Vater und Tocher. Sie holen die Mutter von der Arbeit ab...
Typische Situation: In Zürich fand kürzlich ein Seminar statt für oberste Führungskräfte und mittleres Kader. Hochkarätige Referenten. Spannendes Thema. Anzahl Teilnehmende: 20. Zusammensetzung der Teilnehmenden: 16 Männer und 4 Frauen. Überrascht? Was ist die Ursache? Haben Frauen weniger Interesse? Wurden zu wenig Frauen von den jeweiligen Unternehmen delegiert? Sind Männer konsequenter auf dem Weg in die oberste Etage? Ein bisschen von allem? Nein! Ein entschiedenes Nein. Sicher ist zunächst einmal nur dies: Im Bewusstsein der Männer scheint es langsam aber sicher anzukommen! Die Veränderung ist spürbar. Den Beweis gab's dann beim Mittagessen des Kaderseminars. Die Frage nach dem «warum» wurde nämlich, erfreulicherweise (!), von einem Mann zur Sprache gebracht. Aber eines nach dem anderen.
Zugegeben, noch nie standen die Türen für Frauen so weit offen, wie heutzutage. Prominente Fürsprecherinnen thematisieren es ganz konkret: Setzt sich das Kader nicht nur aus «dem starken Geschlecht» zusammen, ergeben sich ungeahnte Synergien. Frau
Prof. Dr. Gertrud Höhler bringt es in Ihren Vorträgen auf den Punkt: In die Geschäftsleitung gehören idealerweise zwei Persönlichkeiten, eine Frau und ein Mann. «Er» auf dem Schlachtfeld des Marktes ein erfolgreicher, zielorientierter Krieger, «Sie», der ruhende Pol, ökonomisch geprägt, intuitiv stark, die sozialen Faktoren nicht aus den Augen verlierend.
Und nun marschieren die Frauen los in Richtung Karriere. Doch plötzlich, mitten auf dem eingeschlagenen Weg in die höheren Gefilde der Businesswelt tickt die biologische Uhr. «Sie» steht vor der
«K -Frage», sprich: Die Kind- oder Karriere-Entscheidung.
Mutig entscheidet Sie sich pro Kind bzw. für die Familie. Was sind nun die Konsequenzen? Die Chancen für einen Wiedereinstieg - Betroffene erleben das tagtäglich - sind (noch) denkbar problematisch. «Aber es gibt doch Tagesmütter, Kitas und private Betreuungsstätten» werden Sie jetzt einwenden! Sie haben völlig Recht. Doch diese Institutionen sind - zumindest in der Schweiz - mit einem so hohen finanziellen Aufwand verbunden, dass die beruflichen Einnahmen zu einem erheblichen Teil gleich wieder in die Kassen der Betreuerinnen respektive der Tagesstätten zurückfliessen. Eine bittere Erkenntnis. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Unternehmen, Bewerberinnen mit dem Status «Mutter mit kleinem Kind», beim Wiedereinstieg ins 100%-Geschäft eher skeptisch gegenüber stehen.
Es stellt sich eine weitere Frage: Weshalb funktioniert das ganze Kinderbetreuungssystem beispielsweise in den USA seit Jahren besser und bei uns nicht? Es beginnt doch schon damit, dass in Amerika die Kinder morgens um neun Uhr – wo immer möglich mit Schulbussen - für die Schule abgeholt und dort den ganzen Tag inkl. Verpflegung und Hausaufgaben(!) betreut werden. Selbst in unseren nördlichen Nachbarländern, wie z.B. Deutschland, Norwegen und Schweden scheint dieses System tendentiell besser zu greifen und zeitigt erste Erfolge!
Der Lösungsansatz ist einfach: Männer und Chefs müssen umdenken. Müssen wirklich mehr soziale und gesellschaftspolitische Verantwortung übernehmen. Nicht nur drüber reden.
Der Autor hat sich inzwischen selbst diszipliniert. Seine Stellvertreterin, die auch zugleich Mitglied der Geschäftleitung ist, hat zwei kleine Kinder. Kommt deswegen morgens ca. eine Stunde später, geht früher abends heim (Traumjob...) und muss zwischendurch mal bedingt durch Kinderkrankheiten u.ä. zu hause bleiben. Dort ist sie allerdings mit der Firma verbunden via Laptop, hat Zugriff auf alle Firmendaten, Mails, Terminkalender, usw. - klappt zugegebenermassen wunderbar. Aber vor ein paar Jahren wäre das für den Verfasser dieser Zeilen noch eine Horrorvorstellung gewesen. Nachahmungstäter sind gesucht. Sonst sterben wir aus.
Ansgar Schäfer
SCHAEFER & PARTNER GmbH
Dübendorf / Zürich