Anfang der 30iger Jahre hatte Handel und Gewerbe in den einzelnen Wiener Bezirken eine dichte Struktur mit zahlreichen einzelnen Standorten. Eine Besonderheit nahm dabei etwa das Vertriebsnetz der Tabakverschleißer und der Lottokollektanten ein. Diese zählten im Margareten des Jahres 1932 etwa gemeinsam nicht weniger als 94 unterschiedliche Standorte um die Bevölkerung des 5. Wiener Gemeindebezirkes zu versorgen.
Die Geschichte des österreichischen Tabakmonopols und des Glücksspielmonopols hat eine lange Tradition. Nach dem 1. Weltkrieg wurden die Einzelhandelskonzession vor allem an Kriegsbeschädigte und Kriegerwitwen vergeben, um diese ökonomisch zu versorgen.
Tabak und Lotto mit langer Tradition in Österreich
Im Jahre 1784 erfolgte die Gründung des Tabakmonopols durch Kaiser Josef II. als Vollmonopol(Anbau, Gewinnung, Bearbeitung, Herstellung und Handel dem Staat vorbehalten). Die "Tabakregie" war Teil der Hoheitsverwaltung. Bald waren Kriegsopfer und schuldlos verarmte Beamte und deren Angehörige bei der Vergabe von Tabakverkaufsbewilligungen bevorzugt. Es war der Beginn der Verknüpfung von Tabakvertrieb und Sozialem Gedanken.Im Jahre 1835 wurde in der Zoll- und Staats-Monopol-Ordnung neben dem Salz- und Salpetermonopol auch das Tabakmonopol geregelt. Aufbauend auf den Grundlagen aus dem Jahre 1784 wurde dieses Vollmonopol nunmehr auf eine neue gesetzliche Grundlage gestellt. Im Jahre 1911 erfolgte eine zusammenfassende Verordnung über Besetzung, Neuerrichtung und Auflassung von Tabakverschleißgeschäften. Diese Verordnung war mit Anpassungen an die jeweilige Staatsform Grundlage des Tabakvollmonopols bis in die 30iger Jahre und darüber hinaus.
Zahlenlotto noch älter
Das Zahlenlotto 1-90 wurde als Glücksspiel bereits im Jahre 1752 unter Maria Theresia eingeführt. Damit ist es das älteste konzessionierte Glücksspiel in Österreich. Ziehungen werden wöchentlich am Dienstag, Donnerstag und Samstag durchgeführt. Beim Zahlenlotto kann zwischen einer und fünf Zahlen ausgewählt werden, wodurch unterschiedliche Spielarten und somit auch unterschiedliche Gewinnhöhen erzielt werden. Wenn man die richtigen Zahlen errät, so gewinnt man eine fixe Summe; unabhängig von anderen Spielteilnehmern.
Trafiken in Margareten 1932
Insgesamt gab es im Jahre 1932 im 5. Wiener Gemeindebezirk- Margareten neunundachtzig Trafiken und einen Tabakhauptverlag. Der Tabakhauptverlag hatte 1932 seinen Sitz in der Siebenbrunnengasse 32(Richard Hartmann). Diese neunundachtzig Trafiken waren über den gesamten Bezirk verteilt. So befanden sich Trafikstandorte am Hundsturm 10; in der oberen Amtshausgasse; in der Anzengrubergasse 28; in der Arbeitergasse 8, 31 und 52; in der Bräuhausgasse 47; in der Castelligasse 22; in der Diehlgasse 48; in der Embelgasse 41 und 53; in der Fendigasse 28; in der Franzensgasse 11; in der Grüngasse 21; in der Hamburgerstraße 18; in der Hauslabgasse 14; in der Högelmüllergasse 2b; in der Johannagasse 20; in der Kettenbrückengasse 10, 21 und Stadtbahnhaltestelle; in der Kohlgasse 43; in der Kriehubergasse 27; in der Leutgebgasse 10; am Margaretengürtel 11,12, 76-80, 98, 100-110, 134 und Station Margaretengürtel; am Margaretenplatz 1 und 4; in der Margaretenstraße 56, 61, 90, 106, 140 und 158; am Matzleinsdofer Frachtenbahnhof und Matzleinsdorfer Platz 1; am Mittersteig 1 und 23; in der Kleinen Neugasse 21; in der Nikolsdorfergasse 14; in der Pilgramgasse 10, 24 und Stadtbahnstation Pilgrambrücke; Rampersdorfergasse 21, 40 und 51; Rechte Wienzeile 79; Reinprechtsdorfergasse 8, 13, 43, 44 und 66; Schlossgasse 7; Schönbrunnerstrasse 20, 38, 43, 48, 68, 75, 99, 100, 124 und 149; Siebenbrunnenfeldgasse 8-10; Siebenbrunnengasse 5a, 41, 62 und 72; Spengergasse 14 und 42; Stolberggasse 20; Wehrgasse 28; Wiedner Hauptstrasse 81, 100, 113, 146 und 152; Wimmergasse 7 und 19; Zentagasse 4 und 35 sowie Ziegelofengasse 9 und 31.
Lottokollekturen in Margareten 1932
Insgesamt gab es im Jahr 1932 im 5. Wiener Gemeindebezirk- Margareten fünf selbständige Lottokollekturen. Diese wurden ausnahmslos durch weibliche Kollektanten betrieben. Die Lottokollekturen in Margareten hatten ihren Standort in der Wiedner Hauptstrasse 111(Pauline Chmelarik), der Reinprechtsdorferstrasse 64(Rosa Dupac) der Mittersteig 28(Marie Löbel), der Margaretenstrasse 84(Serafine Müller) und der Schönbrunnerstrasse 77(Henriette Roschanek).
Autor: Dr. Fritz Simhandl, Autor Fleedstreet