
Eine Videoüberwachung oder ein Peilsender gehören zum Geschäftsalltag. Mehrere Discounter kamen in der letzten Zeit in den Verruf, Raumüberwachungen und Spionagen am Arbeitsplatz vorzunehmen. Im Vordergrund stand die Eindämmung begangener Diebstähle durch die Mitarbeiter und die Kunden. Unlängst ist bekannt – in Zeiten stagnierender Löhne und einer hohen Arbeitslosenquote ist das Unrechtsbewusstsein stark gesunken. Inventurverluste und der Griff in die Kasse sind längst keine Seltenheit mehr.
Durch eine Videoüberwachung, durch Peilsender und durch eine
Raumüberwachung versuchen Unternehmen, Diebstähle einzudämmen. Pressemitteilungen zufolge schießen aber manche Unternehmen weit über das Ziel hinaus. Ausgewertete Materialen einer Videoüberwachung oder Abhörprotokolle seitens angebrachter Peilsender brachten Erschreckendes ans Licht.
Spionagen wie „wie oft geht Frau Bauer auf die Toilette?" oder „wer hat was mit wem?" sind in den Protokollen ersichtlich. Sicherlich – eine
Videoüberwachung oder ein Peilsender sendet derartige Informationen, die aber in einem Protokoll nichts zu suchen haben. Die Unternehmen geben zumeist den beauftragten Unternehmen – den Detekteien und Sicherheitsfirmen – die Schuld nicht im eigentlichen Sinne gehandelt zu haben. Dass dies aber faule Ausreden sind, ist längst bekannt. Es gibt Unternehmen, die bei jeder Krankmeldung eines Mitarbeiters ein Observationsteam anrücken lassen, um nachzuschauen, ob alles rechtens ist.
Reaktion seitens der Politik folgten. Verbraucherminister Seehofer übte scharfe Kritik an der Durchführung einer Raumüberwachung. Eine Videoüberwachung ist zwar positiv, aber die Grenzen wurden weit überschritten. Er sprach von einer Verletzung der Menschenwürde und es ging noch weiter. „Die systematische Bespitzelung erinnere an Zeiten, die man in Deutschland längst überwunden glaubte" – Zitat von Seehofer. Zugleich wird ein schärferer gesetzlicher Schutz von Mitarbeitern gefordert.
Oliver Bunzheim