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Die Vielfalt der Einfalt

Autor: geradeaus | Erstellt am: 17.02.2009 | Gelesen: 749
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Wie sich die deutsche Wirtschaft durch die Krise mogelt

Charles Darwin hat die „Vielfalt der Arten" als Ergebnis der Evolution in der Natur beschrieben. Das Highlight in der Artenvielfalt stellt demnach offenbar der Mensch dar. Und dieser hat sich Wirtschaftssysteme zur Sicherung aller möglichen Bedürfnisse geschaffen. Im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen hat unsere Spezies ein Wirtschaftssystem geschaffen, das bislang allen anderen Systemen überlegen scheint. Was nachhaltig und in zyklischen Abständen störend wirkt, sind die Krisen die dieses System kennzeichnen. Und so überfallen uns die großen und kleinen Wirtschaftseinbrüche in fast schon berechenbarer Regelmäßigkeit.

Trotz dieser Einsicht ist es (nicht nur) der deutschen Wirtschaft bislang nicht gelungen, produktiv auf solche Krisen zu reagieren. Ob es nun die Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, die Ölkrise oder der jetzige Werteverfall ist, die deutsche Wirtschaft kannte immer nur einen Weg aus der Regression. Und der hieß Einfalt.

Konnten sich vor achtzig Jahren noch Diktatoren mit ihrem Drang nach Krieg und Expansion der Krise entziehen (zumindest kurzfristig), so werden wir seit einigen Jahren Zeuge einer Vielfalt der Einfalt. Gerade die momentane wirtschaftliche Krise zeigt wieder einmal deutlich, wie wenig deutsche Wirtschaftspolitik entwicklungsfähig ist.

Konjunkturprogramme, die diesen Namen kaum verdienen, sorgen für Flickschusterei an den vermeintlich wichtigsten Fronten deutscher Wirtschaftskraft. Mit einem immensen Aufwand an Steuergeldern werden die Lieblingskinder deutscher Industrieentwicklung solange gestützt, bis der freie Fall nicht mehr aufzuhalten ist. Was bleiben wird, ist ein rudimentärer Staatshaushalt, der diesen Namen nicht mehr verdient und der Ruf nach neuen Ideen. Dabei liegen diese längst auf den Tischen der wenigen verbliebenen Ideenträger oder werden klammheimlich in den Schubladen der Entscheidungsträger verborgen gehalten.

Die Vielfalt der Einfalt ist beeindruckend. Beispiele lassen sich massenhaft finden. Wir erfinden die Abwrackprämie um die Lager der Autofabrikanten leer zu bekommen und den Eindruck zu entwickeln, dort müsste dringend weiter produziert werden. Die ausländischen Kleinwagenproduzenten freut`s, die Schrotthändler reiben sich die Hände (auch wenn sie wohl auf dem Schrott sitzen bleiben werden). Wir bauen Schallschutzwände. Der Bürger kann sich so dem Autolärm entziehen, wenn dieser nicht über kurz oder lang ohnehin abschwellen wird, wenn hunderttausende Autofahrer den Luxus Mobilität nicht mehr bezahlen können. Vielleicht gewinnen wir so abgeschottete Verkehrsräume für die übrig gebliebenen Luxuskarossen der Vorstände und Politiker? Nutznießer sind zumindest vorübergehend die Baufirmen. Aber auch nur solange, wie die Kommunen und Länder in der Lage sind, Lärmschutzwände zu bezahlen. Wichtige strukturelle Entscheidungen werden so aus den Haushalten geschubst. Und wir renovieren unsere Schulen! Nicht, dass dadurch Bildung und Erziehung besser würden, aber wiederum die Bauindustrie kann den Leistungsträgern der Zukunft zeigen, dass mit einfachen Ideen immer noch Geld zu verdienen ist, wenn nichts mehr geht. Mit Sicherheit wären eine Verbesserung der Schulausstattung, mehr und qualifiziertere Lehrer, kostenfreie Schulspeisung, neue Unterrichtsmodelle und vor allem die Einführung der Fächer Wirtschaftskunde und Persönlichkeitsentwicklung dringlicher, aber mit welchen Wahrheiten soll man die Werteschöpfer der Zukunft füttern? Mit der Einsicht des Versagens in vergangenen Krisen wäre schon ein Schritt getan. Aber eines gab es in der Vielfalt der Einfalt noch nie – Selbstkritik.

Sinnvoller als die Verwaltung der Krise stellt sich jedoch der Blick auf wirkliche Innovationen im Sinne einer umfassenden Wissensbilanzierung dar! In klaren Zahlen und Fakten auf den Tisch legen, was ist und darauf aufbauend die Gesellschaft der Zukunft entwickeln, das wäre ein dankbares und vor allem weitsichtiges Konjunkturprogramm. Aber Weitsicht war noch nie der zweite Name von Einfalt.

Lassen wir uns also weiter von der Vielfalt der Einfalt überraschen! Oder wagen wir den Schritt in neue Dimensionen, beschäftigen wir uns mit Zukunftssicherung, in dem wir mit den neuen Erkenntnissen der Gegenwart die Zukunft gestalten und nicht weiter dafür sorgen, dass altbackene Konzepte die Krise überlebbar machen. Wirkliche Veränderungen täten Not, aber deutsches Wirtschaftsdenken funktioniert anders: Auf bessere Zeiten warten und dann so weitermachen wie bisher! Das ist der eigentliche Nährboden der einfältigen Vielfalt.

Ob Darwin so etwas auch in der Evolution entdeckt hat? Wenn ja, dann hat er diesen Fakt geschickt geheim gehalten!

Olaf Hoffmann
Geradeaus…die Berater
 
 
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