Die Landtagswahl 1919 war die einzige Landtagswahl vor der Trennung von Wien als Gebietskörperschaft aus dem Land Niederösterreich und Schaffung der eigenständigen Doppelgebietskörperschaft Wien als Stadt und Gemeinde. Die drei traditionellen Lager Christlich-Sozial, Sozialdemokratisch und National-liberal begannen sich nach den Wahlen 1919 und im Zuge der Trennung der beiden Gebietskörperschaften Niederösterreich und Wien zu konstituieren. Ein nicht unerheblicher Teil der gewählten Mandatare stammt aus den Reihen der Kommunalpolitiker der jeweiligen Gruppierungen und Parteien. Nicht wenige waren gleichzeitig Bürgermeister ihrer Heimatgemeinde.
Bei der
Konstituierung des Landes Niederösterreich zu Beginn der 1. Republik spielten die Kommunalpolitiker eine zentrale Rolle in allen drei traditionellen Lagern. Gemeinderäte, Stadträte, Vizebürgermeister und Bürgermeister waren die personalpolitische Basis aus der sich die Landespolitiker rekrutierten und damit dort gleichzeitig auch die Interessen der jeweiligen Kommunen vertraten und repräsentierten. Daneben waren zahlreiche Kommunal- und Landespolitiker auch in den Vertretungen der sich 1920 konstituierenden Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie sowie der sich 1922 konstituierenden
Landeslandwirtschaftskammer tätig. Somit kam es in diesem Bereich zu einer starken Vernetzung im
Wirtschaftlichen Sektor.
Die Gemeinden mit Landespolitikern als Gemeindeoberhaupt
Im Stufenbau des staatlichen Mitbestimmungsprozesses waren die Gemeinden seit 1848 die zentrale Basis für die Sozialisierung einer sich interessenspolitisch und parteipolitisch konstituierenden Elite von Landespolitikern. Auf der Grundlage dieses Sozialisierungsprozesses bildeten sich auch die Vorgängerorganisationen der drei traditionellen Lager Christlich-Sozial, Sozialdemokratisch und National-liberal aus. Deshalb war die Rekrutierung aus den Gemeinderäten, Stadträten und Bürgermeistern für alle drei traditionellen Lager von fundamentaler Bedeutung. In der Periode 1919-1921 des niederösterreichischen Landtages hatten alle drei Lager Kommunalpolitiker in ihren Reihen.
Die Bürgermeister in der Christlich-Sozialen Fraktion
Die Christlich-Soziale Fraktion im niederösterreichischen Landtag hatte in ihren Reihen die Kommunalpolitiker Göstl Matthias: Bürgermeister(1926-1927-Laa an der Thaya), Jedek Karl: Bürgermeister(1888-1891, 1896-1919-Spitz an der Donau), Dangl Johann: Vizebürgermeister und Bürgermeister-1919-1938-Inning), Beirer Rudolf: (1913-1919 Vizebürgermeister und 1919-1927 Gemeinderat-Wiener Neustadt) Heitzinger Johann: (Gemeinderat- St.Pölten),Jax Anton (Gemeinderat-Waidhofen an der Ybbs).
Die Bürgermeister in der Sozialdemokratischen Fraktion
Die Sozialdemokratische Fraktion im niederösterreichischen Landtag hatte in ihren Reihen die Kommunalpolitiker Knottek Wilhelm: Bürgermeister(1919-1922-Klosterneuburg) Bock Marie: Gemeinderat(1913-1932-Wien), Emmerling Georg: Gemeinderat (1912-1934-Wien) und Stadtrat(1918-1934-Wien), Friedjung Josef Karl: Gemeinderat(1922-1934-Wien), Gerdinitsch Ferdinand: Gemeinderat und Stadtrat St.Pölten, Graf Katharina: Gemeinderat(1919-1934-Amstetten)
Lindner Eduard: Gemeinderat (1927-1934-Krems).
Die Bürgermeister in der Großdeutschen Fraktion
Die Großdeutsche Fraktion im niederösterreichischen Landtag hatte in ihren Reihen die Kommunalpolitiker Lump Anton: Bürgermeister(1902-1929-Pöggstall) und Bierbaumer Rudolf: Gemeinderat(1913-1927-Wiener Neustadt).
Autor: Dr. Fritz Simhandl, Autor Fleedstreet