Nie wieder wächst ein Baby so schnell wie innerhalb des ersten Jahres. Klar das dies ein Baby ordentlich durcheinanderbringen kann. Besonders deutlich zeigt sich das in den einzelnen Wachstumsphasen, die das Baby während seiner Entwicklung durchläuft. Das Wachstum ist nämlich keineswegs immer gleichmäßig am Werk, sondern bündelt seine Energie regelrecht in Phasen.
Wie ausgeprägt einzelne Wachstumsphasen sich bei einem Baby bemerkbar machen kann höchst unterschiedlich sein. Einige Babys reagieren jedoch sehr deutlich auf diese Phasen und legen ein spürbar anderes Verhalten an den Tag als sonst üblich. Häufige Symptome sind mitunter ein starker Drang nach Körpernähe, eine allgemeine Unzufriedenheit, die sich in vermehrtem Quengeln äußert, Einschlaf- bzw. Schlafprobleme insgesamt oder Veränderungen im Trink- und Essverhalten. So kann es vorkommen, dass ein Baby kaum noch essen und trinken möchte. Ein anderes Baby hat dagegen vermehrt Hunger und möchte auch nachts wieder häufiger an die Brust.
Die Eltern haben in diesen Phasen oft das Gefühl, das Baby würde in der Entwicklung Rückschritte machen. Schlief das Baby noch vor wenigen Tagen friedlich in seinem Bettchen ein, so ist es von heute auf morgen eine regelrechte Tortur das
Baby zum Einschlafen zu bringen. Konnte man noch vor wenigen Tagen das Baby unbesorgt auf die Krabbeldecke legen, damit es sich dort ein wenige mit sich selbst beschäftigt, so quenelt es nun bereits beim Anblick der Decke rum und möchte eigentlich den ganzen Tag nur getragen werden.
Viele Eltern kennen diese Erlebnisse und haben sie meist entweder stillschweigend über sich ergehen lassen oder waren der Verzweiflung nahe. Denn ohne das Wissen über diese Wachstumsphasen, werden Eltern regelmäßig vor Rätsel gestellt. Zumal sich die nächste Phase meist nicht mit langem Vorlauf ankündigt, sondern meist innerhalb von wenigen Tagen wenn nicht sogar über Nacht plötzlich eintritt. Es ist also weniger eine Evolution als vielmehr eine Revolution, die regelmäßig durch junge Familien fegt. Ebenso unberechenbar wie der Beginn einer Phase ist, ist auch die Dauer. Ein Baby kann wenige Tage oder eine Woche betroffen sein, ein anderes Baby gleich mehrere Wochen. Auch beim selben Baby kann die eine Phase ausgeprägter und länger aber auch deutlich kürzer sein als die vorherige.
Wichtig für Eltern ist jedoch das Wissen über diese Phasen. Wissen sie hierüber bescheid, sind solche Phasen in der Regel sehr viel einfacher zu überstehen, da überhaupt einmal bekannt ist, dass es sich um eine weitere Phase handelt und das Baby sich nicht tatsächlich zurück entwickelt - im Gegenteil. Oft schließt sich einer scheinbaren Rückentwicklung ein bedeutsamer Fortschritt an, in dem das Baby etwa lernt gezielt zu greifen oder sich plötzlich auf den Bauch drehen kann. Die Devise lautet also einen Schritt zurück um anschließend zwei nach vorne zu gehen.
Ein Rezept gegen die Tücken einer Wachstumsphase gibt es somit nicht. Hier ist Durchhaltevermögen angesagt. Die Aussicht auf einen anschließenden Entwicklungssprung sollte aber auch ausreichend Motivation für das Durchhalten der schwierigen Zeit sein. Interessanterweise hören die Wachstumsphasen im Laufe des weiteren Lebens eines Kindes auch nicht auf. Die Abstände dazwischen werden nur länger und die Übergänge sehr viel sanfter.
Kim Schulze