(Online-Artikel.de) - Janine Jansen in der Berliner Philharmonie
Foto: Felix Broede | Quelle: Spectrum Concerts Berlin
Janine Jansen, »eine der aufregendsten Geigerinnen ihrer Generation« - Der Spiegel. Auf ihrem aktuellem Album „Beethoven & Britten – Violin Concertos" präsentiert sie 2 der schwierigsten Konzerte für einen Solo Violinisten.
„Unspielbar" sagte einst Jascha Heifetz über das Violinkonzert op.15 von Benjamin Britten. Aber Janine Jansen überzeugt vom Gegenteil. Vom 15. bis 17. Oktober 2009 gastierte sie in Berlin. Zusammen mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Daniel Harding präsentiert die »junge Wilde« genau jenes Konzert und begeisterte gestern Abend eine ausverkaufte Philharmonie.
Eingeleitet wurde das Programm von Daniel Harding mit den Streichern der Berliner Philharmoniker mit Béla Bartóks (1881-1945) ‚Divertimento für Streichorchester Sz 113'. ‚Divertimento' stammt aus dem italienischen und bedeutet „Vergnügen". Tatsächlich war es ein Vergnügen, den 3 Sätzen Allegro non troppo, Molto adagio und Allegro assai zu lauschen. Insbesondere den Solopassagen, welche exzellent von den jeweils Ersten je Stimme gespielt wurden.
Nach dieser Einführung wurde das Orchester mit den Bläsern, Pauken und Schlagzeug aufgestockt. Es folgte nun Benjamin Brittens (1913-1976) im Jahre 1939 vollendete Violinkonzert op. 15 mit Janine Jansen als Solistin. Hatte man diese Violinistin noch nicht live erlebt, so konnte man sehr gespannt sein.
Die ersten Noten noch sehr verhalten, legte sie aber wenig später los und ließ ihrem bekannten Temperament freien Lauf. Man konnte förmlich spüren, wie sie in das Stück versank und sich völlig mit ihrer Violine („Barrere" (1727) von Antonio Stradivari) vereinte. Immer wieder wiegte sie sich im Takt und zu den Stimmungen des Violinkonzertes und ließ auch schon bald die ersten (Bogen-) Haare fliegen. Was sie aber nicht davon abhielt, den Blickkontakt mit dem Dirigenten Daniel Harding zu halten, mit welchem sie schon einige Male zusammen arbeitete. Eine gute Harmonie zwischen Solisten und Dirigenten ist bei solchen Konzerten unabkömmlich und war auch hier deutlich spürbar.
Die virtuosen Passagen inkl. kniffliger Flageoletts meisterte sie gekonnt und mit einwandfreier Technik. In den eher ruhigeren Absätzen fuhr sie wieder runter und ließ viel Gefühl mit sehr schönem Vibrato einfließen. In dem Violinen Solopart brillierte sie ganz und gar und überzeugte absolut von ihrem Können. „Die junge Wilde" bewies, dass das Konzert nicht „unspielbar" ist, sondern präsentierte es mit solch einer Violinenkunst, mit einer Leidenschaft, wie man es nur selten zu sehen bekommt. Absolut empfehlenswert!
Das Publikum war schier begeistert und dankte es ihr mit endlosem Applaus, so dass die Violinistin unzählige Male wieder heraus kam und sich bedankte, bevor die Lichter angingen.
Nach der Pause präsentierte Daniel Harding mit den Berliner Philharmonikern ‚Tod und Verklärung' op. 24 von Richard Strauss (1864-1949). Der Symphoniesatz aus 3 Teilen (Largo – Allegro molto agitato – Lento) brachte dem Zuhörer zum Abschluss einen Genuss aus der Spätromantik, welcher sich hervorragend als Abschluss dieses tollen Konzertabends eignete.
Wer Janine Jansen live erleben möchte: Am 03.01.2010 gastiert sie wieder in der Berliner Philharmonie bei „Spectrum Concerts Berlin".