August der Starke verbannte seine in Ungnade gefallene Mätresse, die Gräfin Cosel, 49 Jahre auf die Burg Stolpen, nahe des Elbsandsteingebirges. Um seine drei Kinder sorgte er sich als rührender Vater und verheiratete sie gut. Die jüngste Tochter erlitt ein makaber trauriges Schicksal. Nach schwerer Krankheit wurde sie aus Versehen lebendig begraben.
Als Staatsgefangene des sächsischen Hofes trifft Anna Constantia von Cosel am 24. Dezember 1716 auf der mittelalterlichen Burg Stolpen ein. Fern der Dresdner Residenz nimmt sie unter größter Vorsicht und Geheimhaltung im Turmzimmer Quartier. Zehn Jahre war sie August dem Starken als "Frau zur Linken" treue Gefährtin und kluge Beraterin. Sie gebar ihm zwei Söhne und zwei Töchter. Der ältere Sohn starb 1706 kurz nach der Geburt.
1713 in Ungnade gefallen, hatten sich die Fronten verhärtet. August forderte mit Nachdruck die Rückgabe des schriftlichen Heiratsversprechens, das er ihr einst in größter Liebe schenkte. Anna hatte es in Preußen in Sicherheit gebracht. Nun war sie übereilt dahin gereist, um es zu holen. Am Dresdner Hof legte man ihr die Reise als Flucht aus. Bis heute ist nicht geklärt, ob Anna das brisante Schriftstück nicht wiederfand oder Majestät des Wortbruches bezichtigen und ihn erpessen wollte.
Auf Burg Stolpen wird sie vom ersten Tag an streng bewacht. Kein Mensch soll den Namen der Gefangenen erfahren. In den Folgejahren bittet Anna wiederholt um Freilassung. August bleibt hart. Eine Erklärung für ihre Haft bekommt sie nicht einmal nach seinem Tod. Von ihren Kindern gemieden, von der Welt vergessen, sieht sie - auf eigenen Wunsch ohne christlichen Beistand - ihrer Sterbestunde entgegen. Am 31. März 1765, im Alter von 85 Jahren, haucht sie in körperlich verfallenem, geistig verwirrten Zustand ihren letzten Atem aus.
49 Jahre ihres schicksalhaften Lebens hat sie hinter den Mauern der dunklen, ewig kalten und zugigen Burg Stolpen verbracht. In der Burgkapelle lässt Sohn Friedrich August Graf von Cosel seine Mutter zu ihrer letzten Ruhe betten. Einen Grabstein zu setzen, wird ihm nicht erlaubt.
Noch heute heißt es, in hellen Mondnächten wandle der Geist der Cosel weinend und klagend um die Mauern der mittelalterlichen Burgruine ...
Und was ist aus den Kindern der Gräfin Cosel geworden?
Damit sie August den Starken auf seinen Reisen begleiten und ihm auch dann nahe sein konnte, als um das Jahr 1710 die Cholera in Polen grassierte, gab Anna ihre beiden kleinen Mädchen zu den Großeltern nach Gut Depenau. Sohn Friedrich August ließ sie bei ihrer Flucht nach Preußen in Pillnitz zurück. Er und die Mädchen wurden unter Verwendung des konfiszierten Vermögens der Mutter nach 1721 am Dresdner Hof erzogen. Später erhielten die Kinder sogar ein eigenes Familienwappen. Die Töchter wurden gut verheiratet, wobei der Vater sich das Vergnügen nicht nehmen ließ, ihnen glanzvolle Hochzeitsfeiern auszurichten.Sohn Friedrich August von Cosel, später Vater von vier Kindern, schlug eine militärische Laufbahn ein. Er baute sich in Dresden das nach ihm benannte Coselpalais.
Makaber traurig ist das frühe Ende von Annas jüngster Tochter Friederike. Mit 16 Jahren heiratete sie einen Grafen. Mit knapp 20 Jahren starb sie an den Pocken. Es wird erzählt, nachdem die Trauerfeier vorbei war und der Totengräber an seine Arbeit ging, habe er Kratzgeräusche aus dem Sarg vernommen. Ihn zu öffenen, war ihm verboten; zuvor musste eine offizielle Genehmigung eingeholt werden. Als die schließlich erteilt war und man den Sarg öffnete, lag die junge Frau totenstill darin. Unter dem Sargdeckel jedoch fanden sich deutliche Kratzspuren.
Christine FischerUnter Verwendung meines Büchleins: "Histörchen und andere Wichtigkeiten aus dem Dresdner Altstadtkern". Dem interessierten Besucher Dresdens zur unterhaltsamen Einstimmung und Nachlese. www.dresdner-tourenservice.de