In diesen volatilen, jedoch aufregenden Zeiten gibt es am Kapitalmarkt Anlass zu Optimismus. Laut
Dirk Notheis, Deutschland-/Österreich-Chef und Vorstandsvorsitzender der Morgan Stanley Bank AG, „wird die Bedeutung der Kapitalmärkte deutlich zunehmen. Die Finanzkrise hat diesen Trend verstärkt. Die Rolle der Investmentbanken besteht darin, Finanzunternehmer in einer neuen Welt vorzustellen, in der sowohl neue Finanzierungsinstrumente, als auch neue Investorengruppen ihren Platz haben."
Von größter Bedeutung ist dabei die heutige Vielfalt des Anlegerkreises. Investoren haben keine andere Möglichkeit, als traditionellen Rating-Instrumenten den Rücken zu kehren und sich Unternehmen mit gewissen Risikofaktoren anzunehmen. Letzten Endes handelt es sich bei diesen Unternehmen um keine schlechte Wahl, von denen Profitabilität erwartet werden kann.
Ausgabepolitik der VolkswirtschaftenNach dem Platzen der spekulativen Seifenblase, die die Welt erfahren hat, könnte eine „nationale" Blase die nächsten finanziellen Risiken bergen.
DirkNotheis erklärt, „Weltweit haben viele Länder über ihren finanziellen Verhältnissen gewirtschaftet. Die Griechenland-Krise, die wir derzeit erfahren, ist ein Phänomen, das weit über den Mittelmeerraum hinausreicht."
Als CEO der Morgan Stanley AG ist DirkNotheis besorgt um den zunehmenden globalen Trend von neuverschuldeten Nationen. Defizit und Verschuldung sind in den vergangenen Jahren in vielen europäischen Ländern kontinuierlich gestiegen, insbesondere in Griechenland. Für die Griechen ist es wichtig, den Staatshaushalt zu sanieren, so wie es andere schuldengeplagte Nationen wie Portugal, Spanien und Italien getan haben.
Die Haushaltssituation in Japan, Großbritannien und in den USA ist ebenfalls angeschlagen. Wichtiger denn je ist es jetzt, die Ausgaben zu senken und die nationalen Haushalte in den Griff zu bekommen.
Investoren werden so schnell nicht vortreten und für daniederliegende Volkswirtschaften einspringen, wie jüngst am Beispiel Portugal zu beobachten war. Es ist für einen Staat einfach zu kostspielig, sich Geld mit hohen Kapitalkosten zu leihen. Die geschaffene Staatsanleihe wurde auf ein geringeres Volumen von 300 Millionen Euro zurückgeführt, anstelle der zunächst angestrebten 500 Millionen Euro. Man könnte sogar sagen, dass internationale Szenarien fehlschlagender Wirtschaftssysteme zu erwarten sind, bei denen die betroffenen Nationen keine Mittel von den gegenwärtigen Märkten erhalten werden. Selbst wenn diese Länder Gelder empfangen, stellt dies eine teure Lösung dar, die häufig das Problem verschärft.
DirkNotheis warnt, „Viele bewegen sich bereits auf sehr dünnem Eis und der Spielraum für eine aktive Politikgestaltung nimmt infolge der bisherigen Ausgabenstruktur ab." Eine Konsolidierung der nationalen Haushalte kann der Weltwirtschaft freilich Leben einhauchen.
Rückkehrendes Vertrauen in die globalen FinanzmärkteDie Weltwirtschaft wird durch die Haushaltskonsolidierungen neu aufleben. Um einer massiven Vertrauenskrise vorzubeugen, die völlig unvorhersehbare Konsequenzen nach sich zieht, ist es unsere Pflicht, unsere Haushalte rechtzeitig unter Kontrolle zu bringen. Dabei wäre es beispielsweise ratsam, sich beim nächsten G20-Gipfeltreffen auf das entscheidende Thema einer fiskalischen Konsolidierung zu konzentrieren. Was den Euro anbelangt, ist dieser stark genug, die gegenwärtige Krise zu überstehen.
Offene MärkteDer deutsche Markt ist heute offen, insbesondere für die große Anzahl an Familienunternehmen und Investoren, sowohl lokal als auch global, die optimale Erträge anstreben. Das ist eine willkommene Abwechslung. Gleichzeitig scheint der Markt einen psychologischen Wendepunkt erreicht zu haben, an dem sich eine neue, erfrischende Bereitschaft ergibt, sich den Kapitalmärkten auf externe und transparente Weise zu öffnen.
Die Morgan Stanley AG trägt den Anforderungen der vielen mittelständischen Betrieben in Deutschland Rechnung, indem sie ein spezielles Expertenteam aufgestellt hat, das direkt auf die Bedürfnisse des vorgenannten Kundenkreises eingeht. Obwohl es nur ein kleiner Schritt zur Unterstützung des Sektors darstellt, bleiben wir für Investoren und Unternehmen am Ball.
Die Rolle der RegionalbankenUm einen kontinuierlichen Einnahmefluss zu generieren und ein ertragreicheres Arbeitsumfeld anzubieten, das zu verbesserten und größeren Geschäftsmöglichkeiten führt, ist es erforderlich, dass Unternehmen cash-positiv bleiben.
Über 20 % der Darlehen werden von Regionalbanken gestellt, die eine äußerst schwierige Phase hinter sich haben. Während diese sich primär um sich selbst sorgen, verringert sich ihr Marktanteil. Kurzum, jede Bank muss ihren eigenen Weg gehen. Naturgemäß verringert dies die Kreditversorgung insgesamt und zwingt Unternehmen Finanzierungsalternativen anzustreben. Hier kommen die Kapitalmärkte zum Tragen.
Der im Januar auslaufende Finanzmarktstabilisierungsfonds ist nun wichtiger denn je und dessen Laufzeit sollte angepasst und verlängert werden. Die Möglichkeit zum organisierten und systematischen Abbau von Wertpapieren wird als schädlich erachtet und Unternehmen, die unter die nicht-strategische Geschäftskategorie fallen, sollten sich nicht nur an Landes- und Privatbanken orientieren.
Neue AnlagemöglichkeitenDeutschland war im vergangenen Jahr sowohl im Bereich der Fusionen und Übernahmen, als auch bei Equity-Transaktionen äußerst aktiv. Dadurch sind wir in der Lage den Veränderungen am Markt standzuhalten und uns den wechselnden Gegebenheiten anpassen. Offenbar kann Deutschland im kommenden Jahr zwölf Börsengänge entgegenblicken und ein Volumen im 200-Millionen-Euro-Bereich des höchsten Qualitätssegments (Prime Standard) sichern.
Privaten Equity Firmen und Strategen bieten sich dabei gute Gelegenheiten, sobald Holdinggesellschaften Anteile ihrer Portfolio-Unternehmen abstoßen. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die sich in der Blütezeit zwischen 2005 und 2007 gut geschlagen haben, jedoch ihr Kapital nun wieder reinholen müssen.
RohstoffmarktIn China besteht nach wie vor eine starke Nachfrage nach Rohstoffen, was sich im Trend der bisherigen Preisentwicklung am Rohstoffmarkt fortsetzt. Die Tatsache, dass Rohstoffe weiterhin begehrt sind, bedeutet keine finanzielle Rohstoffkrise.
FinanzmarktblaseKurz gesagt, es existieren viele Länder, die am Rande eines finanziellen Zusammenbruchs stehen. In einer Situation, in der Kapital und Zins überragende Ausmaße angenommen haben, ist es wichtiger denn je, die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben. Dies gilt für jede Wirtschaftsnation weltweit, einschließlich Deutschland. Um einer gesunden Weltwirtschaft willen, sollte es für jedermann von entscheidendem Interesse sein, sich jetzt auf den Weg zu einem höheren Maß an Finanzdisziplin zu begeben.
Über Andreas Buhr
Andreas Buhr ist eine Finanz-Berater lebt derzeit in Berlin, er erhielt seinen BA Degree in Economics. Andreas ist seit jeher in finanziellen Zahlen interessiert und dem Kapitalmarkt. Darüber hinaus hat er schriftlich Biografien von Persönlichkeiten aus der Finanzwelt spezialisiert. Eines von vielen Beispielen von Biographien Andreas geschrieben hat, können eingesehen werden: DirkNotheis - Lebenslauf