechner und Elektriker, aber auch akademische Berufe wie Ingenieure und Ärzte", so die Agentur.

Nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlten allein im Juli dieses Jahres 36.800 Ingenieure. „Im Vergleich zu den Geistes- und Sozialwissenschaften gelten insbesondere Ingenieurwissenschaften als harte Fächer", sagt Udo Nadolski, Geschäftsführer des auf Technical Recruitment und Outsourcing Services spezialisierten Beratungshauses Harvey Nash. Hierfür müsse verstärkt geworben werden, um langfristig die Personallücken zumindest zu verkleinern. „Die Hochschulen, aber auch Branchenverbände, müssen deshalb noch intensiver als bisher an den Schulen für Ingenieurwissenschaften werben. So gibt es ja mittlerweile in den Oberstufen zahlreiche Informationsangebote, wo Experten der Arbeitsagenturen, der Studienberatungen oder der Wirtschaftsunternehmen den Schülern Rede und Antwort stehen", so der Düsseldorfer Personalexperte, nach dessen Ansicht der Mangel an Spezialisten viele Unternehmen zukünftig stärker beeinträchtigen wird als Bürokratie oder Lohnkosten. Zudem gebe es zahlreiche Ingenieure, die in ihren Unternehmen neben ihrer eigentlichen Aufgabe, der Entwicklung und Konstruktion, administrative und bürokratische Aufgaben bewältigen müssten. Hier gebe es durch interne Organisationsreformen sicher noch manches zu verbessern.

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