Sardar Rajabzade, Polizeioberst führt den Eindringling ab
Die „falsche" Mystik und die Methoden des iranischen GeheimdienstesNeues Kapitel im Buch der Verfolgungen von Sufis im Iran aufgeschlagen
Mehrere Webseiten, die dem iranischen Geheimdienst zugerechnet werden, haben in den letzten Tagen ihre Angriffe gegen Sufis verschärft. Es ist ein Kampf der Weltanschauungen. Die Überzeugungen der Sufi Derwische und ihre Praktiken werden hart angegriffen. Insbesondere der Nematollah Gonabadi Sufi Orden steht unter Druck. Solchen verbalen Attacken folgen oft handfeste Taten.
Der Weblog "Kherghe" (www.kherghe.blogfa.com) verbreitet falsche Gerüchte über den Gesundheitszustand von Dr. Ali Tabandeh, dem Oberhaupt des Gonabadi Ordens, die jedes Mal mit offenen Briefen in Webseiten, die Sufi freundlich sind, entkräftet werden. Der Geheimdienst will die ca. 4 Millionen Derwische im Land verunsichern, denn sie gehören zu den treibenden Kräften im Land, die sich dem von manchen Kommentatoren Coup d'etat genannten Wahlausgang entgegenstellen.
In weiteren Artikeln wirft „Kherghe" dem Gonabadi Orden vor „ sein Schwert gegen das Regime im Iran gezogen zu haben". Der Vertreter des Ordens im Ausland, Dr. Azmayesh, wird beschuldigt ein Agent Frankreichs zu sein. Dr. Azmayesh veröffentlichte die Angriffe des Regimes gegen Sufis in Qom, Isfahan, Boroujerd und anderen Städten und spricht über die Hintergründe der Staatsideologie. Als Islamwissenschaftler konnte er zuletzt hochstehende Ayatollahs im Iran davon überzeugen, dass Steinigungen nicht mit den Lehren des Korans übereinstimmen und nichts mit dem Islam zu tun haben. Somit sind Steinigungen nicht in das gesetzliche Regelwerk aufgenommen worden.
Was" Kherghe" anbelangt, ist es wichtig zu wissen, dass der Weblog unter Aufsicht des „Instituts zur Untersuchung von abweichender Mystik" steht und eng mit dem „Institut zur Führung der Republik", das ein Teil des Geheimdienstes ist, verbunden ist. Hier sitzen die Mahner und Warner, die die Regierung ohne Unterlass daran erinnern „die Mitglieder dieses Ordens ernsthaft und hart anzugehen."
Auf Betreiben dieser Kreise werden die Angriffe gegen die Sufi Derwische in anderen Medien wie den Farsnews, Rajanews, Ikna und Parchame-Iran aufgegriffen und weiterverbreitet.
Kalaschnikow und Handgranaten im Sufi-Zentrum Molawi Straße
Die Folgen dieser Drohungen ließen nicht lange auf sich warten. Rajanews berichtet am 8. Dezember von einem Mann der mit Kalaschnikow und Handgranaten bis an die Zähne bewaffnet in ein Zentrum der Nematollah Derwische im Süden von Teheran (Molawi Straße) eindrang und alles in die Luft jagen wollte. Der Polizei gelang es ihn nach Gesprächen mit ihm festzunehmen und in Gewahrsam zu nehmen.
Jetzt kündigen offizielle Vertreter des Regimes an, der Staat könne den Schutz der Sufi-Zentren nicht gewährleisten. Somit will er verbieten, dass die Derwische diese Zentren besuchen und sich versammeln. Der Betrachter wundert sich etwas über diese Taktik. Nachdem gewaltsames Vorgehen gegen die Sufi-Zentren im Westen Proteste ausgelöst hatte und die Regierung eigentlich lieber im Verborgenen ihre Säuberungen durchgeführt hätte, kommt das letzte Ereignis zu Pass und man kann die Sufis auf „softe" Weise daran hindern sich zu versammeln.
Das in Brüssel, Toronto und Washington Büros unterhaltende „Solidaritäts-Komitee für die Rechte von Sufis und Studenten in Iran" ruft die Regierungen Kanadas, der USA und Europas auf, für die Sicherheit der Derwische, der Versammlungshäuser, der Bibliotheken und ihrer privaten Häuser zu sorgen. Die Drohungen einiger Pasdaran Kommandeure auch gegen Protestierende Exil-Iraner im Ausland vorzugehen, könnten sich als sehr ernst gemeint herausstellen.
Helmut N. Gabel
www.mehriran.de