Der reiche und der arme Dichter
225 Jahre nach Ankunft Friedrich Schillers im
Thüringischen Bauerbach begleicht ein Wohltäter dessen dortige Schulden
- zur Einleitung des Schillerjahres 2009. Der Dichter, Philosoph und
Humanist hatte im dortigen Wirtshaus bis heute Außenstände hinterlassen.
Von diesem Übel erlöst ist der Verfasser des Eingangszitats. 203 Jahre nach seinem Tod tilgt die Erfurter Medienagentur „medfux" dessen letzte Außenstände. Sie betreffen eine Rechnung des Wirtshauses „Zum braunen Roß" in Bauerbach. In der kleinen südwestthüringischen Gemeinde hatte der große Humanist und Dichter zwischen 1782 und 1783 ein knappes Jahr Unterschlupf gefunden, nach seiner Flucht aus Württemberg. Die „Rechnung Nummero 58" weist unter anderem „14 Essen" und „4 Eimer Bier" sowie Beträge „vor das Pferd" und „Licht" aus; Außenstände, die Schillers damalige Wohltäterin Henriette von Wolzogen begleichen wollte, ohne das der Vollzug dieser Absicht feststellbar ist. Da ebenfalls unklar ist, in welcher Währung Schiller hätte zahlen müssen, übergeben die späten Mäzene den symbolischen Betrag von 50 Euro sowie, ehrenhalber, die Wortpatenschaft für „Lammesgeduld" an die heutigen Inhaber des Gasthauses. Anlaß dazu bietet der Festakt der Gemeinde Bauerbach am 6. Dezember, welcher zum Geburtstag des Poeten das Schillerjahr 2009 einläutet.
„Einem Dichter von bis an den Himmel reichender Erhabenheit sollte nicht das Makel weltlicher Ungereimtheiten beflecken – selbst nach seinem Tode nicht", sagt Spender Tobias Mindner.