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DITIB-Nord geht neue Wege in der Integration

Autor: altug | Erstellt am: 23.12.2011 | Gelesen: 289
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Der Moscheendachverband in Hamburg und Umgebung will sich stärker im Bereich der Frauen und Jugendarbeit einsetzen

Fünfzig Jahre sind seit dem Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei vergangen. Ein halbes Jahrhundert, der Einwanderung von türkischen Arbeitnehmern, später auch ihren Familien nach Deutschland. Mittlerweile sind nach der größtenteils eingewanderten zweiten sogar die dritte und in einigen Fällen die vierte Generation in Deutschland, einer für viele Türken immer noch fremden, wie sie es selber ausdrücken bitteren Heimat geboren.

Obwohl diese nachfolgenden Generationen keine Bindung mehr zu ihrem Herkunftsland haben, ist ihre Integration in die Mehrheitsgesellschaft noch immer nicht zufriedenstellend. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass viele dieser Jugendlichen die deutsche Staatsbürgerschaft mit der Geburt erhalten. Denn viele Ressentiments und Diskriminierungen insbesondere im Alltag machen es ihnen schwer, sich mit ihrer neuen Heimat zu identifizieren, auch wenn sie, wie oft von Politikern verlangt, die deutsche Sprache perfekt sprechen. Erfolg in der Schule, sogar ein Studium oder der Erfolg im Berufsleben sind keine Garanten dafür, dass isch diese Generationen hier zu Hause fühlen. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig. Die Migrantenorganisationen haben es versäumt, rechtzeitig sich zu Deutschland als neuer Heimat zu bekennen.

Allerdings muss man hierbei auch erwähnen, dass auch der deutsche Staat und staatliche Institutionen bei dem Thema Integration jeweils auf eine ihnen konforme marginale Minderheit gesetzt und die große Mehrheit der Türken bzw. Muslime nicht wahrnehmen wollten. Obwohl die Moscheegemeinden und die Verbände die sie vertreten mehr als die Hälfte aller Muslime erreichen und aufgrund ihrer Identität und Authentizität einen direkten Zugang zu muslimischen Migranten haben, wurden immer wieder kleinere Gruppierungen gefördert, welche in den Augen der Mehrheitsgesellschaft als besser angepasst gelten.

Erfreulich ist, dass hier ein Umdenken auf beiden Seiten eingesetzt hat. Die Migrantenorganisationen, insbesondere Moscheevereine und Verbände versuchen sich stärker im Bereich der Integration und im interkulturellen sowie interreligiösen Dialog zu engagieren. Auch auf Seiten staatlicher Institutionen steigt die Bereitschaft, Projekte mit diesen Verbänden und Vereinen zu fördern. Ein positives Beispiel hierfür ist das ProDialog Projekt der Türkisch Islamischen Union (DITIB), welches die größte Migrantenorganisation Deutschlands und gleichzeitig der größte islamische Verband ist. Im Rahmen des ProDialog Projektes wurden deutschlandweit über tausendfünfhundert ehrenamtliche Dialogbeauftragte ausgebildet. Die Abschlussveranstaltung des von der Bundesanstalt für Migranten und Flüchtlinge (BAMF) finanziell unterstützten Projektes wurde am 17. Dezember in Bochum mit über siebenhundert Dialogbeauftragten durchgeführt.

Diesen Beispielen folgend führt auch DITIB-Nord, der Regionalverband der Türkisch Islamischen Union für Hamburg und Umgebung neue Projekte im Bereich der Integration und des Dialogs. Dazu gehören Berufsberatungsseminare, Nachhilfe für Schülerinnen und Schüler aber auch Sprachkurse für Frauen in Moscheen. Letzteres sieht DITIB-Nord als einen wichtigen Schritt, Integration auch in der Basis breit anzugehen. Sprache ist der Schlüssel, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, so der Vorstand von DITIB-Nord. Ein neues innovatives Projekt hat DITIB-Nord mit Unterstützung der Sozialbehörde Hamburg initiiert. In zwei Moscheen in Hamburg wird Soziale Anberatung für Migrantinnen und Migranten von mehreren ausschließlich weiblichen Beraterinnen angeboten (SoC-Pa). Dadurch wird gewährleistet, dass neben männlichen auch weibliche Muslime einen einfacheren und qualitativ guten Zugang zu dem Angebot haben. Hierbei werden die Hilfesuchenden in türkisch oder deutsch in einem sehr breiten Gebiet beraten. Das Angebot reicht von juristischer Beratung, Bildung, Jugendarbeit bis hin zu gesundheitlichen Themen. Auch Gewalt in der Familie wird hier angesprochen. Die Beraterinnen sind aufgerufen, hier besonders sensibel und aufmerksam zu sein. Der Erfolg spricht für das Angebot. Obwohl die finanziellen Mitteln nur eine Beratungszeit von drei mal zwei Stunden, also insgesamt sechs Stunden pro Woche ermöglichen, konnte innerhalb des ersten Jahres insgesamt fast 150 Menschen geholfen werden. Das Interesse ist steigend, so dass das Beratungsangebot erweitert werden müsste.

Die Beratungsangebote werden durch Seminare und Konferenzen speziell für Frauen unterstützt.

Weitere Projekte im Bereich der Integration und Sozialem sind bereits in Planung. Das Projekt "Mein Weg! Jugend für die Zukunft!" welches vom Bundesfamilienministerium bewilligt wurde, ist gerade in der Konzeptionspahse. Hierbei sollen Jugendleiterinnen und Jugendleiter ausgebildet werden, welche eine vernetzte und nachhaltige Jugendarbeit in der muslimischen Gesellschaft aufbauen sollen. Hierbei erhofft sich DITIB-Nord nicht nur eine bessere Integration der Jugendlichen in der Schule und im Berufseinstieg. Gleichzeitig werden Jugendliche, die eine Perspektive für sich sehen, gefeiter gegen jede Art von Radikalisierung sein. Andere Projekte sollen folgen. Denn DITIB-Nord möchte sein Motto "Koordination, Repräsentation, Integration" in die Tat umsetzen und sich weiterhin für mehr Integration einsetzen.

Kenan Gökmen
 
 
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