Verdi-Oper 'Nabucco'
Hanau (hop). In Hanau gab es einen echten Ohren- und Augenschmaus, denn im Amphitheater im Schlosspark "Philippsruhe" gastierte die bekannte bulgarische Plovdiv-Philharmonic-Opera mit Verdis Oper "Nabucco".Nabucco ist ein Historiendrama, das sich auch Hollywood nicht dramatischer hätte ausdenken können. Macht, Liebe, Intrigen, Religion – alles ist vertreten in einer Oper, die höchste Ansprüche an Darsteller und Bühnentechnik stellt. Das Libretto, heute würde es wohl Drehbuch genannt, stammt von Temistocle Solera. Für den 28-jährigen Giuseppe Verdi sollte die Komposition sowohl den Erfolgsbeginn wie auch seine Heilung von Depressionen bedeuten. Die Uraufführung war am 9. März 1842 in der Mailänder Scala.
Die Oper spielt im Jahre 586 vor Christus in Jerusalem und Babylon. Nabucco (Bariton Alexander Krunev), König der Babylonier, hat vermeintlich zwei Töchter, die ältere Abigaille (Sopran Elena Baramowa) und Fenena (Mezzosopran Elena Chavdarova-Isa). Letztere ist Gefangene bei den besiegten Hebräern. Sie liebt den hochgeborenen Hebräer Ismaele (Tenor Stoyan Daskalov), den sie einst aus der Gefangenschaft ihres Volkes befreite. Als die siegreichen Babylonier einfallen, sieht der Hohepriester Zaccarria nur den Ausweg, der Geisel den Tod anzudrohen. Ismaele rettet sie und lässt sie frei. Darauf brennen die Babylonier alles nieder und nehmen die Hebräer als Gefangene. Die Überlebenden verfluchen Ismaele, der Hohepriester Zaccarria (Bass Ivaylo Dzhurov) aber stellt klar, Ismaele habe keine Ungläubige gerettet, da Fenena zum Glauben der Hebräer konvertiert ist.

Nabucco hat Fenena während seiner Abwesenheit den Thron überlassen. Die machtgierige Abigaille aber will die Herrschaft um jeden Preis, nimmt mit Hilfe der Baalspriester Fenena gefangen und lässt verbreiten, Nabucco sei tot. Sie bekommt ein Dokument in die Hände, das belegt, dass sie nur eine Sklavin ist. Der König kehrt heim, entreißt Abigaille die Krone und erklärt sich zum alleinigen König und Gott. Blitze schlagen ein, die Krone fällt und sein Geist verwirrt sich. Abigaille ergreift wieder die Krone und will nun Nabucco mit Tricks dazu bringen, das Todesurteil für die Hebräer und Fenena zu unterzeichnen. Plötzlich geheilt, will er öffentlich Abigailles Herkunft kundtun, doch diese zerreißt das Dokument und lässt Nabucco gefangen nehmen. Die gefangenen Hebräer sind verzweifelt, sie beweinen die verlorene Heimat mit einem bewegenden Gesang. Zumindest dieser "Gefangenenchor" am Ufer des Euphrat mit seinem "Va pensiero" – "Flieg Gedanke" ist selbst den meisten Opernmuffeln bekannt. Doch Zaccarria gibt seinem Volk wieder Hoffnung. Als Nabucco in seinem Verlies hört, dass Fenena zum Opferaltar geführt wird, fleht er zu Jehova, dem Gott der Hebräer. Prompt befreien ihn treue Anhänger und die Truppen erkennen in ihm ihren König wieder. Die Rettung von Fenena und den gefangenen Hebräern gelingt so in letzter Sekunde. Abigaille verübt Selbstmord und bittet im Sterben Fenena um Verzeihung. So siegt am Ende die Macht des hebräischen Gottes.

Die künstlerische Gestaltung lag in bulgarischer Hand. General Director Andrey Andreev und Regisseurin Nadia Christo begeisterten mit Dirigent Hristo Mihalev und dem Plovdiv-Philharmonic-Orchestra unter der Leitung von Maestro Nayden Todorov. Das Bühnenbild stammte von Rada Hadzhiyska und die Choreografie oblag Nickolay Serafimov.
Das Amphitheater Hanau im Schlosspark "Philippsruhe" war für eine solche Darbietung der genau richtige Rahmen. Obwohl geschützt durch große Kuppeln, hat der Besucher doch ein "Open-Air-Gefühl". Die Leichtigkeit dieser Architektur passte hervorragend zu dem raffinierten Bühnenbild, das durch Beleuchtung lebte und immer wieder anders wirkte, aber nicht vom Geschehen ablenkte. Die Darbietung erfüllte alle Anforderungen, das Publikum dankte es mit Begeisterung. Beim Gefangenenchor, wunderschön schlicht und eindringlich vorgetragen, hätte man eine Nadel fallen hören können, anschließend gab es begeisterten Extra-Applaus und Bravo-Rufe. Kein Orchester war zu sehen, mancher Zuschauer mag wohl schon geargwöhnt haben, die Musik käme aus der Konserve, doch am Ende senkte sich der Vorhang und dahinter erschien das gesamte Orchester. Dieses Fehlen des Kontaktes zwischen Orchester und Darstellern hat sicher die Interaktion ungleich schwieriger gestaltet und somit die Leistung nochmals beeindruckender gemacht. Ohne Zweifel war die Oper ein voller Erfolg und das Publikum dankte es mit Beifallsstürmen, zu denen sich die Künstler immer und immer zeigen mussten.
Barbara Hoppe