Die Banken geben sich mit einigen ausgefallenen und cleveren Tricks wieder richtig viel Mühe, um die Kunden zurück in die Filialen zu locken ...Die Kunden erwartet Breitbildfernsehgeräte, zart duftende Raumluft und herrlich entspannende klassische
Hintergrundmusik kostenlos dazu bei Ihrem Besuch. Es klingt eher nach einem der besseren Wellness-Spas als nach Ihrer lokalen Bankfiliale. Das könnte sich aber bald schon ändern.
Nach Informationen von This is Money befinden sich gerade einige wenige der großen Banken aus dem Vereinigten Königreich in Verhandlungen über die Installation von Fernsehgeräten, Musiksystemen und sogar von Duftpumpen in ihren Filialen, um der rückläufigen Entwicklung bei den Kundenzahlen Einhalt zu gebieten.
Die niederländische Bank ING, die auch im Vereinigten Königreich vertreten ist, nutzt in Holland bereits Bildschirme. Mittlerweile führen eine Reihe von großen Namen aus dem Vereinigten Königreich Verhandlungen mit Mood Media, einem Anbieter von Audiosystemen, Duftlösungen und visuellen Angeboten für Unternehmen wie Nike, Timberland, Thomas Pink und Hilton Hotels in 39 Ländern.
„Die Banken wissen, dass sie ihr leicht angestaubtes Image in den Geschäftsvierteln für den Übergang in das 21. Jahrhundert komplett auf den Prüfstand stellen müssen", erklärt Claude Nahon, der Präsident von Mood in Europa.
Frische neue Ideen könnten dem persönlichen Bankgeschäft in der Filiale wieder Schwung verleihen, das sich im Vereinigten Königreich schon langsam aber sicher in den letzten Zügen befindet, da 22 Millionen Briten mittlerweile viel lieber das Internetbanking nutzen.
Dabei ist es dann auch wenig verwunderlich, dass eine Umfrage von YouGov ergab, dass 63 Prozent der Kunden ihre Bankgeschäfte lieber online abwickeln, anstatt sich am Schalter in lange Warteschlangen einzureihen. Die wiederum gaben die Teilnehmer am häufigsten als Grund dafür an, sich dafür nicht erst quer durch die Stadt auf den Weg in die eigene Filiale zu begeben.
Gerade einmal 9 Prozent der befragten Bankkunden gaben an, dass ihnen die Atmosphäre in ihrer örtlichen Bankfiliale gefällt.
Die schnelle Verlagerung zum Onlinebanking in Großbritannien hat den Großbanken einen weiteren Grund für die Schließung ihrer Filialen in weiten Teilen des Landes gegeben.
Glaubt man den offiziellen Zahlen, wurde in den vergangenen 20 Jahren an jedem einzelnen Werktag mindestens eine Filiale geschlossen. Seit 1990 waren 7.000 Filialen von Schließungen betroffen. Erst kürzlich schloss Barclays 22 Filialen in den sechs Wochen vor dem Ende des ersten Quartals.
This is Money und Financial Mail haben sich unaufhörlich dafür eingesetzt, die Banken davon abzuhalten, auch noch die letzte Bank in der Stadt zu schließen, denn damit würde man denjenigen, die nicht ausweichen können und auf diese angewiesen sind, und auch den Senioren den Zugang zu wichtigen lokalen Leistungen verwehren.
Heute gibt es 1.000 Städte und Gemeinden, in denen es keine einzige Bankfiliale gibt. Weitere 1.100 haben nur eine Filiale und 500 haben gerade einmal ganze zwei Bankfilialen. Bereits in diesem Jahr wurden 24 kleinere Ortschaften und Dörfer von den Großbanken aufgegeben.
Die Kunden sind nicht zufrieden. In einer Umfrage erklärten 89 Prozent der Leser von This is Money, dass sie auch weiterhin die Filiale nutzen. 37 Prozent, d.h. der größte Anteil der 800 Befragten, gaben sogar an, dass sie häufig in die Filiale gehen.
„Banken können wieder zu einem integralen Bestandteil der kommunalen Gemeinschaften werden. Dafür müssen sie aber zu einem erholsameren, unterhaltsameren und einladenden Ort werden", erklärt Vanessa Walmsley, Senior Vice President von Mood Media.
"Unserer Leistungen fanden bereits im Einzelhandel und der Tourismusbranche weltweit großen Anklang. Es gibt nichts, was uns daran hindern wird, einen ähnlichen Erfolg in der Finanzbranche zu wiederholen. Wir befinden uns bereits in Verhandlungen mit bekannten Marken."
Die Leser von This is Money sind wahrscheinlich schon fasziniert von der Idee von Düften, die durch die Lüfte wehen. Perfektioniert wurde diese Taktik schon von den Supermärkten, die hungrige Kunden damit in den Backshop locken.
Walmsley will noch keine der Optionen ausschließen und geht aber davon aus, dass zunächst Musik den Ausgangspunkt bilden wird.
Sie sagt: „Stille kann bei den Kunden für Unwohlsein sorgen. Mit Musik in der Filiale können die Kunden mehr Vertrauen fassen, wenn sie über private finanzielle Angelegenheiten sprechen, weil sie wissen, dass sie außer dem Bankberater niemand anders hören kann."
„Natürlich hängt es dann vom demografischen Profil der Kunden der Bank ab. Wir können das Angebot lebendiger gestalten, um damit besonders Familien mit jungen Kindern anzusprechen, oder auch gehobener für die Privatbanken mit vermögenden Privatkunden oder für eine entspannte Atmosphäre in Banken mit einem höheren Kundenalter sorgen. Die Möglichkeiten sind unendlich."
Sofern der anfängliche Rollout von dem Erfolg gekrönt ist, den er bislang schon verspricht, so Walmsley weiter, könnten bald schon Hologramme und topmoderne Terminals mit Touchscreens folgen, die über einen Sensor in der Glasabdeckung erkennen, wenn ein Kunde vor dem Terminal steht, und sich dann automatisch für die Interaktion mit dem Kunden aktivieren.
Übersetzung des Artikels von Dan Hyde – Thisismoney.co.uk