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Die Verklärung volkswirtschaftlicher Sparhysterie

Autor: Wittig | Erstellt am: 09.07.2008 | Gelesen: 790
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: Unbewertet
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(Online-Artikel.de) - Die Verklärung volkswirtschaftlicher Sparhysterie gegen den Vorteil höherer Staatsverschuldung

Bei anhaltender Arbeitslosigkeit sind Verbrauch (Konsum) und unternehmerische Kapitalanlage (Investition) keine Gegner. In Zeiten von Jobless growth, also Wachstum ohne Verbesserung der Beschäftigungslage und besonders des kon­junkturellen Rückganges kommt die Expansion des Konsums der Investitionstätig­keit zugute, umgekehrt fördert mehr Investitionstätigkeit den Konsum. Ohne das Ganze mathematisch näher „aufzudröseln" steht fest: Verringert sich das Volksein­kommen (reales BIP), wird demzufolge ein Teil der unternehmerischen Kapitalanla­gen vernichtet.

Das heißt: Sparen, also weniger Konsum, bedeutet weniger Volks­einkommen. Wiederum bedingt dies zwangsläufig einen Prozess, der dann erst en­det, wenn die Armut des Volkes so zunimmt, dass genau das gespart, was inves­tiert wird. Bei niedrigem Level des Volkseinkommens werden nicht mehr, sondern weniger Investitionsgüter nachgefragt. Es bedarf also keiner Ingeniosität, um zu er­kennen, dass die unternehmerischen Kapitalanlagen ipso facto in praxi somit zu­rück gehen. Skurril ist, wenn nach Belieben öffentlich widersinnige Thesen zugleich als wahr oder falsch oder obsolet kolportiert werden; wie z. B. die Legende, dass die aktuelle Generation verpflichtet sei, durch Sparsamkeit ihre Nachfolger existen­tiell abzusichern. Der Versuch, mehr zu sparen, kann in Wirklichkeit sogar zu gerin­geren Ersparnissen und Investitionen führen. Der Widersinn des volkswirtschaftli­chen Sparens könnte nur bei genialer und behutsamer öffentlicher und privater In­tervention ad absurdum geführt werden. Ex usu stehen die Chancen dafür schlecht. Es bleibt daher unerklärlich, weshalb nicht der vernünftige Weg einer signifikant höheren Staatsverschuldung im Sinne eines echten Paradigmenwechsels forciert beschritten wird. Frühere Generationen scherten sich einen „feuchten Kehricht" um ihre Nachfolger.

Die Apotheose volks­wirtschaftlicher Sparhysterie, die gegen den Vorteil einer signifikant höheren Staatsverschuldung steht, sollte im Interesse von Prosperität und verbesserter Be­schäftigungslage lege artis schnellstens in Vergessenheit geraten...sozusagen auf europäischer Ebene, wegen und trotz „Maastricht".

Autor: Prof. Dipl. phil. Werner Wittig
 
 
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