Templermeister, pixelio.de
Nach 2008 und 2009 veranstaltete der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Philosoph Dr. Johannes Berchtold und
Geschlechterforscher auch heuer, am 8. Oktober 2010 zum dritten Mal die Nacht der Mystik im
heiligen Stephansdom zu Wien. Damit erlebte dieser besondere Ort, mitten im 1. Bezirk in Wien wiederum ein besonderes Mysterienspiel im Spannungsverhältnis zwischen Mystik und Religion. Wiederum wurde der gesamte Stephansdom mit seinen architektonischen Tiefen und Höhen in das Mysterienspiel eingebunden. Gelesen wurden Texte der bekannten Dichterin Christine Lavant, musikalisch wurde die Veranstaltung durch Werke von Bach, Beethoven, Brahms und Bartok unterstützt.
Der Dialog zwischen Mystik, Religion und Gesellschaft
In den letzten Jahren und Jahrzehnten haben gerade auch die christlichen Religionsgemeinschaften die Mystik vernachlässigt. Durch dieses Mysterienspiel, das alle Jahre wieder im heiligen Dom zu St. Stephan durchgeführt wird, versucht man wiederum einen Dialog zwischen der christlichen Religion und der Mystik herzustellen. Mystik wird hier als die Erfassung des Übersinnlichen, Göttlichen, Transzendente durch innere Erfahrung, unmittelbare Intuition, Contemplation, gefühlsmäßiges Erleben und liebendes Erfassen im Zustande der Ekstase verstanden. Das Streben nach einer Versenkung in die Tiefen des eigenen Gemüts, um so der Vereinigung mit dem göttlichen Sein auf unbegreifliche, geheimnisvolle Weise teilhaftig zu werden; die mystische Lehre meint hier das mystische Verhalten.
Die Nacht als Hülle für das Unfassbare
Um dieses mystische Erleben zu gewinnen, bedarf es der Nacht als Hülle. Diese Nacht schließt das Mysterienspiel ab, lässt von draußen nichts an die sich der Mystik hingebenden Personen herankommen. Gemeinsam hüllen Dom zu St. Stephan und Nacht die Gläubigen ein, schützen sie vor dem anderen, dem lauten, dem da draußen. Nur durch dieses Abschotten von der alltäglichen Welt kann die Einkehr, die Verbindung mit dem Göttlichen passieren.Als Nacht bezeichnet man allgemein den Teil eines Tages zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang, also die Zeit, in der die Sonne von einem bestimmten Standort auf der Erde aus betrachtet, nicht zu sehen ist. In strikten astronomischen Sinne ist die Nacht die Zeit zwischen Ende der astronomischen Dämmerung am Abend und deren Beginn am Morgen (siehe auch Tag-Nacht-Grenze). Am Nachthimmel zeigen sich die Sterne (zumindest in klaren Nächten), die tagsüber von der Sonne überstrahlt werden.
Der besondere Ort Stephansdom zu Wien
Nicht zufällig gibt der heilige Stephansdom als besonderer Ort dem Mysterienspiel Herberge. Begründet wurde diese mächtigste Kirche der Alpenrepublik im Jahr 1137 im Zusammenwirken zwischen dem Markgrafen und Babenberger Leopold IV. und dem Passauer Bischof Reginmar durch den Vertrag von Mautern. Geweiht wurde die erste romanische Kirche an diesem Ort im Jahr 1147. Von Grund auf umgestaltet in der Mitte des 13.Jahrhunderts, wurde dieser zweite, spätromanische Bau von St. Stephan im Jahr 1263 wiederum feierlich geweiht. Und im Jahre 1267, gründete der damalige Pfarrer zu St. Stephan, ein gewisser Herr Magister Gerhard, die bis auf den heutigen Tag bestehende Priestergemeinschaft der Cur. Am Beginn des 14. Jahrhunderts wurde der gotische Neubau von St. Stephan mit der Errichtung einer Chorhalle mit drei Kirchenschiffen begonnen. Das traditionsbewusste Wiener Bürgertum war an der Spitze der Neugestaltung, und unterstützte den Bau mit viel Geld und Sachleistungen. Im April 1340 wurden die fertig gestellten Chorhallen durch den Passauer Bischof Albert feierlich eingeweiht. Jede dieser drei Chorhallen hat ihre eigene Bestimmung, die sich jeweils in den einzelnen Altären und im besonderen Figurenschmuckverdeutlichte: Der Mittelchor wurde dem Hl. Stephanus als Kirchenpatron und allen Heiligen, der Nordchor der Muttergottes und der Südchor den zwölf Aposteln geweiht.
Der Philosoph, Männerforscher und Pfarrgemeinderat Dr. Johannes Berchtold
Der Veranstalter Dr. Johannes Berchtold ist nicht zufällig der Organisator und Schirmherr der Nacht der Mystik. Als promovierter Philosoph kam er in seinen ursprünglichen Forschungen eigentlich von den Lehren Hegels her, dem er zeitlebens verbunden blieb. Durch seinen ursprünglichen Brotberuf als Herausgeber und Lektor einer Reihe herausragender politisch-philosophischer Sammelwerke suchte und fand er Anschluss am Themenkreis Philosophie, Religion und Kunst. In den Folgejahren lernte er die Politik und Verwaltung als praktische Philosophie kennen und hat sich vor allem auch als Männerforscher und zuständiger Abteilungsleiter für die Agenden der Männerpolitik einen ausgezeichneten Namen in der deutschsprachigen Fachwelt gemacht. Das Prinzip von Ordnung, Politik und Recht ist ihm als magisches Dreieck bevorzugter Auftrag.
In der Geschlechterpolitik ein Pionier und Mahner für eine moderne Gesellschaft
Im Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz kümmert er sich um Männerpolitische Grundsatzfragen, die Koordination der Männerpolitik, die männerspezifischen Aspekte der Gleichstellung, die positive Identitätsbildung von Buben und männlichen Jugendlichen, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - aktive Vaterschaft; die Gewaltprävention, die Männerforschung, die Information und Beratung in männerspezifischen Angelegenheiten, die Pflege internationaler Kontakte und Förderung männerpolitischer Projekte.
Autor: Dr. Fritz Simhandl