Klinsmann, Völler, Matthäus, Kohler, Bierhoff, Kahn und Ballack waren die prägenden Figuren der deutschen Nationalmannschaften bei den Weltmeisterschaften 1990 bis 2006. Doch in der zweiten Reihe ging es umso unpopulärer zu, wie folgende Beispiele zeigen:
Schlimmer als Theaterstadl
Paul Steiner - Deutscher geht ein Name kaum, und dieser Herr war tatsächlich einmal Fußballnationalspieler, mehr noch: 1990 wurde er sogar Weltmeister(!). Steiner, der vom damaligen Teamchef Franz Beckenbauer als Ersatzlibero für Klaus Augenthaler vorgesehen war, kam kein einziges Mal zum Einsatz und prägte somit den Begriff vom „WM-Touristen". Er war einer dieser „Typen", die man heutzutage kaum mehr findet, in Steiner's Fall muss man sagen: zum Glück! Bekannt dürften seine Äußerungen zu Homosexualität im Fußball sein: „Ich kann mir nicht vorstellen dass Schwule Fußball spielen können. Die sind doch viel zu weich". Auch soll er den einstigen Nürnberger Souleyman Sane mit den Worten „Scheiss Nigger, hau ab, was willst du in Deutschland?" angepöbelt haben. Seit 1997 arbeitete er als Scout für Bayer 04 Leverkusen, letzten Sommer wechselte er in gleicher Funktion zum 1. FC Köln, wo er von 1981-1991 bereits als Aktiver tätig war.
Die kurzen Wagner Festspiele
Vier Jahre später gab es erneut einen Spieler, den die deutsche Fußballöffentlichkeit wohl verdrängt haben dürfte. Martin Wagner, der per heutiger Definition, dank Pferdelunge und mächtiger linker Klebe, wohl einen astreinen linken Außenverteidiger abgeben würde. Bei der WM 1994 in der USA durfte der damalige Lauterer immerhin zwei Mal ran. Im Achtelfinale gegen Belgien (3:2) spielte er sogar 90 Minuten. Im Viertelfinale kam das legendäre Auscheiden gegen die Bulgaren, Wagner musste nach einer Stunde für „Was erlauube Struuuuuuuunz" vom Platz. Heute ist der gebürtige Offenburger als Spielerberater tätig – der Öffentlichkeit dürfte er wohl auch jetzt nicht weiter auffallen - seine Hauptklientel sind Zweitligaprofis.
Herr Feldmarschall!
Von Olaf Marschall ist mir persönlich besonders im Gedächtnis geblieben, dass ich bei einem Besuch im Nürnberger Frankenstadion gegen Kaiserslautern die kompletten 90 Minuten von einem kindischen Sitznachbarn genervt wurde, der bei jedem Ballkontakt „Scheiss Marschall" von sich gab.
Er war zeitweise einfach ein angsteinflösender Stürmer ;-) Mit Lautern wurde Marschall 1998 schließlich als Aufsteiger sensationell deutscher Meister, was mit Sicherheit der Hauptgrund für seine WM-Teilnahme in Frankreich gewesen sein dürfte. Jedoch gab es für ihn am Stammsturm Klinsmann/Bierhoff kein vorbeikommen. Beim blamablen 0:3 im Viertelfinale gegen Kroatien wurde er 10 Minuten vor Schluss für Didi Hamann eingewechselt.
Außenrist-Gott
Ich muss zugeben dass ich bei der Recherche für diesen Artikel am Ende selbst ein wenig erschrocken bin: Jörg Böhme war 2002 WM Teilnehmer (ohne Einsatz) und ist damit Vizeweltmeister! Auch zu ihm habe ich eine besondere Erinnerung. Sein fantastisches Außenrist-Meisterwerk, von Radioreporter Günther Koch damals stürmisch als „Tor des Jahrhunderts" bejubelt, brachte die Löwen im Jahr 1997 zehn Minuten vor dem Ende gegen die Bayern 3:2 in Front, doch Carsten Jancker erzielte in der Schlussminute für neun Bayern, im wohl besten Münchner Derby der letzten 20 Jahre, noch den Ausgleich. Sonst ist Böhme immer auch einer jener „Typen" gewesen die gerne mal frei Schnauze irgendwas daherbrabbeln ohne groß nachzudenken. Heute arbeitet er als Co-Trainer der zweiten Mannschaft von Arminia Bielefeld in der Oberliga Nordrhein-Westfalen.
Auf der Hut(h)!
2006 ist noch nicht so lange her, aber ein weiteres Beispiel für einen WM-Teilnehmer, über dessen Mitwirken sich alle ungläubig die Augen reiben durften, war wohl Robert Huth. Der gebürtige Berliner machte die Fachwelt auf sich aufmerksam als er im Alter von 17 Jahren im Jahr 2001 von Union Berlin zum FC Chelsea wechselte. Der technisch schwache, oft stocksteif wirkende Innenverteidiger war beim Duo Klinsmann/Löw aber durchaus beliebt und durfte deshalb auch beim Sommermärchen mitmachen. Nach dem Turnier wechselte er für 9(!) Millionen(!) Euro(!) nach Middlesborough wo er bis heute unter Vertrag steht.
Fallen euch noch andere, nicht zwingend Nationalspieler, ein, die man einfach vergessen hat oder die aufgrund besonderer Umstände nie den Sprung in das Langzeitgedächtnis der Fußballfans fanden?
Zur Originaldiskussion: www.rasenschach.eu/blog/?p=110
Autor:gses