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Die Schweiz - Zu perfekt zum Leben

Autor: ArneFrentzel | Erstellt am: 18.06.2009 | Gelesen: 925
Kategorie: Politik - Gesellschaft & Soziales | Bewertung: rateArateArateArateBrateB
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(Online-Artikel.de) - Die Schweiz - Ein glückliches Land bewohnt von Unglücklichen

Geld ist wichtig und doch nicht alles
Geld ist wichtig und doch nicht alles
Sie haben alles, Geld, Auskommen und Zeit. Doch eines scheint vielen zu fehlen: Glück. Unter den über 65-Jährigen in der Schweiz ist die Suizidrate so hoch wie in keinem anderen Industrieland der Welt.

Nach einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit den Daten aus dem Jahr 2005 erstellten Statistik geht hervor, dass die Schweiz bei den Suizidenfällen, prozentual auf die Gesamtbevölkerung gerechnet, weltweit den siebten Platz einnimmt. So starben z.B. 2006 durch Suizid 1308 Schweizer, dreimal mehr als im gleichen Zeitraum der Straßenverkehr an Opfern zu beklagen hatte.

Dabei fällt besonders der hohe Anteil der "Lebensmüden" unter der alten Bevölkerung auf. Während die Quote der Suizidfälle der bis 24-Jährigen bei unter 10 Opfern auf 100.000 Menschen liegt, steigt sie bei den über 65-Jährigen im Schnitt auf über 35. Paradox ist, das eine Studie der Worldwide independent network of market research zu dem Ergebnis kommt, dass die Schweizer zu den optimistischsten Ländern der Welt zählt, nur übertroffen von Brasilien, China, Indien und den Niederlanden. Auch wenn man nicht weiß, welche Kriterien dieser Studie zu Grunde liegen, so scheint das Schweizer Paradies zwei Gesichter zu haben: ein glückliches Land bewohnt von Unglücklichen.

Nach Ansicht von Pietro Martinelli, dem Präsident der Tessiner Vereinigung für den "Dritten Lebensabschnitt", existiert unter der älteren Bevölkerung der Schweiz eine diffuse Angst, die nicht im Zusammenhang steht mit der ökonomischen Situation. Das Alter kann ein Drama werden für den, der darauf nicht vorbereitet ist, so sagt er weiter.

Vor allem immaterielle Belange werden nach Beendigung des Berufslebens eine gewichtige Größe. Die Fähigkeit sich zu vergnügen, Zeit mit sich selbst verbringen zu können, aber auch Konflikte mit sich selbst oder anderen lösen, als auch Verbindungen zu anderen Menschen aufbauen zu können, werden bedeutungsvoll. Hat man all diese Fähigkeiten über Jahrzehnte verkümmern lassen, kann es im Alter zu einer existentiell bedrohenden inneren Leere kommen. Der Sinn des Lebens geht verloren. Man fühlt sich überflüssig. Manchmal hilft es schon, sein eigenes Dasein neu zu definieren. Das fängt damit an, dass man zuerst akzeptiert, nicht mehr jung zu sein. Man wird schnell feststellen, dass einem jetzt ganz andere Wege und Möglichkeiten offenstehen, zu denen man vorher nie wirklich Zeit gehabt hatte. 70 zu sein bedeutet nicht passiv sein zu müssen, weder auf der körperlichen, noch auf der geistigen Ebene.

Unzählige Vereinigungen bieten Wandertouren, Kultur- oder Abenteuerreisen speziell für Menschen über 60 an. Der Markt ist groß. Manchmal bedeutet auch schon die Beschäftigung mit einem imaginären nächsten Ziel eine Herauslösung aus der inneren Isolierung. Wer es nicht alleine schafft, der kann sich auch einer Selbsthilfegruppe anschließen, wo man unter Gleichgesinnten Trost und Rat erfährt. Der aktive Mensch ist davon jedoch kaum betroffen. Er zelebriert und genießt die Zeit. Er reist, erfreut sich auch an der Zeit, die er alleine mit sich sein kann, um vielleicht ein interessantes Buch zu lesen oder eben mal nichts zu tun.

Ganz anders ist der Erklärungsansatz des Soziologieprofessors Sandro Cattacini. Er behauptet, dass zu viele Regeln das Leben langweilig machen. Demnach ist die Schweiz ein überreguliertes Land, das die Motivation hemmt in sich selbst zu investieren. Oder anders ausgedrückt: Die Schweiz, zu perfekt zum Leben.

Arne Frentzel
www.arnefrentzel.de.tl
 
 
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