Zu Beginn des Republikanischen Österreichs wurde mit der Landtagswahl 1919 die Grundlage für das Politische System Niederösterreichs geschaffen. Mit der Wahl vom 4.Mai 1919 begründeten sich die drei Politischen Lager, d.h. das Sozialdemokratische, das Christlich-Soziale und das Großdeutsche Lager in diesem Land erstmals nach Ende der Monarchie aus, und zeigte in den Grundlagen auch klare Fragmentierungen dahingehend, dass sich eine entsprechende politische Geographie im Sinne einer differenzierten Verteilung der politischen Lager in Niederösterreich ausbreitete.
Grundlagen des Politischen Systems Niederösterreich
Die politischen Grundlagen für das Politische System Niederösterreichs bildeten die Landtagswahlen 1919 im Land Niederösterreich vom 4. Mai 1919, wo ua. die Hauptstadt Wien noch ein integrierter Teil des Landes Niederösterreich war. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) mit 46,7% ging damals als Sieger hervor. Dazu kamen die „Partei der sozialdemokratischen und demokratischen Tschechoslowaken" mit 4,6% und 3 Mandate, sodass das linke Lager mehr als 50% und 65 Mandate innehatte. Die Christlich Soziale Partei(CSP) erzielte 36,8% und 47 Mandate, die Großdeutschen Parteien des national-liberalen 3.Lagers rund 9 % und 8 Mandate. Damit wurde die Grundlage für das niederösterreichische Parteiensystem geschaffen, das im Wesentlichen auch noch am Anfang des 21.Jahrhundertes die politische Landschaft sowohl des Landes Niederösterreich, als auch der Bundeshauptstadt Wien bestimmt. Resultat dieses Wahlergebnisses war, die Bildung einer Großen Koalition zwischen Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) und Christlich-Sozialer Partei(CSP) unter dem Sozialdemokraten Albert Sever mit insgesamt 11 Mitgliedern, die sich auf die SDAP und CSP im Verhältnis 6 Sozialdemokraten zu 5 Christlich-Sozialen zusammensetzen.
Niederösterreichische Wahlkreiseinteilung in vier Landesteilen
Die Niederösterreichische Wahlkreiseinteilung ausserhalb Wiens teilte sich in vier Landesteile auf: Viertel ober dem Manhartsberg, Viertel unter dem Manhartsberg, Viertel ober dem Wienerwald und Viertel unter dem Wienerwald. Dabei entfielen von den abgegeben Stimmen 26% auf das Viertel ober dem Wienerwald, 36% auf das Viertel unter dem Wienerwald, 17 % auf das Viertel ober dem Manhartsberg und 21% auf das Viertel unter dem Wienerwald.
Viertel ober dem Manhartsberg
Das Waldviertel ist der nordwestliche Teil des Landes Niederösterreich. Im Süden wurde das Waldviertel von der Donau, im Südwesten von Oberösterreich, im Nordwesten und Norden von der Tschechei und im Osten vom Manhartsberg begrenzt. Dieser Geländeformation verdankte es auch den Namen Viertel ober dem Manhartsberg. Im Viertel ober dem Manhartsberg verteilten sich die Stimmverhältnisse auf die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) mit 22,3%, die Christlich-Soziale Partei(CSP) mit 49,4% und die Großdeutsche Volkspartei(GDVP) mit 28,3%.
Viertel unter dem Manhartsberg
Das Weinviertel, auch Viertel unter dem Manhartsberg genannt, lag im Nordosten des Landes Niederösterreich. Der Name wird seit Beginn des 20. Jahrhunderts verwendet. Das Weinviertel war in Österreichs größtes Weinbaugebiet und verdankt ebenfalls der Geländeformation Manhartsberg ihren Namen. Im Viertel unter dem Manhartsberg verteilten sich die Stimmverhältnisse auf die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) mit 23,2%, die Christlich-Soziale Partei(CSP) mit 62,8% und die Großdeutsche Volkspartei(GDVP) mit 14,0%.
Viertel ober dem Wienerwald
Das Mostviertel ist das südwestliche der vier Viertel Niederösterreichs. Es wurde im Norden von der Donau begrenzt, im Süden und Westen von der Landesgrenze zum Land Steiermark und zum Land Oberösterreich. Im Osten bildet der Wienerwald als Geländeformation die natürliche Grenze, daher auch der zweite Name Viertel ober dem Wienerwald. Im Viertel ober dem Wienerwald verteilten sich die Stimmverhältnisse auf die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) mit 32,8%, die Christlich-Soziale Partei(CSP) mit 56,5 % und die Großdeutsche Volkspartei(GDVP) mit 10,7 %.
Viertel unter dem Wienerwald
Das Industrieviertel auch Viertel unter dem Wienerwald; war der südöstliche Teil Niederösterreichs. Die Nordgrenze zum Viertel unter dem Manhartsberg reicht vone der Landesgrenze bei Hainburg an der Donau bis nach Wien, von wo die Westgrenze zum Mostviertel entlang der sogenannten Thermenlinie und den Ausläufen der Gebietsformation Wienerwaldes Richtung Süden läuft. Die südliche Grenze verlief entlang des Gebirgskammes zum Land Steiermark, bis sie auf das Rosaliengebirge stieß, diesem entlang wieder Richtung Norden folgte und mit der Leitha und der Gebietsformation Leithagebirge die Ostgrenze zum neu entstehenden Land Burgenland bildete. Im Viertel unter dem Wienerwald verteilten sich die Stimmverhältnisse auf die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) mit 59,0%, die Christlich-Soziale Partei(CSP) mit 31,4% und die Großdeutsche Volkspartei(GDVP) mit 9,5%.
Autor: Dr. Fritz Simhandl, Autor Fleedstreet