Nicht erst seit der Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank kennen die
Zinsen in Deutschland nur noch eine Richtung, doch natürlich hat die Anhebung von 4,00 auf 4,25 Prozent nochmals für einen Schub gesorgt. Im Unterschied zu den vergangenen Monaten und auch Jahren ist es nun aber das lange Ende, an dem die Zinsen besonders stark zulegen. Tagesgeldkonten mit einer zumindest zeitlich begrenzten Verzinsung von fünf Prozent und mehr gibt es schon länger, die Zahl der Banken die kurzfristige Geldanlagen mit Zinsen in dieser Höhe belohnen nimmt dabei auch noch ständig zu. Neu dagegen ist jedoch die Höhe der Zinsen für Festgeldanlagen von zwei bis sechs Jahren. Gab es lange Zeit einen harten Knick bei einer Anlagendauer von mehr als zwei Jahren, so steigen die Zinsen nun wieder mit der Dauer der Anlage an.
Noch vor wenigen Wochen erzielte der Anleger bei einer einjährigen Anlage in Festgeld deutlich höhere Zinsen als bei Laufzeiten von zwei oder mehr Jahren. Ein im Grunde widersinniger Umstand, verzichtet ein Festgeldanleger über einen längeren Zeitraum auf sein Kapital, so sollte dies eigentlich seitens der Bank mit höheren Zinsen belohnt werden – genau dies war jedoch längere Zeit nicht der Fall. Der Grund für diese widersinnige Entwicklung waren die sich eintrübenden Aussichten in Bezug auf die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Banken mussten mögliche Leitzinssenkungen, die Notenbanken in solchen Fällen vornehmen um die wirtschaftliche Entwicklung wieder in Gang zu bringen, in ihre Zinsberechnungen einfließen lassen, wodurch die gebotenen Festgeldzinsen am langen Ende abnahmen.
Nun aber haben die rasant ansteigenden Energiekosten und die dadurch immer weiter steigende Inflation einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Leitzinsen konnten trotz der sich abschwächenden Konjunktur nicht gesenkt werden ohne damit die Inflation noch weiter anzuheizen, im Gegenteil, die EZB sah sich sogar veranlasst die Zinsen anzuheben um der Inflation entgegenzutreten.
In welche Richtung sich die Zinsen in Zukunft bewegen werden ist derzeit schwer abzuschätzen, beide Lager haben gute Argumente sowohl für weiter steigende als auch für sinkende Zinsen bis zum Ende des Jahres. Den Ausschlag wird wohl die Entwicklung der Energiekosten während der nächsten Monate geben, denn sollten der Ölpreis und somit auch die Kosten für Heizöl, Benzin, Strom und Wärme weiter steigen, wird auch die allgemeine Inflation weiter an Fahrt zunehmen und die EZB vielleicht zu erneuten Zinsanhebungen veranlassen. Sollte sich der Ölpreis dagegen stabilisieren oder gar deutlich zurück gehen, würde dies die EZB endlich in die Lage versetzen der Konjunktur durch Zinssenkungen unter die Arme zu greifen.