Es gab zwischen 1919 und 1933 insgesamt sieben Landesregierungen im Land Niederösterreich. Neben der sozialdemokratisch geführten
Landesregierung Sever gab es zwei Landesregierungen Mayer, drei Landesregierungen Buresch und eine Landesregierung Reither, wobei es sich hier ausschließlich um christlich-sozial dominierte Landesregierungen handelte.
Das Landtagswahlergebnis im Land Niederösterreich
Die politischen Grundlagen für die Landesregierung Sever bildeten die Landtagswahlen 1919 im Land Niederösterreich vom 4. Mai 1919, wo ua. die Hauptstadt Wien noch ein integrierter Teil des Landes Niederösterreich war. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) mit 46,7% ging damals als Sieger hervor. Dazu kamen die „Partei der sozialdemokratischen und demokratischen Tschechoslowaken" mit 4,6% und 3 Mandate, sodass das linke Lager mehr als 50% und 65 Mandate innehatte. Die Christlich Soziale Partei(CSP) erzielte 36,8% und 47 Mandate, die Großdeutschen Parteien des national-liberalen 3.Lagers rund 9 % und 8 Mandate. Damit wurde die Grundlage für das niederösterreichische Parteiensystem geschaffen, das im Wesentlichen auch noch am Anfang des 21.Jahrhundertes die politische Landschaft sowohl des Landes Niederösterreich, als auch der Bundeshauptstadt Wien bestimmt. Resultat dieses Wahlergebnisses war, die Bildung einer Großen Koalition zwischen Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) und Christlich-Sozialer Partei(CSP) unter dem Sozialdemokraten Albert Sever mit insgesamt 11 Mitgliedern, die sich auf die SDAP und CSP im Verhältnis 6 Sozialdemokraten zu 5 Christlich-Sozialen zusammensetzen.
Die sozialdemokratischen Landesregierungsmitglieder der Regierung Sever
Der Landeshauptmann Albert Sever (1876-1942) war sozialdemokratischer Politiker in Wien und erster demokratisch gewählter Landeshauptmann von Niederösterreich. Albert Severs ursprünglicher Beruf war der eines Fleischhauergehilfen, dann arbeitete er in einer Papierfabrik und schlussendlich als Krankenkassenangestellter. 1908 wurde Sever zum Abgeordneten im niederösterreichischen Landtag gewählt, am 3. Oktober 1911 zum Reichstagsabgeordneten und das bis zum 12. November 1918. vom 21. Oktober 1918 bis zum 16. Februar 1919 gleichzeitig Mitglied der Provisorischen Nationalversammlung des neuen Staates Deutschösterreich, vom 4. März 1919 bis zum 31. Mai 1919 Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung und in der Folge von 10. November 1920 bis zum Februar 1934 Abgeordneter zum Nationalrat.
Der Landeshauptmannstellvertreter Laurenz Widholz(1861-1926) war Abgeordneter zum Reichsrat, Nationalrat und Landtag von Niederösterreich. Er besuchte nach der Volksschule eine Fortbildungsschule und erlernte den Beruf des Tischlers. Wildholz engagierte sich in der Sozialversicherung und wurde zum Obmann der Gebietskrankenkasse der Tischler und des Verbandes der Krankenkassen Wiens und Niederösterreichs auf. Später wurde er Vorsitzenden der Reichskommission der Krankenkassen Österreichs. Widholz gehörte dem Reichsrat zwischen 1907 und 1914 und von 1917 bis zum November 1918 an. Er war dann vom Oktober 1918 bis zum Februar 1919 Mitglied der Provisorischen Nationalversammlung und gehörte vom März 1919 bis zum Mai 1919 der Konstituierenden Nationalversammlung an. Parallel war er vom 5. November 1918 bis zum 4. Mai 1919 Abgeordneter zum Provisorischen Landtag von Niederösterreich und gehörte dem Landtag vom 20. Mai 1919 bis zum 11. Mai 1921 auch während der Trennungsphase Wiens von Niederösterreich an. Widholz war dabei zunächst ab dem 10. November 1920 der Kurie Wien an und war ab dem 30. Dezember 1920 Wiener Delegierter. Zudem hatte Widholz zwischen dem 20. Mai 1919 und dem 10. November 1920 das Amt des Landeshauptmannstellvertreters von Niederösterreich inne. Am 10. November 1920 wurde Widholz als Abgeordneter zum Nationalrat angelobt, dem er bis zu seinem Tod angehörte.
Der Landesrat Rudolf Müller (1864-1955) war Abgeordneter im Reichsrat, Mitglied der Provisorischen sowie Konstituierenden Nationalversammlung und Mitglied des Bundesrates. Müller war Bäcker. und danach Bediensteter der Staatseisenbahngesellschaft und der Aspangbahn. Danach arbeite Müller als Verwalter in der deutsch-österreichischen Eisenbahnorganisation und war Direktor des Eisenbahnerheims in Wien. Er war Mitglied des Arbeitsbeirates beim Handelsministerium und Vorstand der Gewerkschaftskommission. Müller wurde 1908 in das Abgeordnetenhaus des Reichsrats gewählt, dem er bis zum 1911 fast durchgehend angehörte. Er war vom Mai 1917 bis zum November 1918 erneut Mitglied des Abgeordnetenhauses. Nach dem Ersten Weltkrieg war er zunächst vom Oktober 1918 bis zum Februar 1919 in der Provisorischen Nationalversammlung und vom März 1919 bis zum Mai 1919 Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung. Müller wurde am 1. Dezember 1920 als Bundesrat angelobt, dem er bis zum 24. Mai 1931 angehörte.Auf Landesebene engagierte sich Müller nach dem ersten Weltkrieg im Niederösterreichischen Landtag. Er gehörte zunächst vom 5. November 1918 bis zum 4. Mai 1919 dem Provisorischen Landtag an und war vom 20. Mai 1919 bis zum 11. Mai 1921 während der Trennungsphase Wiens von Niederösterreich Mitglied des Landtags. Dabei gehörte er ab dem 10. November 1920 der Wiener Kurie an und war ab dem 30. Dezember 1920 Wiener Delegierter. Zudem war Müller vom 5. November 1918 bis zum 20. Mai 1919 Mitglied des Landesausschusses (Landesrat) gewesen und hatte zwischen dem 20. Mai 1919 und dem 10. November 1920 das Amt eines Landesrates inne. Zudem war Müller von 1918 bis 1923 Gemeinderat in Wien.
Der Landesrat Johann Pölzer (1872-1934) war Sohn eines Kleinbauern und erlernte den Beruf eines Schneiders.Von 1908 bis 1919 war er Mitglied des Landtages als Vertreter des Wahlkreises Favoriten, da Wien zu diesem Zeitpunkt noch Teil von Niederösterreich war. Von 1920 bis 1934 war er Abgeordneter zum Nationalrat.
Der Landesrat Karl Volkert(1868-1929) war Abgeordneter zum Nationalrat, Abgeordneter zum Reichsrat und Landesrat in der Niederösterreichischen Landesregierung. Er erlernte den Beruf des Goldarbeitergehilfen, dann war er Privatbeamter. Volkert vertrat die Sozialdemokratische Partei von 1909 bis 1915 als Abgeordneter der Allgemeinen Wählerklasse des Bezirks Ottakrings im Niederösterreichischen Landtag und war von1911 bis Juli 1914 sowie vom Mai 1917 bis zum November 1918 Mitglied des Abgeordnetenhauses des Reichsrates im Klub der deutschen Sozialdemokraten. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Volkert vom 21. Oktober 1918 bis zum 16. Februar 1919 der Provisorischen Nationalversammlung an und war danach zwischen dem 4. März 1919 und dem 31. Mai 1919 Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung. Zwischen dem 10. November 1920 und dem 24. Februar 1929 vertrat er die Sozialdemokratische Arbeiterpartei im Nationalrat. eben seiner bundespolitischen Tätigkeit engagierte sich Volkert nach dem Ersten Weltkrieg zudem erneut in der Landespolitik. Er gehörte vom 5. November 1918 bis zum 4. Mai 1919 dem Provisorischen Landtag an und war danach vom 20. Mai 1919 bis zum 11. Mai 1921 Abgeordneter zum Niederösterreichischen Landtag während der Trennungsperiode Wiens von Niederösterreich. Er gehörte zwischen dem 10. Jänner 1920 und dem 30. Dezember 1920 der Wiener Kurie an und war ab dem 30. Dezember 1920 Wiener Delegierter. Zuvor hatte er vom 20. Mai 1919 bis zum 10. November 1920 das Amt eines Landesrats der Niederösterreichischen Landesregierung inne.
Ein weiterer sozialdemokratischer Landesrat war Karl Heinrich Müller.
Autor: Dr. Fritz Simhandl, Autor Fleedstreet