Bei anhaltender Arbeitslosigkeit sind Verbrauch (Konsum) und unternehmerische Kapitalanlage (Investition) keine Gegner. In Zeiten von Jobless growth, also Wachstum ohne Verbesserung der Beschäftigungslage und besonders des konjunkturellen Rückganges kommt die Expansion des Konsums der Investitionstätigkeit zugute, umgekehrt fördert mehr Investitionstätigkeit den Konsum. Ohne das Ganze mathematisch näher „aufzudröseln" steht fest: Verringert sich das Volkseinkommen (reales BIP), wird demzufolge ein Teil der unternehmerischen Kapitalanlagen vernichtet.
Das heißt: Sparen, also weniger Konsum, bedeutet weniger Volkseinkommen. Wiederum bedingt dies zwangsläufig einen Prozess, der dann erst endet, wenn die Armut des Volkes so zunimmt, dass genau das gespart, was investiert wird. Bei niedrigem Level des Volkseinkommens werden nicht mehr, sondern weniger Investitionsgüter nachgefragt. Es bedarf also keiner Ingeniosität, um zu erkennen, dass die unternehmerischen Kapitalanlagen ipso facto in praxi somit zurück gehen. Skurril ist, wenn nach Belieben öffentlich widersinnige Thesen zugleich als wahr oder falsch oder obsolet kolportiert werden; wie z. B. die Legende, dass die aktuelle Generation verpflichtet sei, durch Sparsamkeit ihre Nachfolger existentiell abzusichern. Der Versuch, mehr zu sparen, kann in Wirklichkeit sogar zu geringeren Ersparnissen und Investitionen führen. Der Widersinn des volkswirtschaftlichen Sparens könnte nur bei genialer und behutsamer öffentlicher und privater Intervention ad absurdum geführt werden. Ex usu stehen die Chancen dafür schlecht. Es bleibt daher unerklärlich, weshalb nicht der vernünftige Weg einer signifikant höheren Staatsverschuldung im Sinne eines echten Paradigmenwechsels forciert beschritten wird. Frühere Generationen scherten sich einen „feuchten Kehricht" um ihre Nachfolger.
Die Apotheose volkswirtschaftlicher Sparhysterie, die gegen den Vorteil einer signifikant höheren Staatsverschuldung steht, sollte im Interesse von Prosperität und verbesserter Beschäftigungslage lege artis schnellstens in Vergessenheit geraten...sozusagen auf europäischer Ebene, wegen und trotz „Maastricht".
Autor: Prof. Dipl. phil. Werner Wittig