Bespitzelungen in Supermärkten sind kein Einzelfall. Detekteien generieren zu 60 – 70 Prozent ihres gesamten Umsatzes aus den Spionagen bei den Discountern. Die Detektive rücken zumeist mit mehreren Angestellten an. Im Koffer befindet sich das Detektiv Zubehör, das mehrere Zehntausend Euro kostet. Mit eingeschleusten Mitarbeitern, mit Minikameras und mit Peilsendern werden die Discounter bestückt.
Das Ausspionieren verdächtiger Mitarbeiter ist kein Nebenjob – es ist das Kerngeschäft. Zu den Kunden zählen kleine Bäckereien, der Metzger um die Ecke und die großen Lebensmitteldiscounter. In Zeiten, in denen jeder um seine eigene wirtschaftliche Existenz kämpft, ist das Schamgefühl weit gesunken – mehrere Mitarbeiter bereichern sich am eigenen Unternehmen. Durch Diebstahl wird der Wirtschaft jahrjährlich einen Schaden in einer 3-stelligen Milliardenhöhe zugefügt. Was liegt da näher, als die Unternehmen einer
Videoüberwachung zu unterziehen? Der Diebstahl muss letztendlich verhindert werden.
Aber – manche Unternehmen gehen zu weit. Spionagen – wie oft geht Herr Maier während der Arbeitszeit auf die Toilette oder Abhörprotokolle getätigter Gespräche sind gewaltige Einschnitte, die sich kein Mitarbeiter gefallen lassen muss. Eine Minikamera ist nicht größer als 2 Zentimeter, die von den Mitarbeitern nur schlecht wahrzunehmen ist. Die abgelieferten Bilder einer Minikamera entsprechen dem Stand der heutigen Fernsehqualität. Auch Abhörgeräte in Form eines
Minisenders werden nur allzu gerne eingesetzt. Ein Bespitzeln getätigter Gespräche wird ermöglicht.
Ein Discounter bekam die Videoüberwachung bereits zu spüren. Die Kunden boykottierten ihre Einkäufe. Aus deren Sicht ist es menschenunwürdig, die eigenen Mitarbeiter durch eine Videoüberwachung oder durch einen Peilsender auszuspionieren. Der Discounter reagierte prompt – seine Aussagen gingen dahingehend, ein Boykott würde nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den Mitarbeiter schaden, die um ihre Arbeitsplätze bangen müssen.
Oliver Bunzheim