Edel: Ein hochwertig saniertes Eingangsportal in Leipzig
Von Tag zu Tag wird Leipzig schöner. Noch immer fallen viele Baugerüste und geben den Blick auf liebevoll rekonstruierte Gründerzeithäuser frei. Heute ist so manches Baudenkmal sogar schöner als zum Zeitpunkt seiner Entstehung. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt ein Blick zurück: Denn nach der Wiedervereinigung galten große Teile Leipzigs als verloren. Viele Experten sahen den Erhalt und Sanierung des gesamten Gründerzeitgürtels als wirtschaftlich unmögliches Unterfangen an und setzten auf Neubau.
Zahlreiche Denkmalschützer befürchteten den großflächigen Abriss der historischen Bausubstanz. Die Messestadt drohte an ihrem baulichen Erbe zu verzweifeln. Gründe für die innerstädtische Neubau-Wut und den damit verbundenen Rückbau vieler historischer Gebäude waren sowohl in der damaligen Gesetzgebung, als auch in der Geschichte westdeutscher Stadtentwicklung zu finden. Leipzig - die deutsche Hauptstadt des Historismus - stand vor einem ähnlichen Schicksal, wie zahlreiche Großstädte der alten Bundesländer nach dem Zweiten Weltkrieg. Dort hatten Kriegszerstörungen und der folgende Bauboom bis in die siebziger Jahre hinein große Teile der historischen Bausubstanz vernichtet.
Erst in den achtziger Jahren setzte ein Umdenken ein. Die Gesellschaft kritisierte die Wachstums- und Fortschrittsgläubigkeit zunehmend oder stellte sie sogar in Frage. Der Druck der Bevölkerung brachte Politiker und Stadtplaner dazu, ihre Entwicklungspläne zu überdenken. Der Weg für eine gezielte Erneuerung der historischen Stadt- und Kulturlandschaft war frei.
Denkmalschutz und Denkmalpflege galten fortan nicht mehr als Hemmnis, sondern als wichtiger Baustein für die Entwicklung attraktiver Städte.
Von diesem Wandel profitierte später auch Leipzig enorm. Bis heute wurden mehr als 15.000 Häuser der Stadt gerettet – eine gewaltige volkswirtschaftliche Leistung, die nur durch den Einsatz von privatem Kapital zu bewältigen war. Viele Investoren wurden so zu aktiven Denkmalschützern - auch wenn ihre Rolle gern als nüchternes Finanzkalkül angesehen wird.
Investoren winken umfangreiche Steuervergünstigungen
Um das kulturelle Erbe zu bewahren, gewährt der Staat Investoren sogar großzügige Steuervergünstigungen für die Sanierung von Baudenkmälern. Denn im Vergleich zu Neubauten belasten diese den Eigentümer, weil er beispielsweise bei der Rekonstruktion umfangreicher Decken- und Wandmalereien oder der Aufarbeitung historischer Türen und Fenster umfangreiche Auflagen einhalten muss. Das wiederum ist mit erheblichen Mehrkosten verbunden. So verdreifacht beispielsweise eine Dacheindeckung mit Schiefer, als Alternative zu einfachen Ziegeln, den Kostenaufwand beinahe. Diese enormen finanziellen Belastungen sollen durch steuerliche Anreize in Form von
Denkmal-Abschreibungen ausgeglichen werden.
Nach der Wiedervereinigung gab es in den neuen Bundesländern einen erheblichen Sanierungsbedarf. Viele Gebäude waren nur noch in teilweise bewohnbar oder ganz vom wirtschaftlichen Niedergang betroffen. Im Gegensatz zum Alt-Bundesgebiet werden in Sachsen daher alle Baumaßnahmen, die einen Altbau wirtschaftlich nutzbar machen, als Aufwand zum Erhalt des Baudenkmals anerkannt. Vielfach entstehen sogar Neubauten, bei denen nur die äußere Hülle erhalten bleibt. Unter steuerlichen Gesichtspunkten sind sächsische Immobilien mit einem hohen Sanierungsaufwand besonders attraktiv und vergleichsweise lukrativer als in den alten Bundesländern.